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Wie viel Smartphone tut uns gut?

Als das Smartphone vor etwa 15 Jahren Einzug in unser Leben hielt, konzentrierten sich innerhalb kürzester Zeit viele Lebensinhalte auf unserem Handy. Essen bestellen, mit Freunden reden, mal eben was nachgucken. All dies war nun digital möglich – und damit deutlich schneller und flexibler. Zwar hat das Smartphone damit vieles vereinfacht, aber wie geht es uns Menschen tatsächlich damit? Und wie viel Smartphone-Nutzung ist für Körper und Psyche noch gesund?
JFR / Ruhr-Universität Bochum, 29.04.2022
Symbolbild  Smartphone-Nutzung

Vitalii Petrushenko, GettyImages

Mehr als drei Stunden täglich klebt unser Blick im Schnitt am Display des Smartphones. Wir googeln, suchen Wege, checken Mails, lesen Nachrichten oder tummeln uns in sozialen Medien. Schon länger besteht jedoch der Verdacht, dass uns das nicht nur guttut. Frühere Studien assoziierten die intensive Smartphone-Nutzung mit verringerter körperlicher Aktivität, Fettleibigkeit, eingeschränkter Leistungsfähigkeit und suchtähnlichem Verhalten. Wie viel Smartphone vertragen wir also, ohne Schaden zu nehmen?

Es muss kein kompletter Verzicht sein

Die Frage nach den gesundheitlichen Nebenwirkungen der intensiven Smartphone-Nutzung haben sich auch die Psychologin Julia Brailovskaia von der Ruhr-Universität Bochum und ihre Kollegen gestellt. Für ihre Studie ließen sie drei Gruppen mit jeweils rund 200 Testpersonen eine Woche lang komplett aufs Handy verzichten, die tägliche Nutzung um eine Stunde reduzieren oder das Smartphone genauso nutzen wie bisher. Direkt im Anschluss an diese Maßnahme sowie einen und vier Monate später befragten die Forschenden alle Teilnehmenden mit Blick auf ihre Lebensgewohnheiten und ihr Befinden.

Die Ergebnisse: Langfristig am besten ging es denen, die die Nutzung reduziert hatten. „Wir konnten zeigen, dass sowohl der komplette Verzicht auf das Smartphone, aber auch die einstündige Reduktion seiner täglichen Nutzung positive Effekte auf den Lebensstil und das Wohlbefinden der Teilnehmenden hatte“, fasst Brailovskaia zusammen. „In der Gruppe derer, die die Nutzung reduziert hatten, hielten sich diese Effekte sogar länger und waren somit stabiler als in der Abstinenzgruppe“.

Langfristige Effekte

Aber was genau änderte sich am Verhalten und damit am Wohlbefinden der Studienteilnehmenden? In den beiden Gruppen, deren Smartphone-Zeit reduziert wurde, besserten sich Symptome von Depressionen oder Angststörungen, wie die Auswertungen ergaben. Die Testpersonen waren zudem generell zufriedener und bewegten sich mehr. Diejenigen, die die Smartphone-Nutzung um eine Stunde reduzierten, rauchten sogar weniger.

Interessant auch: Die nur einwöchige Intervention änderte die Nutzungsgewohnheiten bei den Versuchspersonen langfristig: Noch vier Monate nach dem Ende des Experiments nutzten die Mitglieder der Abstinenzgruppe ihr Smartphone durchschnittlich 38 Minuten pro Tag weniger als zuvor. Die Gruppe derer, die im Experiment täglich eine Stunde weniger mit dem Smartphone verbracht hatten, nutzten es nach vier Monaten sogar noch immer 45 Minuten weniger pro Tag als zuvor. Die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Smartphone-Konsum wirkte sich demnach noch lange positiv aus.

Weniger ist mehr

Damit scheint es hauptsächlich die sehr intensive Smartphone-Nutzung zu sein, die negative Effekte auf unsere Gesundheit hat und nicht die Nutzung im Generellen. „Wenn wir weniger Zeit am Smartphone verbringen, führt das zwar so besserem Wohlbefinden und einem gesünderen Lebensstil, doch eine komplette Smartphone-Abstinenz ist nicht nötig“, schließen Brailovskaia und ihre Kollegen aus den Ergebnissen.

Reduzieren wir den Handy-Konsum hingegen, führt das schon schnell zu einer Verbesserung des Wohlbefindens und die vielen Vorteile, die das Smartphone so mit sich bringt, können wieder in den Vordergrund treten. Wie stark jeder seinen Smartphone-Konsum im Alltag einschränken sollte, bleibt dabei noch offen. „Möglicherweise gibt es aber eine optimale tägliche Nutzungsdauer“, erklärt Brailovskaia.

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