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Warum die AfD auf Social Media so erfolgreich ist

Ob TikTok, Instagram oder YouTube: Die AfD ist im Reich der sozialen Medien viel erfolgreicher als jede andere Partei in Deutschland. Aber was genau macht sie so viel besser als Grüne, CDU und Co.? Wie unterstützt der Algorithmus die digitale Popularität der rechten Partei? Und welche Folgen hat das Ganze für junge Menschen?
AMA, 27.06.2024
Symbolbild Aufmerksamkeitsökonomie

© runeer, iStock

430 Millionen Mal wurden die TikTok-Inhalte der Alternative für Deutschland (AfD) in den vergangenen beiden Jahren aufgerufen. In derselben Zeit schafften es die Beiträge der SPD, CSU, FDP und der Linken zusammen gerade einmal auf 140 Millionen Aufrufe. Auch bei YouTube, Instagram und Facebook sahnt die rechte Partei im Vergleich zu ihrer Konkurrenz ordentlich ab und kann mit Hunderttausenden Followern und einer überdurchschnittlich aktiven Community punkten. Aber warum ist das so?

Rechte Inhalte laufen besser

Ihre hohe Reichweite hat die AfD vor allem der Gestaltung ihrer Beiträge zu verdanken. Die stark verkürzten, provozierenden und emotionalisierenden Inhalte treffen genau den Nerv der digitalen Gemeinschaft. Denn am Ende sind es keine differenzierten, sachlichen Auseinandersetzungen mit komplexen Sachverhalten, die die Massen bewegen, sondern knappe, reißerische Aussagen wie „Die Regierung hasst dich!“. Ansonsten wären schließlich auch konventionelle Medien wie die Bild-Zeitung nicht so erfolgreich.

Ein besonders provozierender, reißerischer Post sticht dabei sofort aus der Masse an Inhalten heraus, die Social Media-Nutzer tagtäglich präsentiert bekommen. Die Folge: Sie bleiben hängen, liken, kommentieren, teilen. Und je mehr Menschen mit einem Beitrag interagieren, desto häufiger spielt der Algorithmus genau diesen Beitrag auch anderen Nutzern aus. Dabei ist es völlig egal, ob jemand mit „Die AfD ist super“ oder „Die AfD ist bescheuert“ kommentiert. Am Ende ist es die schiere Menge an Kommentaren und Likes, die Schritt für Schritt die Reichweite eines Kanals steigert.

Aggressionen in den Sozialen Medien
Algorithmen sollen beim Sortieren und Filtern der vielen Inhalte helfen und natürlich die Aufmrksamkeit der Nutzer binden. Mit dem Effekt, dass die angezeigten Videos und Beiträge immer extremer werden.

© OKADA, iStock

Vorteile auch bei der Wahlwerbung

Den Algorithmus so sehr auf der eigenen Seite zu haben, kommt der AfD vor allem rund um Wahlen zugute. Der Kontrast zwischen der Reichweite rechter und gemäßigter Wahlwerbung fällt dann besonders stark aus und etablierte Parteien wie die CDU und die SPD haben große Probleme, sich durch den AfD-Beitragsdschungel zu kämpfen, um selbst bis zur jüngeren Zielgruppe durchzudringen.

Interessanterweise geschieht das selbst, wenn die Parteien extra für Wahlwerbung auf Social Media bezahlen und dadurch sogar bestimmte Nutzergruppen auswählen dürfen, denen die eigenen Inhalte bevorzugt präsentiert werden sollen. Nimmt man für eine Sekunde an, dass alle Parteien exakt denselben Betrag an Facebook und Instagram bezahlen, um dort zielgruppenorientierte Werbung zu schalten, bekommt am Ende trotzdem jeder unterschiedlich viel für sein Geld, wie Digitalforscher von der LMU München herausgefunden haben.

Am meisten Klicks und Reichweite generiert demnach wie erwartet die AfD. Ihre Werbung ist fast sechsmal so kosteneffizient wie die der Grünen. Grund dafür ist erneut der Algorithmus, der selbst vor bezahlter Werbung keinen Halt macht und auch diese nach Beliebtheit und nicht nur nach vereinbarten Quoten ausspielt, wie das Forschungsteam erklärt.

Eine rechte Jugend in der Mache?

Dass ausgerechnet die AfD in den sozialen Medien so viel Aufmerksamkeit bekommt, könnte zum immer größeren Problem werden. Denn die Zielgruppe, die sie dort erreicht, ist in der Regel noch sehr jung und beeinflussbar. Vielen fehlt das nötige Vorwissen, um reißerische oder sogar Falschaussagen enttarnen und korrekt einordnen zu können. Die AfD gut zu finden, könnte so immer mehr zum Mainstream oder sogar Trend unter jungen Menschen werden.

Einen Vorgeschmack dieser Entwicklung haben wir bereits bei der Europawahl 2024 gesehen. Hier haben 16 Prozent der 16- bis 24-Jährigen die AfD gewählt. Damit liegt die rechte Partei nur einen Prozentpunkt hinter der CDU und ist in dieser Altersgruppe bereits die zweitstärkste Kraft.

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