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Naturkatastrophe

Naturkatastrophe Überschwemmung

Wassermassen brechen sich unaufhaltsam Bahn.

Das Wort “Naturkatastrophe" ist uns allen ein Begriff. Fast wöchentlich, mitunter täglich, erreichen uns über die Medien aufsehenerregende Meldungen und spektakuläre Bilder von → Erdbeben, → Vulkanausbrüchen oder Überschwemmungen, die als Naturkatastrophen bezeichnet und deren Auswirkungen als katastrophal beschrieben werden. Und es wird in den Medien darüber diskutiert, ob Naturkatastrophen zunehmen. Was aber bedeutet der Begriff?

Der Ausbruch des Mount St. Helens im Jahr 1980.

Das Wort “Naturkatastrophe" setzt sich aus dem lateinischen Wort natura, die Geburt, bzw. das Hervorbringen, und dem griechischen Begriff katastréphein für umwenden zusammen. Katá bedeutet im Griechischen völlig, und strophé ist die Wendung. Das Fremdwort "Katastrophe" wurde im 17. Jahrhundert aus dem Griechischen entlehnt. Es bezeichnete zu dieser Zeit im antiken Drama den plötzlichen und schicksalsvollen Wendepunkt im Sinne von Unglück, Verhängnis oder Verheerung. Somit wird die von subjektiven Wertvorstellungen und Betroffenheit geprägte Verwendung des Begriffes erkennbar, die bis heute erhalten ist. Die ursprünglich wertfreie Bedeutung des griechischen Wortes katastréphein für umwenden entfällt demnach. Das Wort “Naturkatastrophe" bezeichnet also eine plötzliche und unheilvolle, verheerende Wendung für das Schicksal von Menschen, die von Naturgewalten in Form von Erdbeben oder z. B. → Tornados ausgelöst wird. Finden Vulkanausbrüche, → Stürme und → Bergstürze in unbesiedelten Gebieten statt, so werden für diese Naturgewalten Worte wie Naturschauspiel oder Naturereignis verwendet. Denn sie sind keine unmittelbare Gefahr für Menschen und richten zumeist auch keinen wirtschaftlichen Schaden an.

Verwüstung - aber nicht von Dauer

Extreme Naturereignisse gehören zum Wesen der jeweiligen Landschaft, in der sie auftreten.

Naturgewalten wie Stürme, → Vulkaneruptionen oder Erdbeben sind für die Natur keine Katastrophe. Denn meist erholt sich die Natur sehr schnell von den lokalen Verwüstungen, die durch solche Ereignisse bewirkt werden. Extreme Naturereignisse gehören zum Wesen der jeweiligen Landschaft, in der sie auftreten. Sie bringen keine plötzliche Umwendung in der Natur, auch wenn die örtlichen Verwüstungen mitunter groß sind. Erst wenn Personen, Siedlungen, Verkehrswege oder landwirtschaftliche Flächen durch extreme Naturereignisse betroffen sind, werden Naturgewalten für den Menschen zu Naturkatastrophen. Wirkliche Naturkatastrophen im ursprünglichen Sinn von “Umwenden" sind rasche Veränderungen in der Natur, die weiträumig oder sogar über Kontinente hinweg wirksam und von Dauer sind. Sie führen durch Klimaveränderungen zum Abwandern oder Aussterben von Tieren und Pflanzen oder schaffen in weiten Teilen der Erde völlig neue Landschaften. Der Einschlag eines größeren → Meteoriten oder globale Klimaschwankungen mit einhergehenden → Eiszeiten können solche Katastrophen bewirken.

Folgenreiche Ereignisse - eine Statistik:

Tod und Zerstörung

Die meisten Opfer forderten Naturkatastrophen in armen Ländern - die größten volkswirtschaftlichen Schäden traten hingegen vorwiegend in reichen Ländern auf.

Im Jahr 1998 hat die Münchner Rückversicherung eine Liste der größten Naturkatastrophen der vergangenen 30 Jahre zusammengestellt:

Die zehn Katastrophen mit den meisten Todesopfern seit 1960

JahrLandEreignisTodesopfer
1963BangladeschSturmflut22 000
1970PeruErdbeben67 000
1970BangladeschSturmflut300 000
1976GuatemalaErdbeben22 700
1976ChinaErdbeben290 000
1978IranErdbeben20 000
1985KolumbienVulkanausbruch24 700
1988ArmenienErdbeben25 000
1990IranErdbeben40 000
1991BangladeschSturmflut140 000

Die zehn Katastrophen mit den größten volkswirtschaftlichen Schäden seit 1960

JahrLandEreignisGesamtsumme
(in Mio. US-Dollar)
1980ItalienErdbeben11 800
1988ArmenienErdbeben14 000
1990EuropaWinterstürme15 000
1992USAHurrikan Andrew30 000
1993USAÜberschwemmung16 000
1994USAErdbeben44 000
1995JapanErdbeben100 000
1995NordkoreaÜberschwemmung15 000
1996ChinaÜberschwemmung24 000
1998ChinaÜberschwemmung30 000

Dabei ist auffallend, dass sich die Naturkatastrophen mit den meisten Opfern in armen Ländern bzw. Ländern der Dritten Welt ereignen. Die größten volkswirtschaftlichen Schäden traten hingegen vorwiegend in reichen Ländern auf. Erdbeben sorgen für die meisten Todesopfer, da es rasch auftretende Ereignisse sind, die im Prinzip keine Vorwarnung erlauben.

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