Großstädte im Neonlicht
Ruhelosimmer am Leben vorbei —die Jagd nach dem Kick.SpruchStraßenszene in Macao
Alles strebt zum Licht,will sich der Sonne öffnen,will einfach leben.HaikuSkyline von Dubai
Thalia stürzt sich in die Winterrobeund macht sich bis zum Rückenwirbel bloß ...Ab wirft sie ihren Schmoddergown – ick jloobe,jetzt geht es los....Der Spielplan steigt: man wird Modernes geben,Bongs Klassiker, Band eins bis hundertzehn,und Ibsen, Shakespeare und Herrn Schönherrleben –ihr werdets sehn!Man ist erregt bis in die tiefsten Tiefen –selbst nachts brennt Licht im Direktionsbüro.Schon hört man unsern Holzbock interwiefen ...Rideau!Rideau!Von Kurt TucholskyTheater Marquee
Tritt ein, mein Sohn, in dieses Variété!Die heiligen Hallen füllt ein lieblich Odiumvon Rauchtabak, Parfüms und Eßbüffé.Die blonde Emmy tänzelt auf das Podium,der erste und der einzige Geiger schmiert "Kollodium"auf seine Fiedel für das hohe C...So blieb es, und so ists seit dreißig Jahren -drum ist dein alter Vater mit dir hergefahren...Von Kurt TucholskyMoulin Rouge
Sieh jenes Mädchen! Erster Jugendblüteleichtrosa Schimmer ziert das reizende Gesicht.So war sie schon, als ich mich noch um sie bemühte,und wahrlich: ich blamiert mich nicht!Siehst du sie jetzt, wie sie voll Scham erglühte?Was flüstert sie? "Det die de Motten kricht...!"Wie klingt mir dieser Wahlspruch doch vertrautaus jener Zeit, da ich den Referendar gebaut!Sei mir gegrüßt, du meine Tugendlilie,du altes Flitterkleid, du Tamburin!Nimm du sie hin, mein Sohn - es bleibt in der Familie -und lern bei ihr: es gibt nur ein Berlin!Nun aber spitz die Ohren, denn gleich singt Ottilieihr Lieblingslied vom kleinen ZeppeliihnKriegst du sie nicht, soll dich der Teufel holen!Verhalt dich brav - und damit Gott befohlen!Von Kurt Tucholsky in Die Schaubühne, 1913
Und wieder sind die Wundernächte schimmerndHeraufgetaucht, wo letztes AbendleuchtenUnd blasser Morgenglanz geheim verwobenAm blauen nächtgen Himmel sich vermählen.Von Georg HeymSkyline Vancouver
Paris ist eigentlich Frankreich. Dieses ist nur die umliegende Gegend von Paris.Von Heinrich HeineStraße in Paris
keine Wortefür das Licht, dasmich streifte.SpruchHong Kong
Kunst, Kultur, Naturund alles, was sich nicht rechnet, bereichern das Leben,lassen ahnen, wie heil sein ist.Von Else PannekLichtfestival in Lyon, Frankreich
Lichtblickeerleichterndie Orientierung.Spruch
Ein Kellnerfrack. Der Demut feile GesteGeduckt ein Dichter nachsinnt neuer Pose.Der feiste Wirt, in sehr befleckter Hose,Breit grinsend grüßt die vornehmeren Gäste.Ein Pikkolo verstummt vor schmalen Frauen.Er starrt verstört. Die Geigen gurren geil.Bebauchte Bürger, stämmig, steif und steil,Glotzblickig blöde, dösen und verdauen.Kokotten lächeln - sündeseliger Segen.Sehr provozierend wirken neben fettenProfitvisagen protzig Epauletten,Verwelkte Weiber wonnig zu bewegen.Der Dichter döst. Das Dudeln macht ihn dumm.Ein grauer Greis sielt sich in Dreckjournalen.Ein rauher Ruf zerreißt den Raum: "Bezahlen!"Der Dichter geht. Sehr langsam, träge, krumm.Von Friedrich Wilhelm Wagner
Lichter einer großen Stadt,die viel zu erzählen hatLichter, die entgegenkommenLichter sind nicht ganz vollkommenLichter, die sind bunt und schönLichter, die vorüber geh´nLichter, die im Fenster leuchtenLichter, die die Menschen bräuchtenLichter leuchten in der FerneLichter leuchten wie die SterneLichter leuchten in der Stadtdie viel zu erzählen hat.Von Gerhard LedwinaSydney
tanzen ist schweben, träumen, lebentanzen ist lieben, fühlen, fliegentanzen sagt was es solltanzen ist freude, ist tolltanzen ist ausdruck von allem, was man will,tanzen ist schreien, mal laut, mal stilltanzen ist glanz, schönheit, vollkommen und ganztanzen ist feuer im herzen, befreiung von kummer und schmerzentanzen ist rhythmus im blut, voll wärme, für die seele guttanzen ist leidenschaft pur, freiheit im moment, leben ohne uhr.tanzen bringt eine andere welt, ohne sorgen, ohne geldtanzen ist bunt und schrill beruhigend, zärtlich und stilltanzen - das bin ich! Von Silke GolobCosta Brava
