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Schokolade – zart und bitter

von wissen.de-Redakteur Jens Ossa, Dezember 2013

Wenn etwas süß schmeckt, ist das dem Menschen seit jeher ein Zeichen, dass er es bedenkenlos verzehren kann. Das gilt nicht unbedingt für Schokolade. Bedenken sind bei einigen Sorte durchaus angebracht, sowohl in ethischer Hinsicht als auch in puncto Inhaltsstoffe.

Stiftung Warentest hat jüngst 26 Nuss-Schokoladen unter die Lupe genommen und stellte manchen ein vernichtendes Zeugnis aus. Für deren Hersteller kamen die schlechten Noten zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt – Weihnachtszeit ist schließlich Schokozeit. wissen.de fragt vor diesem Hintergrund: Wo kommt unsere Schokolade her und was ist drin?

 

Die ersten Maître Chocolatier waren Bitterkeit gewohnt

Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet dem Wort, das in uns den Heißhunger auf Süßes weckt, liegt die Bedeutung "bitteres Wasser" zugrunde. Xocolatl, ein Gebräu aus herben gerösteten Kakaobohnen und eben Wasser, diente den Azteken und Maya als Genuss- und Heilmittel.

Süß wurde die Schokolade erst, als die Spanier kamen und ihr Rohrzucker beimengten. Der Bedarf an Kakao stieg, die neue Gaumenfreude fand ihren Weg nach Europa und wurde dort in allerlei Form so populär, dass die Herren der alten Welt im 19. Jahrhundert den Anbau auf ihre Kolonien in Afrika und Südostasien ausweiteten.

 

Über die besten freut sich jeder - in Deutschland

Bitter war und ist der Kakao für diejenigen, die den Anbau bewerkstelligten – früher als Sklaven, heute als Kleinbauern, abgespeist mit Niedrigpreisen. Unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten laut einem Bericht von Greenpeace vor allem Kinder, die beispielsweise aus den ärmeren Nachbarländern in die Kakaostaaten Ghana und Elfenbeinküste verschleppt werden.

Die Zahl der Kinderarbeiter auf afrikanischen Kakaoplantagen insgesamt betrage 284.000, heißt es. Die meisten davon gehörten zwar zu den Bauernfamilien, doch zwei Drittel seien unter 14 Jahre alt. Sie sind großen Mengen an Pestiziden ausgesetzt und hantieren mit Werkzeugen, die eine hohe Verletzungsgefahr bergen.

 

Die schönste Zeit unseres Lebens - auf der Plantage

Wie kommt es zur Kinderarbeit? Carsten Schmitz-Hoffmann von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit sieht den Grund in fehlendem Wissen zu landwirtschaftlichen Praktiken und einer schlechten Vermarktungsstruktur. "Man hat sehr häufig unterschiedlich viele Hände, die den Kakao anfassen, wenn er vom Produzenten bis zur Verschiffung geht. Das alles führt letztendlich dazu, dass vornehmlich arme Kleinbauern den Kakao produzieren." Und denen bleibt meist nichts anderes übrig, als ihre Kinder aufs Feld zu schicken. Es mangle an Unterstützung, sagt Schmitz-Hoffmann. "Auch gibt es eine Vergreisung der Kakaoregion. Die jungen Leute wandern ab, darunter leidet die soziale Praxis."

Was muss geschehen? Wer auf Schokolade nicht verzichten, aber Produkte aus Kinderarbeit meiden will, sollte auf das Fairtrade-Siegel achten, rät Greenpeace. Bei fair gehandeltem Kakao werden den Lieferanten Mindestabnahmepreise garantiert.

Im Gegenzug stellen die Mitglieder der Fairtrade Labelling Organizations – der Dachorganisation für fairen Handel – den Bauern Bedingungen. Zum Beispiel, dass sie ihre Kinder zur Schule schicken, dass sie niemanden unter 15 als Arbeiter anstellen und keinen Jugendlichen unter 18 Jahren gefährliche Tätigkeiten ausüben lassen.

Die Kontrolle hierfür übernehmen etwa im Fall von TransFair dessen ortsansässigen Partner. Der Verein vergibt das Siegel in Deutschland.

 

Trau dich zart zu sein - keine Tafeln ohne Siegel

Optimal beraten ist, wer sowohl auf Fair als auch auf Bio achtet. Denn der Kakaoanbau ist nicht gerade von Nachhaltigkeit geprägt: Bauern in Lateinamerika sind bei schlechter Preislage gezwungen, Regenwald in Weideland umzuwandeln. Riesige Gebiete an Regenwald fallen auch der Produktion von Palmöl zum Opfer, das sich häufig als "Pflanzenfett" auf der Zutatenliste von Schokolade findet. Nicht deklariert sind die Pestizide, die ebenfalls in die Kakaobohne gelangen.

Laut Greenpeace stammen zwar 78 Prozent der fair gehandelten Schokolade auf dem deutschen Markt aus biologischem Anbau, aber eben nur 78 Prozent. Umgekehrt gibt es ebenfalls keine Garantie, dass Bio-Schokolade aus fairem Handel stammt – obgleich das häufig der Fall ist.

 

Und der Hunger ist gegessen

Von den 26 Nuss-Schokoladen, die Stiftung Warentest untersucht hat, besteht keine vollständig aus fair gehandelten Zutaten. Mit 74 Prozent kommt die Marke Gepa noch am besten weg. Haselnüsse aus nachhaltiger Produktion seien nicht erhältlich, schreibt die Stiftung in ihrem Magazin.

Aber es gab noch weitere Kriterien, die den Testern wichtig waren, zum Beispiel Aussehen, Geruch, Geschmack und Mundgefühl. Besonders interessierte sie, inwieweit die Proben mit Keimen, Schimmelpilzen, Pestiziden und Mineralölen belastet waren. Auf letztere stießen sie in fast allen Produkten und gaben als mögliche Ursachen verunreinigte Jutesäcke, Transportfahrzeuge, Maschinenöle und Farben auf den Verpackungen an.

Insgesamt bewertete Stiftung Warentest neun Schokoladen mit "gut", zehn erhielten die Note "befriedigend" und vier ein "ausreichend". Drei schnitten mangelhaft ab, hierzu führten aber nicht etwa bedenkliche Inhaltsstoffe oder Produktionsmethoden, sondern schlichtweg falsche oder fehlende Angaben – da verstehen die Tester keinen Spaß. In zwei Fällen war künstliche Aromen verschwiegen worden, andere Hersteller hatten weniger Nüsse beigemischt als versprochen. Wir wünschen einen schönen Nikolaus!

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