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Wer ist zufriedener: Singles oder Vergebene?

In einer romantischen Beziehung zu sein, wird häufig als der Gipfel des Glücks angesehen. Den Singles hingegen spricht unsere Gesellschaft die Zufriedenheit schnell ab: Schließlich fehlt ihrem Leben ja angeblich die wichtigste Glücksquelle. Doch wie viel ist an solchen Sprüchen wirklich dran? Sind Singles tatsächlich so viel unglücklicher als Vergebene? Und was haben Charakter und Geschlecht damit zu tun?
AMA, 26.06.2024
Single oder Paarbeziehung?

© Solovyova (l.) und Kar-Tr (r.), beide iStock

Ein kleines Haus im Grünen, ein liebevoller Partner, Kinder und Haustiere: Dieses Bild des vermeintlich perfekten Lebens, in dem man alles erreicht hat, wird vielerorts immer noch fleißig propagiert. Doch längst nicht jeder lebt diesen „Traum“. Überall auf der Welt gehen die Eheschließungen seit Jahrzehnten zurück, während Scheidungsraten und Ein-Personen-Haushalte zunehmen. Hierzulande ist rund jeder Dritte zwischen 18 und 65 Jahren Single. Aber sind all diese Menschen ohne Partner wirklich automatisch unglücklich?

Singles sind zwar im Schnitt unglücklicher…

Tatsächlich kommen wissenschaftliche Studien immer wieder zu dem Ergebnis, dass Menschen in Beziehungen im Schnitt zufriedener sind als Singles. So zeigte eine Ipsos-Umfrage aus dem Jahr 2013 zum Beispiel, dass sich 77 Prozent der Paare in Japan glücklich fühlten, aber „nur“ 53 Prozent der Singles. Damit offenbaren diese Zahlen zwar eine gewisse Tendenz, sie verdeutlichen aber auch, dass nicht jeder Vergebene automatisch glücklich ist und nicht jeder Single automatisch unzufrieden.

Ob eine Beziehung uns einen Glücks-Boost verpasst, hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel davon, ob wir auch ohne Partnerschaft ein starkes Netzwerk aus engen Bezugspersonen besitzen und uns deshalb nicht so stark nach einem Partner oder einer Partnerin sehnen. Das trifft etwa vermehrt auf extrovertierte Personen zu, die aufgrund ihrer offenen Persönlichkeit eher zu einem großen Freundeskreis neigen und sich daher in Umfragen zufriedener mit dem Singleleben zeigen als beispielsweise introvertierte Menschen. Auch emotional stabile Personen erweisen sich in Studien häufig als glückliche Singles.

Darüber hinaus ist auch das eigene Geschlecht nicht unerheblich, wenn es darum geht, wie sehr wir unser Singledasein genießen können. So hat eine Studie der Online-Dating-Plattform Parship etwa ergeben, dass 68 Prozent der Single-Frauen, aber nur 52 Prozent der Single-Männer mit ihrem aktuellen Leben zufrieden sind. „Das alte Bild von einer Frau, die auf einen Mann angewiesen ist, ist längst überholt“, erklärt Paartherapeut und Single-Coach Eric Hegmann.

… aber nicht mehr so sehr wie früher

Wie glücklich uns das Singleleben macht, hängt aber offenbar auch mit der Zeit zusammen, in der wir leben, wie Forscher der Universität Mainz herausgefunden haben. Ihre Auswertung hat ergeben, dass 14- bis 20-Jährige heute deutlich zufriedenere Singles sind als noch vor zehn Jahren. Für viele von ihnen ist das Singleleben sogar eine bewusste Entscheidung, denn laut Studie wünschen sich immer weniger Jugendliche aktiv eine Beziehung.

Aber warum? „Wir vermuten, dass die jungen Leute heute den Beginn einer festen Beziehung aufschieben und persönliche Autonomie sowie ihre individuelle Entfaltung über die Liebesbeziehung stellen“, erklärt Studienleiterin Tita Gonzalez Avilés. Und da Partnerlosigkeit heute gesellschaftlich akzeptierter ist als früher, können sie sich dieses Aufschieben sogar erlauben, ohne dafür allzu harsche Kritik von ihrem Umfeld zu ernten. Dadurch haben Jugendliche heute mehr denn je die Chance, ihr Leben erst einmal nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten, bevor sie es mit einem festen Partner teilen.

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