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Die vielseitige Farbe Grün

»Grün ist die Heide« - im Film. »Grün ist die Hoffnung« - im Sprichwort. »Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühn« - im Musical. »Grün, grün, grün sind alle meine Kleider« - im Volkslied. Grün [ahd. gruoni, zu gruoen = »wachsen, grünen«; germ. groni, zu idg. gro- = »wachsen«] ist nicht erst seit Gründung der Partei »Die Grünen« die Farbe für die ökologisch intakte, sondern von jeher für die erwachende Natur. Seit Martin Opitz (1597-1639) macht jeder Dichter seinen Frühlingsgefühlen Luft, wenn es sprosst und sprießt, und kommt damit hoffentlich auf einen grünen Zweig. Darum ist die Hoffnung grün: weil frisches Grün die Erwartung auf schöne Blüten weckt. Die Farbe Grün steht also zuerst für freundliche, einladende Assoziationen - darum verwendet man sie auch als à Ampel-Signal zum Durchstarten. Ebenso meint die grüne Seite, die Friedrich Silcher 1836 so eingängig im Volkslied besang (»Mädel, ruck ruck ruck an meine grüne Seite«), schon seit dem 16. Jahrhundert die sympathische Herzseite des Menschen. Aber man kann die Erwartungshaltung, die sich mit dem Lenzesgrün verbindet, auch negativ verstehen: im Sinne von »noch nicht voll entwickelt« oder »unreif«. Nicht jedem Menschen ist man schließlich grün, also gewogen. Und so wie grünes Obst - nun einmal unreif ist, so bezeichnet man einen Newcomer ohne Know-how als Grünschnabel, grünen Jungen oder englisch als Greenhorn. Ja, das junge Gemüse ist eben noch grün hinter den Ohren, nicht ohne Hintersinn hat Gottfried Keller den Helden seines Entwicklungsromans (1854/55) den »grünen Heinrich« genannt.

 

Gründonnerstag:

Im übertragenen Sinn steckt die »grüne« Frühlingsfreude auch im Gründonnerstag: Der Tag, an dem Christus beim Abendmahl sein Weiterleben, seine Auferstehung angekündigt hat, wurde früh zum Gedenktermin, der die Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tod stärken sollte. Bereits seit dem 4. Jahrhundert gefeiert, interpretiert er das heidnische Naturfest des Frühlingserwachens als Erneuerung, als Entsühnung des Menschen. Symbolhaft dafür bürgerte sich seit dem 14. Jahrhundert der Brauch ein, als Fastenspeise grüne Gartengewächse zu essen - daher stammt wahrscheinlich die Tagesbezeichnung.

 

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