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wissen.de Artikel

Korallen

Kurzbeschreibung

Die Korallen stellen mit 6500 Arten die größte Klasse der Hohltiere dar. 20 davon kommen auch an der deutschen Küste vor. Darüber hinaus kennt man noch 5000 ausgestorbene fossile Arten. Der wissenschaftliche Name Blumentiere (Anthozoa) leitet sich von den lebhaften Farben und schönen Formen ab. Da Korallen meistens am Meeresboden festgewachsen sind, gerät man leicht in Versuchung, sie für Pflanzen zu halten. Doch es handelt sich bei Korallenstöcken um eine verzweigte Ansammlung von einzelnen Tieren. Wie bei anderen niederen Tierformen auch, werden nicht alle Kriterien erfüllt, die Tiere von den Pflanzen abgrenzen. In diesem Fall ist es die Beweglichkeit. Bei den allgemein als Schmuck bekannten Korallen handelt es sich um Skelettteile von Edelkorallen.

Steckbrief Korallen

Wissenschaftlicher Name:Anthozoa
Stamm:Nesseltiere (Cnidaria)
Unterabteilung:Hohltiere (Coelenterata oder Radiata)
Klasse:Blumentiere (Anthozoa)
Lebensraum:Meeresboden
Lebensweise:meist festgewachsen, oft in Kolonien, teilweise riffbildend
Nahrung:Plankton, kleine Fische und Krebse
Fortpflanzung:geschlechtlich und vegetativ
Feinde:Seesterne, Schnecken, Spinnen, Fische, Menschen, Wasserverschmutzung
Gefährdung:Riffkorallen und Edelkorallen stellenweise stark gefährdet
Nachzucht:viele Arten lassen sich im Aquarium halten

Porträt

Lebensweise

Die Tiere haften mit einer Fußscheibe einzeln oder in Kolonien fest auf ihrem Untergrund. Ihr Körper ist in der Regel zylinderförmig. Die obere Öffnung, das Schlundrohr, ist von einem oder mehreren Tentakelkränzen umgeben. Der Magenraum ist durch mindestens vier, oft aber über 100 Scheidewände unterteilt, die aus Faltenbildungen der Innenwand entstanden sind. An einer Kante dieser Innenwände bildet ein Längsmuskel eine Art Wulst, der verdickt und meist stark gefältelt ist. Diese Kante enthält eine große Zahl von Ferment- und Aufsaugzellen. Hier findet die eigentliche Verdauung statt. Taschen, die durch die Scheidewände gebildet werden, dienen dagegen der Atmung, dem Nährstofftransport und teilweise auch der Brutpflege. Schlagende Wimpern auf der Innenhaut erzeugen einen permanenten Wasserstrom, der von einem Schlundrohrwinkel des Tieres durch die Taschen zum anderen bewegt wird. Verschlingt die Koralle ein Beutetier wird es von den Scheidewänden umhüllt und aufgelöst. Unverdauliche Reste werden durch das Schlundrohr wieder ausgeschieden.

Fortpflanzung

Korallen sind meist getrenntgeschlechtlich. Die Geschlechtszellen bilden sich im inneren Keimblatt zwischen den Scheidewänden und den Längsmuskeln. Sie werden in den Magenraum ausgeschieden. Von dort stoßen die männlichen Tiere die Samenfäden durch das Schlundrohr, die Poren und die Tentakelspitzen aus. Manchmal kann man dabei eine Wolke beobachten. Die Besamung findet im Magenraum des weiblichen Tieres oder auch frei im Wasser stattfinden. Nur wenige Arten wie die Purpurrose oder Edelsteinrose beherbergen die kleinen Polypen eine Weile in ihrem Inneren und entlassen sie erst in einem relativ entwickelten Stadium in die Umwelt, was sich in einem Aquarium schön beobachten lässt. Ansonsten bewegen sich die bewimperten Larven freischwimmend. Sie leben etwa zwei Wochen von Plankton, bevor sie sich festsetzen. Es gibt aber auch die vegetative Vermehrung durch Knospung. Oft trennen sich Mutter- und Tochtertiere dabei nicht, sondern bleiben durch Ernährungsröhren miteinander verbunden. Einige Korallengebilde wie die Graue Seefeder können aus über 40 000 miteinander verwachsenen Einzelpolypen bestehen. Dabei haben nur die oberen Polypen Tentakeln zum Nahrungsfang. In der Tiefe sitzen tentakellose Schlauchpolypen, die in erster Linie für den Wasseraustausch des Systems sorgen.

