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Schule: Unangekündigte Tests sind schlechter

Hefte raus, wir schreiben einen Test! Alleine bei dem Gedanken an eine unangekündigte Prüfung fängt bei vielen wahrscheinlich das Herz an zu rasen. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass unangekündigte Tests tatsächlich ungünstig für Schülerinnen und Schüler sind: Sie schneiden darin nicht nur schlechter ab, sondern haben auch weniger Freude am Lernen, weil sie ständig in der Angst vor dem Testtag leben.
AMA, 08.12.2022
Klausur

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Wer in Deutschland das Abitur erwirbt, hat schätzungsweise 1.000 schulische Prüfungen hinter sich gebracht – mündliche, schriftliche und praktische. Bei den schriftlichen Prüfungen unterscheidet man zwischen Klausuren, die in jedem Fall angekündigt werden müssen, und kleinen Hausaufgabenüberprüfungen, die keiner Ankündigung bedürfen. Ob unangekündigte Tests erlaubt sind, hängt vom jeweiligen Bundesland ab. Während in Bayern unangekündigt abgefragt werden darf, ist es in Hamburg verboten. Doch bringen solche Überraschungs-Tests überhaupt etwas?

Ein Schuljahr voller Fragebögen

Befürworter von unangekündigten Tests argumentieren, dass Schülerinnen und Schüler eher am Unterrichtsstoff dranbleiben und besser aufpassen, wenn theoretisch jederzeit die Chance besteht, dass sie abgefragt werden könnten. Gegner von Überraschungs-Tests befürchten, dass die Jugendlichen dadurch in ständiger Angst vor einer möglichen Prüfung leben könnten und die Freude am Lernen verlieren. Wer hat recht?

Um das herauszufinden, haben Forschende um Maik Bieleke von der Universität Konstanz eine Studie mit 414 Schülerinnen und Schülern aus der achten bis elften Klasse eines Hamburger Gymnasiums durchgeführt. Dabei erhoben sie einerseits die Noten, die die Jugendlichen bei angekündigten und unangekündigten Tests erzielten, und andererseits, wie sie sich zu verschiedenen Zeitpunkten fühlten.

Am Anfang des Schuljahres wurden die Schülerinnen und Schüler darüber informiert, dass irgendwann im Laufe des ersten Halbjahres ein unangekündigter Test anstehen würde. Direkt nach dieser Ankündigung mussten sie einen Fragebogen ausfüllen und darin bewerten, wie viel Freude und Angst sie in diesem Moment empfanden. Zwei Wochen danach stand schließlich der unangekündigte Test an. Bevor die Schülerinnen und Schüler diesen schreiben durften, mussten sie zunächst denselben Fragebogen vom Anfang nochmal ausfüllen.

Im zweiten Halbjahr hieß es, dass nun keine unangekündigten Tests mehr zu erwarten wären. Stattdessen wurde den Jugendlichen zwei Wochen im Voraus der Termin für eine angekündigte Prüfung verraten. Es folgte dasselbe Prozedere mit dem zweimaligen Ausfüllen der Fragebögen – einmal kurz nach Test-Ankündigung und einmal kurz vor Test-Beginn.

Bei angekündigten Tests hatten die Jugendlichen mehr Freude am Lernen und schrieben im Durchschnitt auch bessere Noten.

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„Angst ist kein guter Lehrmeister“

Das Ergebnis: Unangekündigte Prüfungen machten die Schülerinnen und Schüler deutlich ängstlicher als angekündigte. Diese Angst verringerte ihre Freude am Lernen, wodurch auch die Note schlechter ausfiel, berichten die Wissenschaftler. Sie beobachteten außerdem, dass angekündigte Tests einen gegensätzlichen Effekt hatten: Die Jugendlichen waren nicht so ängstlich, hatten mehr Freude am Lernen und schrieben bessere Noten.

Die Ergebnisse der Studie könnten Auswirkungen darauf haben, wie Lehrkräfte in Zukunft ihren Unterricht gestalten, erklären die Forschenden. „Lehrkräfte in den Schulen sehen sich heute oft vor die Wahl zwischen unterschiedlichen Zielen gestellt: Während unangekündigte Tests kontinuierliche Lernprozesse zu fördern scheinen, stärken angekündigte Tests die emotionale Ausgeglichenheit und die intrinsische Freude am Lernen. Von den erzielten Lernerfolgen her gesehen, spricht unsere Studie eindeutig dafür, den Emotionen der Schülerinnen und Schüler im Bildungswesen mehr Gewicht einzuräumen: Angst ist kein guter Lehrmeister – das ist ja eigentlich eine alte Erkenntnis“, sagt Ko-Autor Ludwig Haag. Unangekündigte Tests sind laut ihm und seinen Kollegen also zurecht in einigen Bundesländern verboten.

Quelle: Universität Bayreuth

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