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LEXIKON

Weltpolitik

i. e. S. (traditionelle Auffassung) die Politik und Beziehungen der Groß- oder Weltmächte, die darauf abzielen, über den eigenen regionalen Rahmen hinaus weltweit gestaltend zu wirken. Wichtige, oftmals programmatisch oder gar ideologisch begründete Formen der Weltpolitik gingen von den europäischen Kolonialreichen der Frühen Neuzeit (u. a. Spanien, Portugal), dem Imperialismus europäischer Großmächte (u. a. Großbritannien, Frankreich) sowie den totalitären Gewaltsystemen des 20. Jh. aus (Nationalsozialismus, Sowjetkommunismus). Gegenentwürfe zu den Herrschaftsansprüchen einzelner Mächte über andere sind in den Vorschlägen für eine multilaterale Ordnung mit übergeordneten internationalen Organisationen und allgemein verbindlichen Rechtsgrundsätzen für alle Staaten zu sehen, wie sie US-Präsident W. Wilson mit seiner Forderung eines Völkerbundes 1918 sowie die Kriegsalliierten USA (F. D. Roosevelt) und Großbritannien (W. Churchill) 1941 in der
mit dem Plan für die Vereinten Nationen präsentierten. Weitere Konzepte zur Gestaltung einer Weltpolitik stellen die Ideen von einer Neuen Weltordnung dar, wie sie u. a. US-Präsident G. H. W. Bush nach Ende des Ost-West-Konflikts 1989/90 entwickelte. Mit der Überwindung der ideologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Gegensätze wurde darin die Konzeption einer weltweit gültigen Ordnung vorgestellt, in der die handlungsfähigen Mächte (v. a. die Ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates) gemäß den Grundsätzen der Vereinten Nationen und unter Nutzung des weit verzweigten UN-Systems für Frieden und Stabilität sorgen sollten.
I.w. S. (wegen der engen Verflechtung aller Staaten und Elemente) wird unter Weltpolitik auch die Gesamtheit der politisch wirksamen Akteure und Beziehungen verstanden, soweit sie die Kräfteverteilung und Entwicklungstendenzen in der Welt berühren, wesentlich also auch wirtschaftliche Beziehungen, Auslandshilfe, technologische Entwicklungen sowie die zunehmende Vernetzung transnationaler, zivilgesellschaftlicher Akteure (NGO). Gemäß diesem umfassenderen Verständnis von Weltpolitik stellen die vorhandenen grenzüberschreitenden Strukturen und Organisationen in den unterschiedlichen Themenfeldern (Umweltpolitik, Menschenrechtsschutz, Wirtschafts- und Finanzbeziehungen, Sport, Kultur u. a.) sowohl den Regelungsrahmen als auch die einflussreichen Regelungseinheiten dar, durch die weltweit Politik in Einzelbereichen gestaltet wird (Global Governance). Einzelstaaten wirken an den meisten dieser Regelungen einerseits mit, werden aber andererseits auch durch sie in ihrem Handlungsspielraum deutlich beschränkt (z. B. durch das Kyoto-Protokoll).
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