Korallen besitzen keine ausgebildeten Sinnesorgane. Der Kontakt zur Umwelt erfolgt über Sinneszellen, die über den gesamten Körper verteilt sind. Manche Korallenarten bilden ein äußeres Skelett aus kalkhaltigen Ausscheidungen. Diese sind Grundlage der Korallenriffe. Im Gewebe der riffbildenden Korallen sind kleine Algen, so genannte Zooxanthellen eingelagert, die ihre Wirte mit Nährstoffen versorgen, die sie durch Fotosynthese gewinnen. Oft sind sie es auch, die so für die Farbe der Tiere sorgen. Sie werden bei der geschlechtlichen Vermehrung von den Elterntieren an die Larven weitergegeben.

Merkmale

Die Blumentiere teilen sich in zwei Unterklassen auf: Die Sechstrahligen Korallen (Hexacorallia) und die Achtstrahligen (Octacorallia). Ausgestorben sind die Bodenkorallen (Tabulata) und die Runzelkorallen (Rugosa).

Das gemeinsame Kennzeichen der Sechstrahligen Vertreterinnen ist, dass sie entweder sechs Magenscheidewände oder ein Vielfaches davon besitzen. Nur bei einigen wenigen ist der Aufbau durch eine Fünfer-Symmetrie bestimmt. Die Tentakeln sind fast ausnahmslos gefiedert. Zu den Sechsstrahligen Korallen gehören die Aktinien oder Seeanemonen, die Steinkorallen, Dörnchenkorallen, Zylinderrosen und Krustenanemonen. Insgesamt sind es über 4000 Arten.

Seeanemonen

Seeanemonen kommen in allen Meeresgebieten bis in eine Tiefe von 10 000 Metern vor. Einige Arten ertragen auch stundenlanges Trockenliegen und stark schwankenden Salzgehalt. Andere leben sogar im Brackwasser. Einige Seerosen können sich sogar fortbewegen. Die Pferdeaktinie kann beispielsweise bis zu 50 cm am Tag zurücklegen, indem sie ihre Fußscheibe wellenförmig bewegt. Die Aiptasia kriecht auf dem Rumpf liegend. Die Stomphia carneola kann bei der Berührung durch Feinde, wie Seesterne und Nacktschnecken, sogar davonschnellen. Dabei klappt sie den Körper bis zu vierzig Mal in der Minute abwechselnd u-förmig nach links und rechts. In der Regel verteidigen sich Seeanemonen aber durch Nesselzellen auf ihren Tentakeln. Die Purpurrose kann dadurch sogar einen Gewebezerfall bei Artgenossen auslösen, die ihr zu nahe rücken. Manche Arten fangen mit ihren Tentakeln kleine Fische und Krebschen, andere leben von tierischen Kleinstlebewesen, die im Schleim hängen bleiben und dann mit Wimpernbewegungen in das Schlundrohr gestopft werden.

Feinde

Die Korallen selber dienen verschiedenen Schnecken, Seesternen, Spinnen, Flundern, Schellfischen und Aalen als Nahrung. Mit Krebsen dagegen gehen Seeanemonen häufig eine Symbiose ein, indem sie sich auf krebsbewohnte Schneckenhäuser pflanzen. Bei der Mantelaktinie vergrößert sich die Fußscheibe so stark, dass sie das Schneckenhaus des Anemoneneinsiedlerkrebses nach kurzer Zeit vollkommen umfasst. Wächst der Krebs, wächst auch die verhornte Fußscheibe der Mantelaktinie mit. Oft wird der Kalk des Schneckenhauses mit der Zeit aufgelöst, so dass der Krebs nur noch von der Anemone geschützt wird. Ihre Tentakeln und Nesselfäden wehren angreifende Fische und Kraken ab. Verlässt der Krebs seine lebende Behausung geht sie nach kurzer Zeit zu Grunde. Im indischen Ozean lösen Krebse Anemonen mit ihren Scheren vom Untergrund und tragen sie mit sich herum. Naht ein Angreifer, wird ihm die Schere mitsamt der Koralle entgegengestreckt. Zwischen den langen fleischigen Armen der Riesenaktinien in den tropischen Meeren leben die Anemonenfische. Sie wagen sich höchstens vier Meter aus dem Tentakelwald heraus, der für andere Tiere den sicheren Tod bedeutet.

