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Wer gewinnt statistisch gesehen die Fußball-EM?

Ab heute treten 24 europäische Nationalmannschaften im Turnier gegeneinander an und nur eine kann Fußball-Europameister 2024 werden. Aber wer? Mithilfe fortgeschrittener statistischer Methoden und künstlicher Intelligenz haben Wissenschaftler den wahrscheinlichsten Sieger und andere heiße Kandidaten ermittelt. Doch wie funktioniert das? Und wie stehen die Chancen, dass Deutschland dieses Jahr den Titel holt?
AMA, 14.06.2024
Symbolbild Europameister 2024

© ET-ARTWORKS und mustafahacalaki, beide iStock.com

Wer wird Fußball-Europameister 2024? Mit Sicherheit kann das natürlich noch niemand sagen. Ein wenig Bauchgefühl und Voreingenommenheit für das eigene Land schwingen wahrscheinlich immer mit. Am nächsten an der Wahrheit dran könnte aber ein internationales Forscherteam sein, das gerade mithilfe statistischer Analysen und künstlicher Intelligenz den wahrscheinlichsten Sieger so faktenbasiert und neutral ermittelt hat, wie es kein Durchschnitts-Fan könnte.

Die fünf Top-Favoriten

Das Ergebnis: Mit einer ermittelten Siegeswahrscheinlichkeit von 19,2 Prozent stehen die Chancen dieses Jahr am besten für Frankreich. Es folgen England (16,7 Prozent), Deutschland (13,7 Prozent) Spanien (11,4 Prozent) und schließlich Portugal (10,8 Prozent). Doch wie die verhältnismäßig niedrigen Zahlen verdeutlichen, ist längst noch nichts in Stein gemeißelt: „Eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 19,2 Prozent bedeutet umgekehrt natürlich auch, dass Frankreich zu 80,8 Prozent nicht Europameister wird“, erklärt Achim Zeileis von der Universität Innsbruck.

Es gibt somit zwar statistisch betrachtet gewisse Favoriten im Turnier, doch noch kann theoretisch auch jedes andere teilnehmende Land den Titel holen. Im Falle niedrig gerankter Länder wie Ungarn oder Slowenien stehen die Chancen dafür jedoch nur bei 0,2 beziehungsweise sogar 0,1 Prozent. Ein Sieg ihrerseits wäre somit in jeder Hinsicht eine Sensation.

Deutschlands Chancen stehen überraschend gut

Dass ausgerechnet Gastgeber Deutschland zu den Top-Favoriten gehört, dürfte bei einigen Fans für Stirnrunzeln sorgen. Denn in der jüngeren Vergangenheit hat unsere Elf nicht unbedingt mit Erfolg geglänzt. So sind wir bei der letzten Europameisterschaft bereits im Achtelfinale, bei der letzten Weltmeisterschaft sogar schon in der Vorrunde ausgeschieden.

Doch dass sich ein solches Desaster wiederholt, ist laut Statistiker-Team sehr unwahrscheinlich. „Unser Modell sieht Deutschland die Vorrunde aus der Gruppe mit der Schweiz, Schottland und Ungarn mit 95,2 Prozent definitiv überstehen, mit 24,6 Prozent ist auch die Chance auf das Finale und mit 13,7 Prozent jene auf den Turniersieg vergleichsweise hoch“, erklärt Andreas Groll von der TU Dortmund.

Interessanterweise gilt sogar die Paarung Deutschland – England als wahrscheinlichste Finalkonstellation. Käme es tatsächlich zu einem solchen Match, lägen die Gewinnwahrscheinlichkeiten ziemlich genau bei 50 zu 50 Prozent, wie die Forscher erklären.

Hinter den Kulissen der Statistik

Doch wie lassen sich solche Vorhersagen überhaupt treffen? Um zu den bestmöglichen Ergebnissen zu kommen, musste das Team zunächst zahlreiche Hintergrunddaten berücksichtigen und in ein spezielles Statistik-Modell einpflegen. Ausgewertet wurden zum Beispiel die Ausgänge aller Spiele, die die verschiedenen Nationalmannschaften in den vergangenen acht Jahren bestritten haben.

Und natürlich spielte auch die konkrete Zusammensetzung des diesjährigen Kaders eine wichtige Rolle. Berücksichtigt wurde etwa, aus wie vielen Champions-League-Spielern er besteht und welchen Marktwert die einzelnen Nationalspieler besitzen. Dieser ergibt sich wiederum aus den Leistungen, die sie sowohl für die Nationalmannschaft als auch für den eigenen Fußballclub auf dem Platz erbracht haben. Neben solchen vergangenheitsbasierten Daten griffen die Statistiker aber auch auf die aktuellen Einschätzungen und Wettquoten erfahrener Buchmacher zurück.

Um diesen Daten-Dschungel auswerten und in konkrete Siegeswahrscheinlichkeiten für die verschiedenen Runden überführen zu können, arbeitete das Team schließlich mit künstlicher Intelligenz. Insgesamt simulierte diese den Verlauf des bevorstehenden Turnieres ganze 100.000 Mal, um so schließlich zu einem möglichst genauen Ergebnis zu kommen. Ob sie damit den Nagel auf den Kopf getroffen hat, werden wir in den nächsten Wochen sehen.

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