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Digitales Lernen

KEL

 

Computer, Handys und Tablets. Unsere Kinder und Jugendlichen gehen wie selbstverständlich damit um. Was viele Erwachsene erst mühevoll lernen müssen, ist für die Jugend ganz normal. Verwunderlich ist das nicht, wachsen sie doch im digitalen Computerzeitalter auf. Da liegt es auf der Hand, die Affinität der Kinder zu allem, was mit Tastaturen, Displays und Co zu tun hat auch sinnvoll zu nutzen. Die Rede ist vom digitalen Lernen, oder auch E-Learning genannt. Auch auf der weltgrößten Computermesse CeBIT, die zurzeit in Hannover stattfindet, ist Lernsoftware ein wichtiges Thema.

Lernen am Computer
MMCD Multimedia GmbH

Mit der weißen Kreide in der Hand steht der Lehrer an der grünen Tafel und schreibt das Thema der Stunde an. Die Schüler holen aus ihrem voll gepackten Tornister ein Buch heraus und schlagen das entsprechende Kapitel auf. Ist das alles schon Schnee von gestern?

Ein anderes Bild: Der Beamer projiziert eine Präsentation auf ein sogenanntes digitales Whiteboard an der Wand. Der Lehrer kritzelt mit einem speziellen Stift darin herum. Er unterstreicht, kreist ein, verbindet oder was ihm noch so zur Veranschaulichung einfällt. Die Schüler fahren Computer hoch und starten die zum Thema gehörende Lernsoftware. Sieht so die Schule von morgen oder gar schon von heute aus? Wir haben uns für Sie schlau gemacht: Sinnvoll oder überflüssig - Was ist dran am digitalen Lernen?

E-Learning weckt den Spieltrieb in uns

Da gibt es zunächst die Lernsoftware: Diese Programme können ganz individuell auf jeden einzelnen eingehen. Im Frage-Antwort-Spiel etwa. Anhand der Art einer falschen Antwort kann die Software erkennen, was der Schüler noch nicht verstanden hat und ihn direkt zu dem entsprechenden Lernmodul weiterleiten. Lernsoftware geht also ganz speziell auf den Wissensstand des Einzelnen ein. Und nicht nur das Programm selber, auch die Lehrer können anhand der Daten, die die Lernsoftware speichert, erkennen: Was hat ein Kind verstanden und was noch nicht. So kann der Lehrer in seinem Unterricht gezielt darauf eingehen. Aber Lernsoftware hat noch einen anderen Vorteil: Sie weckt den Spieltrieb der Kinder. Und das spielerische Lernen macht nicht nur besonders viel Spaß, es ist auch noch ganz besonders effektiv.

Ungreifbares zum Anfassen

Die jüngste Disziplin des E-Learnings sind die 3D-Simulationen: Von chemischen Reaktionen über komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge bis hin zu Planetenbewegungen, all dies kann heutzutage simuliert und räumlich dargestellt werden. Die Vorteile sind vielfältig. Manche Prozesse sind zu klein, wie etwa die Entstehung einer chemischen Bindung. Oder zu weit weg, wie eine Supernova in den Tiefen des Alls. Oder zu gefährlich, wie eine Explosion, als dass wir sie einfach so in Ruhe beobachten und verstehen lernen könnten. So können Simulationsprogramme Schülern oder auch Studenten beispielsweise einen Einblick in die Prozesse geben, die innerhalb einer Zelle stattfinden. Durch den Blick in eine simulierte virtuelle Zelle, fühlen wir uns plötzlich wie ein Teil des Systems und verstehen die vorher so unvorstellbaren Zusammenhänge in dem winzigen und zuvor nicht greifbaren Raum einer Zelle.

Ausgewogen sollte das Verhältnis sein

In Deutschland steckt der Einsatz von digitalen Lernangeboten in den Schulen noch in den Kinderschuhen. Andere Länder, wie beispielsweise Finnland sind uns da schon deutlich voraus. Und auch bei der alle drei Jahre unternommenen PISA-Studie hat Finnland sowohl in dem Bereich Lesen, als auch in der Mathematik und in den Naturwissenschaften die Nase vorn. Doch liegt das wirklich an dem E-Learning? Bislang kann diese Frage noch nicht klar beantwortet werden.

Die Meinungen von Pädagogen gehen hier auseinander. Als Vorteile werden vor allem genannt, dass Kindern der Umgang mit digitalen Medien besonders viel Spaß macht und dass sie individueller gefördert werden können. Wie sieht es aber mit dem sozialen Umgang miteinander aus? Wenn jedes Kind vor dem Bildschirm oft nur für sich mit der Lernsoftware beschäftigt ist, dann wird der soziale Kontakt zu den Mitschülern nicht genügend gefördert, so befürchten Experten. Und noch ein ganz entscheidender Punkt könnte vernachlässigt werden: der Tastsinn. Was nützt es, wenn unsere Kinder zwar wissen, wie die Photosynthese in einer Pflanze funktioniert, aber nicht mehr sagen können, wie sich ein Blatt anfühlt? Ausgewogen sollte das Verhältnis also schon sein zwischen der digital unterstützten und der sogenannten "Freinet-Pädagogik".

Vorsicht ist geboten

Und in noch einem Punkt ist Vorsicht geboten. Denn digitales Lernen ist mittlerweile auch zum Geschäftsmodell geworden. Bei jeder neuen und innovativen Anwendung sollten wir also immer wieder neu fragen: Sinnvoll oder überflüssig? Fest steht jedenfalls: Das Zeitalter des digitalen Lernens hat längst begonnen und in Zukunft werden unsere Schulen mit Sicherheit noch weiter digitalisiert. Doch eines sollten wir trotz allem Fortschritt im Auge behalten: Je mehr die Kinder auch schon in der Schule vor dem Bildschirm hocken, umso wichtiger ist es, dass sie in ihrer Freizeit rauskommen und die Dinge hautnah, in echt, zum Anfassen und live erleben können. Denn es ist ja schließlich immer noch die Welt da draußen, in der wir leben.

(10.03.2014)

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