Korallenarten

Steinkorallen

Die Steinkorallen scheiden über ihre Fußscheibe ein Außenskelett aus Aragonit ab, ein dem Kalksspat verwandtes Material. Zuerst wird eine Grundplatte gebildet, auf der dann sechs strahlig verlaufende Grate entstehen, die die Fußscheibe des Polypen in den Magenraum einstülpen. Später folgt eine zweite Serie von Graten, die sich zwischen die Scheidewände im Magenraum schiebt. Am Rand der Grate entsteht ein Ringwall, der die äußeren Kanten miteinander verbindet. Diese Kalkbildungen wachsen nun regelmäßig in die Höhe. Es entsteht ein bizarres steinernes Gebilde, das von dem lebenden Gewebe des Polypen immer faltenreicher überzogen wird. Gelegentlich formt sich sogar ein Querboden, der den unteren Abschnitt der Koralle vom oberen trennt. Das unten liegende Gewebe stirbt mit der Zeit ab.

Die Steinkorallen können sich geschlechtlich und ungeschlechtlich vermehren. Wenn sich bei der Sprossung Mutter- und Tochterkorallen nicht vollständig voneinander trennen, ergibt sich ein Muster, das ihnen den Namen Mäanderkorallen oder Hirnkorallen eingetragen hat. Bei vollständiger Trennung liegen viele einzelne Kelche in einem Kalkklotz, weshalb man auch von Sternkorallen spricht. Steinkorallen haben kaum Nesselfäden, sondern ziehen sich bei Gefahr in ihre Kelche zurück. Arten, die von Algen überzogen sind, können ein Mehrfaches der Kalkmenge erzeugen wie unbewohnte. Die Algen verarbeiten das bei der Kalkbildung anfallende Kohlendioxid.

Pilzkorallen

Bei der Pilzkoralle wachsen die Seitenwände der Mundpartie nach einer bestimmten Zeit scheibenförmig zur Seite. Diese Scheibe trennt sich dann vom kelchartigen Körper, lässt sich von der Strömung wegtreiben und vermehrt sich sowohl geschlechtlich als auch vegetativ weiter.

Zylinderrosen

Die Zylinderrosen sind auf weichen Böden im Sand und Schlick heimisch, eine kleine Form auch in der Nordsee. Im Gegensatz zu anderen Korallen bilden sie keine Fußscheibe, sondern können sich frei bewegen. Am unteren Ende ihres Körpers gibt es ein Loch, aus dem durch Zusammenziehen Wasser ausgespritzt wird. Die Zylinderrosen bauen sich eine bis zu einem Meter tiefe Wohnröhre aus Schleim, festen Bodenbestandteilen und Nesselkapseln. Bei Gefahr ziehen sie sich dort hinein zurück. Der Körperdurchmesser der Tiere beträgt nur 2 cm, aber mit ihren zwei langen Tentakelkränzen können sie einen Kreis von fast 60 cm erfassen und nach Nahrung absuchen.

Krustenanemonen

Die in warmen Meeren heimischen Krustenanemonen können kein eigenes Kalkskelett bilden. Sie bauen deshalb Sandkörner, Muschelschalen und ähnliches Material in ihr Gewebe ein. Manche siedeln sich auf von Einsiedlerkrebsen bewohnten Schneckenhäuser an und lösen mit der Zeit das Kalkgehäuse auf, so dass der Krebs schließlich in der Anemone wohnt.

Dörnchenkorallen

Die Dörnchenkorallen bilden pflanzenähnliche, verästelte Skelette von dunkler, hornartiger Beschaffenheit, um die sich das tierische Gewebe wie eine Rinde legt. Diese Stöcke, die vor allem in tropischen Meeren in großer Tiefe anzutreffen sind, können bis zu einem Meter hoch werden. Einige Arten wie die Schwarze Koralle kommen aber auch in Europa vor. Die Skelettteile werden wie die der Edelkorallen als Schmucksteine verwendet.

Rindenkorallen

Die Rindenkorallen bilden wie die Dörnchenkorallen ein pflanzenähnliches Achsenskelett, um das sie herumwachsen. In dem Geäst siedeln sich Algen, Schwämme, Muscheln, Würmer und Hohltiere an. Manchmal stirbt die Koralle selbst dabei ab. Die bekannteste Gattung ist die Edelkoralle, deren steinhartes, sprödes Skelett zu Schmuck verarbeitet wird. Sie ist in warmen, aber nicht tropischen Gewässern in einer Tiefe von bis zu 300 Meter zu finden. Für ihr Wachstum sind ein fester Untergrund, geringe Temperaturschwankungen, ein gleich bleibender Salzgehalt, ruhiges Wasser und gedämpftes Licht nötig. Andere Rindenkorallen wie die im Atlantik und der Nordsee vorkommende Warzenkoralle zeigen sich unter Wasser in schönen Orange- und Rottönen. Getrocknet verlieren sie aber ihre Farbe, weil diese nicht im Skelett, sondern in Form von Karotinoiden in der Rinde eingelagert ist.