Dieses Auf und Ab im Leben,führt vielfach zu Ernüchterung,doch bleibt im Kopf nur kleben,das Schöne - als Erinnerung.www.manu-baeren.de
Erst einmal ganz schnell ausgewählt,dann noch das Kleingeld abgezählt.Kommt die Bestellung von den Lippen,beginnt die Dame mit dem Tippen.Das Brötchen fällt aus einer Klappe,Es schmeckt nachher wie weiche Pappe.Mit Remoulade eingecremtWird es, damit sich's etwas dehnt,dann kommt die Frikadelle rein,ganz flach gepresst und fuchtbar klein.Mit Krautsalat wird dick garniert,'ne Ladung Ketchup draufgeschmiert,das Ganze in Papier gesteckt,gibt´s Hamburger auf dem Tablett....Die Temp'ratur des Dings ist lau.Das Ketchup spritzt Dir ganz genauauf die Krawatte, auf den Bauchund auf die Ärmel läuft es auch.Vom Mund herab, auf beiden Seiten,leider lässt sich´s kaum vermeiden,rinnt nun die Remouladensoßeschleimig auf die neue Hose.Der Krautsalat fällt auch heraus.Es sieht wie auf dem Schlachtfeld aus!Die Hauptsache, die Frikadelleschmeckt nach alter Hühnerpelle.Sie wird Dich noch paar Stunden plagenund liegt Dir wie ein Stein im Magen.Und die Moral von diesem Graus:Meide jeden Fastfood-Schmaus!Von TaffErstes McDonalds Drive-In 1955
O du Berlin, du bunter Stein, du Biest.Du wirfst mich mit Laternen wie mit Kletten.Ach, wenn man nachts durch deine Lichter fließtDen Weibern nach, den seidenen, den fetten.Von Alfred LichtensteinDas Café Bauer wurde 1884 als erstes Caféhaus Berlins mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet.
Bald muß ich dich verlassen, mein Berlin.Muß wieder in die öden Städte ziehn.Bald werde ich auf fernen Hügeln sitzen.In dicke Wälder deinen Namen ritzen.Von Alfred Lichtenstein
Das Wasser schießt zischend,weißschäumend und gischend,schneekühl und erfrischend,als Strähne empor;aus eisweißer Mähneperlt Träne auf Träne,doch speit die Fontänestets neue hervor.Von Eduard StuckenRossio Platz in Lissabon
Sie fragen dich über Wein und Glücksspiel. Sprich: "In beiden ist großes Übel und auch Nutzen für die Menschen; doch ihr Übel ist größer als ihr Nutzen."Sure 2, 219Las Vegas, Nevada
Und Schein und Feuer, Fackeln rot und Brand,Die drohn im Weiten mit gezückter HandUnd scheinen hoch von dunkler Wolkenwand.Von Georg Heym (aus der Sammlung Umbra Vitae)Colorado, USA
Daran können wir erkennen, dass das Reine oft aus dem Schmutz entsteht und das Leuchtende aus der Dunkelheit.Chinesische WeisheitShanghai
Die Straße, die den Westen mit dem OstenUnd wieder weiter mit dem Westen verbindet,Betrat Ich einst: Der Erde Reichtum fließtDurch diese Riesenader von New York.Der Völker bunte Mischung sah ich hasten,Doch drängte sich der Yankee klug und rastlos...Von Detlev von LiliencronNew York Times Square 1931
Und dann, nach trüber Schattennacht,entsteht spontan auch mein Entschluss- weil deine Liebe süchtig macht -dass ich nach Warschau reisen muss.Von Rainer TiemannWarschau
Da sitz ichganz hinten ganz alleinim Kino und möcht gerntot sein mit Tränen in den Augenjahrelang mit beiden Armenauf der Lehne.Von Wolf Wondratschek
Die Nacht hat ihre Flügel ausgebreitetund bettet sanft das müde Land zur Ruh.Nur in der Stadt die Leuchtreklame weitetden Tag ins Grelle aus, blinkt hell dazu.Von Ingrid DrewingShibuya in Tokio
die dunkelheitim neonlicht ein kalter strahlnimmt dirdie sicht.....du siehst mich nicht......Von TessDrive in Miami Beach
Im Abenddämmerscheint wie verwunschen die Welt —schwerelos, schwebend.HaikuTaipei City, Taiwan
Kann man diese Lust ermesseneinen Becher Eis zu essenoben drauf ein Sahnehäubchenalles für mein LiebestäubchenLeicht verträumt die braunen Augendie zur Liebe heut nicht taugenihre Leidenschaft – ich weißlindert heut ein Becher Eis...Schnell ist dieses Eis vernichtetAugen auf den Mann gerichtetwelcher schenkte den GenussMund gespitzt – ein DankeskussVon Hartmut Pollack
Was ist das für eine Welt,die ihre Lichterselber auslöscht?Haiku