Wahrig Herkunftswörterbuch

Nürnberger Trichter

die Stadt Nürnberg fand zum ersten Mal 1050 n. Chr. als nourenberc „felsiger Berg“ in einer Urkunde von Heinrich III. Erwähnung; → Trichter
[Info]
Nürnberger Trichter
In früherer Zeit war Nürnberg eines der wichtigsten deutschen Handels– und Kulturzentren, was auch seinen Niederschlag in verschiedenen Redensarten fand. So sagte man im 16. Jahrhundert ich gluob, dass mans zuo Nürnberg thuot, wenn man schlechtes oder unerlaubtes Tun bezeichnen wollte. Dabei bezog man sich auf den freiheitlichen Charakter der Stadt, in der man größere Entfaltungsmöglichkeiten hatte als anderswo. Heutzutage ist noch die Fügung Nürnberger Trichter bzw. die Redensart jemandem etwas mit dem Nürnberger Trichter eingießen bekannt, die so viel heißt wie „jemandem Lehrstoff auf die grobe Weise einflößen“. Im 16. Jahrhundert war in dieser Redensart nur vom Trichter die Rede, zu dem sich jedoch 1647 untrennbar die Stadt Nürnberg gesellte. Grund ist das von dem Nürnberger Dichter Georg Philipp Harsdörffer verfasste Werk Poetischer Trichter, die Teutsche Dicht– und Reimkunst, ohne Behuf der lateinischen Sprache, in VI Stunden einzugießen, das eine Lehrmethode beschreibt, die wohl schon damals nicht als angemessene Form der Wissenvermittlung angesehen und entsprechend negativ bewertet wurde.
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