Edelkorallen

Die Edelkorallen gehören zur Unterklasse der achtstrahligen Korallen, die sich durch achtfach vorhandene Körperteile auszeichnen. Die Octocorallia sind meist stockbildend. Das Mundfeld wird von acht zierlichen Tentakeln umsäumt, deren Nesselfäden dem Menschen allerdings nicht gefährlich werden können. Skelette werden in Form kleiner Nadeln gebildet, die entweder aus Kalk oder von hornähnlicher Beschaffenheit sind. Bei einzeln Arten verschmelzen sie miteinander.

Man kennt 2500 Arten, die den Ordnungen Lederkorallen, Rindenkorallen, Blaukorallen und Seefedern angehören. Bei vielen Arten ist ein starkes An- und Abschwellen zu beobachten. So kann sich die in der Nordsee beheimatete Seemanshand durch Wasseraufnahme auf ein Mehrfaches ihrer ursprünglichen Größe ausdehnen. Mit ausgestreckten Tentakeln gleichen sie dann weißen Blumen. Unter günstigen Lichtverhältnissen kann man die Skelettnadeln im Gewebe durchscheinen sehen. Die Seemannshand ist häufiger Beifang bei Fischfängen und wird getrocknet zu Dünger vermahlen.

Blaukorallen

Die Blaukorallen waren zunächst nur durch fossile Funde bekannt, bis man im indopazifischen Raum eine noch lebende Art, Heliopora coerulea, fand. Sie bildet Skelettblöcke mit vielen Verzweigungen ähnlich der Steinkoralle. Die lebende Masse ist nur zwei bis drei Millimeter dick und liegt als blaugraue Rinde über dem Stein.

Seefedern

Die Seefedern sind nicht auf einer festen Unterlage festgewachsen, sondern stecken nur lose im Grund. Sie sind bekannt durch ihr helles Leuchten bei Dunkelheit. Bei Erregung sondern sie einen Schleim ab, in dem kleine leuchtfähige Körnchen eingebettet sind. Dieses Leuchten verbreitet sich mit einer Geschwindigkeit von 25 cm in der Sekunde in der ganzen Kolonie.

Korallenschmuck

Korallenschmuck besteht aus den weißen bis tiefroten Achsenskeletten der Edelkorallen. Am bekanntesten ist die rote Edelkoralle. Es gibt aber auch weiße, dunkelbraune, goldene, rosa, schwarze und gefleckte Skelette. Eine japanische Art hat eine weiße Mitte und eine rote Randschicht, bei einer anderen ist es umgekehrt. Schon in den Gräbern der La-Tène-Zeit (400-58 v. Chr.) fand man mit Korallen verzierte Fibeln, Helme, Armringe und Pferdegeschirre. Im alten Ägypten gab man den Toten Korallenschmuck als Schutz mit. In der griechischen Mythologie sind die Korallen aus dem Blut entstanden, das dem Haupt der Gorgo entronnen ist, nachdem Perseus es abgeschlagen hat. Die Römer trieben einen schwunghaften Korallenhandel mit den vorderasiatischen Staaten. Man verwendete sie sowohl als Bestandteil von Heilmitteln als auch für Amulette. Diese sollten Krankheiten aus dem Körper ziehen oder vor dem Bösen Blick schützen. Marco Polo berichtete, die Tibeter hätten im 13. Jahrhundert Edelkorallen als Geld verwendet. Im Mittelalter wurden oft Heiligenfiguren aus Korallen geschnitzt. Allgemeine Verbreitung fand Korallenschmuck in Europa aber erst im 15. Jahrhundert. Bis ins 19. Jahrhundert benutzte man pulverisierte Korallen gegen alle möglichen Krankheiten.

Lange Zeit erntete man Edelkorallen, indem man ein Fanggerät aus zwei kreuzweise verbundenen Metall- und Holzbalken über die Korallenbänke schleifte. Die herausgebrochenen Stücke verfingen sich in Netzen, oder fielen zu Boden und gingen verloren. Heute wird der größte Teil der Korallen durch Taucher heraufgeholt, die die Vorkommen systematisch abernten. An weiten Teilen der französischen, italienischen und jugoslawischen Mittelmeerküste ist die Edelkoralle deshalb schon verschwunden.

