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So sieht die perfekte Fußballmannschaft aus

Hurra, Deutschland ist im Viertelfinale! Aber was haben wir und erfolgreiche Fußballmannschaften im Allgemeinen, was andere nicht haben? Tatsächlich lassen sich Erfolg und Misserfolg im Fußball wissenschaftlich ziemlich gut erklären. Eine große Rolle spielen etwa Mathematik und Psychologie. Doch wie genau sieht wissenschaftlich betrachtet die perfekte Mannschaft aus? Was zeichnet einen Topspieler aus? Und wie viele davon braucht es für den Sieg?
AMA, 28.06.2024
In eine Stadionkulisse integriertes Tischfussballspiel
Wie sieht die optimale Mannschaft aus?

© Oliver Hasselluhn, iStock

Das Ziel einer Fußball-Mannschaft und ihres Trainers ist klar: gewinnen. Doch wie gelingt das am besten? Wichtigen Input können hier Wissenschaft und Forschung liefern, denn sie beschäftigen sich schon seit langem mit den Erfolgsgeheimnissen des Fußballs. Relevant sind dabei alle möglichen Disziplinen von Mathematik über Biologie und Statistik bis hin zu Psychologie und Physik. Sie können uns auch verraten, wie wissenschaftlich betrachtet die perfekte Mannschaft aussieht.

Wie sieht der perfekte Stürmer aus?

Fangen wir damit an, was einen optimalen Stürmer ausmacht. Schließlich schießt dieser im Idealfall viele Tore und verhilft der Mannschaft so zum Sieg. Damit ihm das gelingt, braucht er zunächst einmal ein hohes Maß an körperlicher Fitness. Denn im Schnitt muss ein Spieler alle 90 Sekunden einen anstrengenden Sprint hinlegen. Wenn es ihm gelingt, sich möglichst schnell wieder davon zu erholen und für die nächste Sprinteinlage bereit zu sein, dann hat er auch das Potenzial zum Topspieler. Das geht zumindest aus einer Studie hervor, in der Spieler verschiedener Ligen ihr Sprinterkönnen beweisen sollten.

„Die Zweitligaspieler benötigten deutlich länger, um sich nach der maximalen Anstrengung zu erholen“, berichtet Studienleiter Francisco Calderón Montero von der Complutense Universität inMadrid. „Nach 90 Sekunden Erholung hatten sie einen höheren Sauerstoffverbrauch und eine höhere Herzrate als die Erstligaspieler und auch nach 180 Sekunden waren die Unterschiede noch klar erkennbar.“

Doch nicht nur der Körper eines Topstürmers muss fit sein, sondern auch sein Geist. Besonders wichtig: schnelle, taktisch kluge Entscheidungen treffen wie „Gebe ich den Ball ab oder dribbele ich lieber selbst?“ oder „Wohin schieße ich den Pass am besten und wann?“ Tatsächlich ist es wissenschaftlich belegt, dass gute Spieler eine extrem kurze Reaktionszeit haben und sich ihre Hirnaktivität auch sonst von weniger erfahrenen Fußballern unterscheidet. Das verleiht ihnen ein hohes Maß an sogenannter „Spiel-Intelligenz“, die wiederum zum Erzielen möglichst vieler Tore essenziell ist.

Wie sieht der perfekte Torwart aus?

Doch selbst der beste Stürmer nutzt nur wenig, wenn gleichzeitig der Torwart einer Mannschaft keinen einzigen Ball hält. Deshalb sind auch die besonderen Fähigkeiten von Spitzen-Torhütern bereits ausführlich wissenschaftlich untersucht worden. Unter anderem zeigte sich dabei, dass Manuel Neuer und Co. einzelne Reize erheblich trennschärfer wahrnehmen können als der durchschnittliche Mensch.

Das hilft den Torhütern zum Beispiel dabei, den Anblick des heranfliegenden Balles und das Geräusch des Kickens getrennt voneinander im Gehirn zu verarbeiten und so zum optimalen Hechtsprung anzusetzen. Ob ein Torwart allerdings bereits mit dieser herausragenden Reizverarbeitung geboren wird oder ob er sie im Laufe seines Trainings erwirbt, ist noch unklar.

Wie lautet die perfekte Spieler-Mischung?

Nimmt man all diese Erkenntnisse zusammen, könnte man vermuten, die perfekte Mannschaft bestünde aus elf Ausnahmetalenten. Aber interessanterweise verderben im Fußball viele Drei-Sterne-Köche den Brei, wie Statistiker herausgefunden haben. Zwar verbessern Fußball-Stars wie Ronaldo, Messi oder Mbappé bis zu einem Mannschaftsanteil von 60 Prozent das Abschneiden ihres Teams. Nimmt die Menge an Spitzenspielern jedoch überhand, wird die Mannschaft insgesamt wieder schlechter.

Das Phänomen könnte sich mit den Auswirkungen der Top-Spieler auf das Teamplay einer Mannschaft erklären lassen. Denn die häufig mit großem Ego gesegneten Fußball-Stars kommen sich ab einem gewissen Punkt stärker gegenseitig in die Quere statt miteinander zu kooperieren. „Wenn Teammitglieder stark aufeinander angewiesen sind, ist es daher besser, eine Mischung aus Superstars und normalen, guten Spielern zu wählen“, erklären Roderick Swaab von der Europäischen Business School INSEAD in Fontainebleau und sein Forschungsteam.

Bleibt nur zu hoffen, dass auch unser EM-Kader aus genau der richtigen Spielermischung besteht und Deutschland im Turnier möglichst weit bringt.

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