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GROßES WöRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE
Fastnacht:
Der Ausdruck für die „fünfte Jahreszeit“ hat einen religiösen Hintergrund und ist durchaus wörtlich zu nehmen: Mit
Fastnacht
war ursprünglich nur der Abend vor dem Beginn der vorösterlichen Fastenzeit gemeint, an dem der Fastentrunk ausgeschenkt wurde, der den Abschied von üppigen Mahlzeiten und Festen mit Musik und Spielen symbolisierte. Später wurde diese allein auf den Dienstag vor Aschermittwoch gemünzte Bezeichnung dann auf die ganze närrische Zeit übertragen. Das Wort ist erstmals im Mittelhochdeutschen als
vas(t)naht
belegt. Während im Rheinland, in BadenWürttemberg, im Elsass und in der Schweiz von
Fastnacht
gesprochen wird, lautet die in Bayern und Österreich gebräuchliche Form
Fasching
. Dieses Wort geht auf den einst
vastschanc
genannten Fastentrunk zurück. Der auch im Englischen und Französischen zu findende Ausdruck
Karneval
kam erst im Spätmittelalter über das Italienische nach Deutschland. Er wird meist scherzhaft vom lateinischen
carne vale
„Fleisch, lebe wohl“ abgeleitet.
Fastnachtsbrauchtum hat sich in Deutschland wohl seit dem 11. Jahrhundert entwickelt, als das Christentum endgültig heidnische Feste wie die Bacchanalien oder Bräuche wie die Winteraustreibung verdrängt hatte. Das älteste Zeugnis für die Feier des Fastabends stammt aus dem Jahr 1341 in Köln. Heute unterscheidet man zwischen dem rheinischen Karneval, der Anfang des 19. Jahrhunderts in Köln seinen Ausgang nahm und mit Hofstaat, Garden und Orden ursprünglich als Parodie der französischen und später preußischen Obrigkeit gedacht war, und der schwäbischalemannischen Fastnacht (
Fasnet
), die seit Ende des 19. Jahrhunderts die Wiederbelebung des historischen Brauchtums durchsetzte.
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