Kolumbus verschmähte die Gabe
Als Christoph Kolumbus vor 500 Jahren auf der Insel Guanaja vor der Küste Honduras' anlegte, war unter den Willkommensgeschenken der Azteken auch ein Sack mit braunen Kakaobohnen. Da der europäische Entdecker mit dieser Gabe nichts anzufangen wusste, zeigten ihm die Einwohner, wie sie daraus tchocolatl herstellten. Vor seinen Augen zermahlten sie die Bohnen und gaben Gewürze und Wasser hinzu. Diese erste Schokolade, ein schäumendes scharf-bitteres Gebräu, soll Kolumbus allerdings nicht geschmeckt haben. Er zeigte deswegen auch kein weiteres Interesse an dem Sack mit den Bohnen. Erst siebzehn Jahre später, im Jahr 1519, erkannte ein anderer Spanier den Wert des Kakaos.
Cortés brachte Kakao nach Europa
Am Hof Montezumas II. soll der Eroberer Hernando Cortés aus einer goldgefassten Schale seine erste Schokolade getrunken haben. Der göttliche Trank, schrieb der Konquistador an seinen König Karl I. von Spanien, erzeugt Kraft und bekämpft Müdigkeit. Eine Tasse dieses wertvollen Getränks ermöglicht es einem Mann, einen Tag lang ohne Verpflegung zu marschieren. Cortez nahm sich den Kakao - und zerstörte das aztekische Imperium. 1528 segelte er zurück nach Europa und brachte die braunen Bohnen an den Hof des spanischen Königs.
Die Kolonialherren ließen in den folgenden Jahrzehnten Kakaoplantagen in Mexiko und Ecuador angelegen, in Venezuela, Peru, auf Jamaika und Haiti. Bei der Zubereitung ging die alte Welt allerdings eigene Wege.
Durch den Zusatz von Zucker, Vanille oder anderen Gewürzen wurde aus der bitteren aztekischen tchocolatl die süße spanische chocolate. Vor allem Klosterküchen waren in der Entwicklung neuer Rezepte führend. Die Kakaobohnen waren den Spaniern so wertvoll, dass es fast ein Jahrhundert und die Heirat der spanischen Prinzessin Maria Theresia mit Ludwig XIII. brauchte, bis das Geheimnis des köstlichen Göttertranks nach Frankreich gelangte. 1657 schließlich kam die Schokolade nach England, und bald avancierten Schokoladehäuser in ganz Europa zu Zentren des geselligen Lebens der oberen Klassen.
1847 - die erste Essschokolade
Die erste Firma, der es gelang, Essschokolade herzustellen, war 1847 das englische Unternehmen J. S. Fry & Sons. Das Ergebnis soll körnig gewesen sein und von ziemlich aufdringlichem Aroma. Doch damit begann der weltweite Siegeszug der Tafelschokolade.
In Deutschland gehörten der Aachener Apotheker Leonard Monheim und Franz Stollwerck zu den ersten, die sich mit der Schokoladen-Herstellung beschäftigten. Monheim – aus dessen Firma später die Ludwig Schokoladen GmbH & Co.KG wurde – begann 1857 mit der Produktion seiner „Gesundheitsschokolade“. In Holland waren es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Droste, Suchard in der Schweiz und Baker in den USA, die mit immer neuen Techniken und Mixturen produzierten. Daniel Peter und Henri Nestlé erfanden 1875 die Milchschokolade, 1913 präsentierte Séchaud in Montreux die erste gefüllte Schokolade.
Heute werden weltweit jährlich einige Millionen Tonnen Rohkakao zu Schokoladen, Pralinen oder Schokoriegeln verarbeitet. Mehr als neun Kilo nascht jeder Bundesbürger davon im Jahr (Stand: Ende 2007). Als Weltmeister im Schokoladenverzehr werden immer wieder die Schweizer und die Belgier genannt. Fakt ist: Schokolade ist zum Glück längst nicht mehr nur den Herrschern oder dem Adel vorbehalten. Aber für viele ist und bleibt sie eine himmlische Köstlichkeit. Quetzalcóatl sei Dank.

