wissen.de
Total votes: 104
wissen.de Artikel

"Liebe gehört dazu"

Charles Schumann über seine Anfänge, neue Cocktailtrends und seine Bratkartoffeln

Er ist Primus inter pares unter den deutschen Barkeepern und viele seiner selbst kreierten Cocktails sind Legende: Charles Schumann. In drei Münchner Lokalen kann man seine Handschrift erkennen.

Herr Schumann, sie sind nun mittlerweile seit 30 Jahren im Geschäft. Wie hat ihre Karriere als Barkeeper begonnen?
Heutzutage ist Barkeepern zu einem Beruf geworden, mehr oder weniger. Als ich angefangen habe, war das natürlich nicht so einfach. Da gab es Barkeeper nur in den Hotelbars. Von denen hatten viele schon ewig im Beruf gearbeitet, ohne wirklich gefordert zu werden, denn damals ging man nicht in eine Bar, um unbedingt Cocktails zu trinken. Vielmehr gab es Champagner und dann noch vier, fünf Cocktails und das war’s dann schon. Ich habe Arbeit gesucht, mit der ich mich als Student über Wasser halten konnte. Die Gastronomie hatte mich immer sehr interessiert. Als Koch wollte ich nicht unbedingt arbeiten, hatte dafür ja auch keine Ausbildung. Nachdem ich immer viel gereist bin, habe ich mir gedacht: das wäre was, hinter dem Tresen zu stehen und Cocktails zu mixen. Ich habe angefangen, als es in München eigentlich nur eine einzige Bar außerhalb eines Hotels gab, und zwar die Harry’s Bar, die es mittlerweile zwar noch gibt, die aber Pusser’s heißt. Und da begann meine Karriere, wenn Sie so wollen.

Aus der studentischen Not von einst ist inzwischen eine gastronomische Tugend geworden. Ist der Beruf überhaupt noch aus ihrem Leben wegzudenken?
Ich könnte es mir auch gut vorstellen, nicht mehr zu arbeiten. Aber ich mache das jetzt schon so lange und habe ja auch Verantwortung für viele Menschen, die mit mir arbeiten, die ihre Familie durch uns ernähren. Wenn ich jetzt noch mal vor der Wahl stehen würde, würde ich es wieder so machen, vielleicht nicht wieder selber einen Betrieb gründen. Denn in meinem Beruf kann man ja, wenn man es will, auch ziemlich viel herumkommen, viel reisen. Das ist schon prima.

Viele denken bei einem Barkeeper an eine Person, die nicht nur gekonnt Cocktails mixt sondern auch ein offenes Ohr für seine Gäste hat. Ist Barkeepern also auch mit einer sozialen Aufgabe verbunden?
Ganz sicher. Wobei es natürlich auch darauf ankommt, wo man arbeitet. In einem großen Café mit Bar etwa hat man in der Regel sehr viel zu tun. Da ist dann kaum Zeit, sich um die Gäste zu kümmern. Und trotzdem muss man sich auch ein bisschen um seine Gäste kümmern – in jeder Hinsicht. Dass man Bescheid weiß, was der Gast trinkt, stoppt, wenn er zu viel trinkt, auch ein offenes Ohr hat, wenn er Probleme hat. Dass man auch sieht, wenn er in Ruhe gelassen werden will. Und all diese ganzen Dinge, die halt dazugehören.

 

Ist die Bar damit auch ein Ort, an dem man mit Menschen umzugehen lernt?
Das kann man nicht lernen. Jemand, der überhaupt nicht mit Menschen umgehen kann, sollte den Beruf auch nicht ergreifen, weil es einfach nicht geht. Wenn man also ein Menschenfeind ist, dann sollte man sich lieber etwas anderes suchen, obwohl man als Barkeeper auch zum Menschenfeind werden kann. Man muss Menschen nicht lieben, aber man muss Verständnis haben für alle menschlichen Schwächen.

 

... klicken Sie zum Weiterlesen auf den folgenden Button
Das Interview führte Paul Sklorz, wissen.de
Total votes: 104