Alte Münchner Friedhöfe zu neuem Leben erweckt
Auf zwei Münchner Friedhöfen finden seit vielen Jahren keine Beisetzungen mehr statt. Hinter ihren Mauern hat sich ein stilles Eigenleben entwickelt.
Im Münchner Stadtteil Maxvorstadt liegt der "Alte Nordfriedhof". Nach etwa 70 Jahren Betriebszeit fand hier 1939 die letzte Beisetzung statt. Das Gelände ist noch immer ein Friedhof, aber inzwischen auch eine beliebte Erholungsfläche für die Anwohner aus den dicht besiedelten Wohngebieten der Nachbarschaft.
Gelegentlich wird dieser Friedhof auch "Alter Schwabinger Friedhof" genannt, obwohl die Anlage südlich des bekannten Stadtteils liegt. Alter Baumbestand beschattet die historischen Grabstätten. Zwischen den Monumenten erstrecken sich weitläufige Rasenflächen. In dieser Oase der Ruhe sind Besucher willkommen - pietätvolles Verhalten vorausgesetzt.
So hat die Friedhofsverwaltung kein Problem mit "dem Ausbreiten von Decken und Verweilen auf den Rasenflächen"
Auch gegen das "Joggen auf den Wegen" gibt es keine Einwände. Eine Runde entlang der Friedhofsmauer ist etwa 750 Meter lang.
Die Friedhofsordnung weist darauf hin, dass es für „Sportarten wie Slacklinen, Ballspiele und Rad fahren“ sowie jegliche Formen des Feierns andere Orte gibt. Diese Hinweise scheinen nicht bei allen Besuchern anzukommen. Insgesamt bestimmt aber Rücksichtnahme das Verhalten der Friedhofsgäste.
Trotz der vielen Besucher bleibt der "Alte Nordfriedhof" ein Ort der Stille und Besinnung.
1563 wurde der Friedhof vor den Münchner Stadtmauern als Pestfriedhof angelegt. Über 300 Jahre fungierte er als "Zentralfriedhof", dann wurde die langfristige Einstellung des Bestattungsbetriebs beschlossen.
Die Friedhofsanlage setzt sich aus zwei Arealen zusammen. Diese Halle verbindet den nördlichen Teil mit dem südlichen.
Backsteinmauern und -bauten schirmen den Friedhof von der Hektik der Großstadt ab.
Die Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg richteten auch auf dem "Alten Südlichen Friedhof" schwere Schäden an.
Der Friedhof ist heute nicht nur ein denkmalgeschützter Park, sondern auch ein Naturschutzgebiet.
Viele Tier- und Pflanzenarten haben das Areal besiedelt. Im Schatten der hohen Bäume gedeihen auch Farnpflanzen prächtig.
Das Zusammenspiel der maroden Grabdenkmäler mit der wuchernden Vegetation wirkt wie ein Sinnbild der Vergänglichkeit.
Mit den Jahrzehnten haben Baumstämme und Wurzelstock das Grabmonument angehoben und verrückt.
Ruhe und erfrischende Kühle unter den mächtigen Bäumen machen den Friedhofspark - gerade im Sommer - zu einem beliebten Erholungsort für Jung und Alt.