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Sternenhimmel im Mai 2022 – Mondfinsternis, Meteorschauer und der Reigen der Planeten

Im Mai werden die Nächte immer kürzer und die Dämmerung länger – die Zeit der weißen Nächte naht. Doch in der kurzen Periode der Dunkelheit tut sich einiges am Himmel. Die Staubreste des Halleyschen Kometen bescheren uns einen Sternschnuppenregen, es gibt eine Mondfinsternis und am frühen Morgen geben sich die vier hellsten Planeten unseres Sonnensystems am Himmel ein Stelldichein.
NPO / Planetarium Hamburg, 02.05.2022
Sterenhimmel über Deutschland im Mai 2022

Planetarium Hamburg

Im Mai steht die Sonne schon hoch am Himmel und die Erde neigt ihr deutlich ihre Nordhalbkugel zu. Dadurch werden bei uns nicht nur die Tage länger, auch die Dämmerungszeit verlängert sich und lässt nur noch wenige wirklich dunkle Stunden übrig. Schon Anfang Mai dauert die astronomische Dämmerung morgens und abends rund zwei Stunden, Ende des Monats sogar jeweils drei Stunden.

Richtig dunkel ist es dadurch Anfang Mai nur rund fünf Stunden, Ende Mai sogar nur etwa zweieinhalb Stunden. Weil die Sonne zudem nicht mehr sehr weit unter den Horizont sinkt, beginnen jetzt in Nordeuropa die weißen Nächte: Die Zeit, in der es die gesamte Nacht hindurch nicht mehr stockdunkel wird. Wer in Norddeutschland lebt, kann ab Ende Mai diese noch von leichtem Restlicht erhellten Nächte genießen. Für die Beobachtung von Sternen oder Sternschnuppen ist das zwar wenig günstig, aber bevor es so weit ist, hat der Himmel noch einiges zu bieten.

Sternschnuppen vom Halleyschen Kometen

Jedes Jahr Anfang Mai kreuzt die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne die Staubreste des Kometen Halley, der zuletzt 1986 durch das innere Sonnensystem geflogen ist. Dies beschert uns den Meteorschauer der Eta-Aquariden – einen Sternschnuppenregen, der fast den gesamten Mai hindurch anhält. Zum Höhepunkt des Meteorschauers am 6. Mai könnten bis zu 50 Sternschnuppen pro Stunde fallen.

Die beste Zeit, um die Sternschnuppen zu sehen, ist der frühe Morgen ab etwa vier Uhr. Denn der Radiant der Eta-Aquariden und damit das Sternbild, aus dem die meisten dieser Sternschnuppen zu kommen scheinen, ist das Sternbild Wassermann. Dieses erscheint erst gegen zwei Uhr nachts über dem Osthorizont und steigt dann allmählich höher.

Die Reste, die der Halleysche Komet auf seiner Bahn hinterlässt, sind für zwei Meteorströme verantwortlich, nämlich für die Orioniden, die im Oktober eines jeden Jahres zahlreich auftreten, und die Eta-Aquariiden im Mai.

Kuiper Airborne Observatory, NASA / Public Domain

Mondfinsternis im Morgengrauen

Mitte Mai wartet ein weiteres Himmelsschauspiel auf uns: eine Mondfinsternis. „Sie ereignet sich in den Morgenstunden des 16. Mai nahe dem sogenannten ‚absteigenden Knoten‘. Das ist der Punkt der Mondbahn um die Erde, an dem unser Trabant die Erdbahnebene südwärts kreuzt. Dabei wandert er diesmal durch den Erdschatten und es kommt zur ersten totalen Mondfinsternis des Jahres“, erklärt Thomas Kraupe, Direktor des Planetariums Hamburg.

Leider ist in Mitteleuropa nur ein Teil dieser Mondfinsternis sichtbar. "Der Vollmond sinkt bei uns in der beginnenden Morgendämmerung schon vor der totalen Verfinsterung unter den Südwesthorizont – in weiter westlich gelegenen Regionen bestenfalls zu Beginn", erklärt Kraupe. Während daher der größte Teil Amerikas perfekte Sicht auf diesen 85 Minuten dauernden  "Blutmond" hat, sehen wir nur die Phase, in der der Mond im Halbschatten der Erde steht.

„Bei uns in Mitteleuropa endet das Schauspiel bereits zu Beginn der Totalität“, so Kraupe. „Bei klarer Sicht zum Südwesthorizont können Interessierte in den Morgenstunden des 16. Mai gerade noch verfolgen, wie die östliche Mondseite allmählich vom Erdschatten angeknabbert wird, bevor der Vollmond der Sonne weicht."

Symbolbild Mondfinsternis
Leider ist bei uns in Mitteleuropa nur ein Teil der Mondfinsternis am frühen Morgen des 16. Mai 2022 sichtbar. Weil der Mond dann bereits untergeht, erleben wir nur den Beginn des anderenorts bis zu 85 Minuten dauernden Himmelsschauspiels.

CochiseVista, GettyImages

Planetenparade für Frühaufsteher

Doch das frühe Aufstehen lohnt sich im Mai auch dann, wenn nicht gerade Mondfinsternis ist: Am östlichen Horizont geben sich zurzeit gleich mehrere helle Planeten ein Stelldichein. Als erster erscheint der Ringplanet Saturn, gefolgt vom rötlichen Mars. Dann folgen schnell hintereinander die beiden hellsten Planeten am Himmel: Venus und Jupiter. Anfang Mai stehen diese beiden hellen Planeten nur etwa eine Vollmondbreite voneinander entfernt. Im Laufe der Zeit bleibt dann der langsamere Jupiter zurück, während die Venus schnell emporsteigt.

Die vier Planeten bilden über dem Osthorizont eine fast gerade, schräg nach Süden hinaufsteigende Linie. Diese zieht sich im Laufe des Monats immer weiter auseinander, während die Planeten ihre Abstände zueinander verändern. Am 26. Mai kommt es dabei zu einer engen Begegnung von Mars und Jupiter, die dann nur noch rund einen halben Finger breit voneinander getrennt scheinen. "Auch der Mond spielt mit und steht am 22. Mai in der Morgendämmerung unterhalb von Saturn. Am 25. Mai gesellt sich der abnehmende Mond zu Jupiter und Mars, die immer enger zusammenrücken", berichtet Kraupe.

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