Korallenriff

Korallenriffe bestehen aus den kalkhaltigen Ausscheidungen von Korallen und anderen Meereslebewesen, sowie aus versteinerten Korallen, Schnecken, Muscheln und Seeigeln. Riffkorallen brauchen mindestens 20 °C warmes, sauerstoff- und nährstoffreiches, klares Wasser mit ausreichend Salz und Licht, damit die eingelagerten Algen Fotosynthese betreiben können. Die Bedingungen dafür finden sich an tropischen und suptropischen Küsten bis in eine Tiefe von 40 m. Anhand von Korallenriffen, kann man deshalb auf Meeressenkungen oder Wärmezeiten innerhalb der Erdgeschichte schließen.

Es gibt verschiedene Riffformen. Ein Krustenriff entsteht, indem Flachseebänke krustenartig überzogen werden. Sie weisen eine geschlossene Form auf, wachsen zur See hin und zerfallen landwärts. An den Flussmündungen, wo das Wasser süß und brackig ist, sind sie meist unterbrochen. Wallriffe wie das Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens sind breiter, länger und liegen weiter vom Land entfernt. Atolle sind kreisförmig, oft bewohnt und liegen meist nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Bei allen bisher erforschten Atollen bildete sich das Korallenriff auf untermeerischen Vulkanen. In stillem Wasser sind die Bauten sehr fein verästelt, in bewegtem Wasser derb und stammartig, in der Brandung krustenförmig. Manche Korallen haben einen Zuwachs von 50 cm jährlich. Lebende Korallenriffe können deshalb eine Gefahr für die Schifffahrt bedeuten.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts werden die Riffe stark ausgebeutet, zunächst vor allem durch den Perlmutthandel. Heute sind die Riffe durch sich ändernde Umwelteinflüsse bedroht. Die Wasserverschmutzung ist vermutlich eine der Ursachen für die massenhafte Vermehrung des Korallen fressenden Dornenkronenseesterns. Eine andere ist wahrscheinlich die zu starke Befischung der natürlichen Feinde des Seesterns. Da dieser täglich bis zu 400 cm² Korallen verzehrt und inzwischen oft auf jeden Quadratmeter Riff ein Stern kommt, ist die vollständige Vernichtung absehbar. Außerdem werden die Korallenriffe zunehmend von Pilzen befallen. In Florida sind mittlerweile 40 % der Korallen auf diese Art vernichtet worden. Eine Erwärmung des Wasser, zum Beispiel durch das Wetterphänomen "El Nino" führt zu einem Chlorophyllverlust oder gar zum Absterben der Zooxanthellen, was ein Ausbleichen der Korallen zur Folge hat. Auch das Ansteigen der Meeresspiegel bringt das sensible Ökosystem "Korallenriff" durcheinander. Die Dynamitfischerei, heute fast überall verboten, und die häufiger werdenden Hurrikans zerstören es mechanisch. Eine verstärkte Schlickbildung, zum Beispiel durch Öl, das ins Meer gelangt, oder Abfallmaterial vom Straßenbau, lässt die Korallen ersticken. In der Südsee wird Korallenkalk immer noch als billiges Baumaterial genutzt.

Da Korallenriffe oft das Land vor starker Brandung und Sturmfluten schützen, kann ihr Verschwinden eine große Gefahr, vor allem für flache Inseln, bedeuten. Außerdem verlieren viele Fische mit ihnen Lebensraum und Nahrung. Das wirkt sich wiederum auf die Ernährungssituation traditionell lebender, armer Küstenbewohner aus. Da Korallenriffe auch viel Kohlendioxid binden, könnte ihre Zerstörung den Treibhauseffekt beschleunigen.

Bibliografie

Harry Erhardt, Daniel Knop: Korallenführer Indopazifik. Gorgonien, Weichkorallen, Steinkorallen, Seeanemonen, stuttgart 2005

Gerd Haegele: Korallenriffe - ein Lebensraum und seine Bewohner. Die Ökologie tropischer Korallenriffe - mit 1000 Arten und über 1800 Fotos. CD-ROM. München 2004

Bob Halstead: Riff-Führer Korallenmeer, Hamburg 2000

Ewald Lieske, Robert Myers: Korallenriff-Führer Rotes Meer, Stuttgart 2004

Diek Ritter: Lebensraum Korallenriff. Entstehung, Aufbau und Genese eines Lebensraumes. DVD. 2005

Mark D. Spalding: Weltatlas der Korallenriffe, Bielefeld 2004

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