Heimat und Moloch: Megastädte boomen!
Der Ballungsraum von Tokio bildet die derzeit größte Metropolregion der Welt: Mehr als 35 Millionen Menschen leben in und um Tokio. Wie verwundbar eine Stadt solchen Ausmaßes ist, hat die Fukushima-Katastrophe 2011 gezeigt: Eine Megacity wie Tokio zu evakuieren ist unmöglich, so urteilten Experten, als von einer drohenden radioaktiven Verseuchung die Rede war. Tokio musste letzlich nicht evakuiert werden. Doch die Gefahren, denen Tokio durch Naturkatastrophen ausgesetzt ist, bleiben. Denn Tokio liegt in einem erdbebengefährdeten Gebiet und ist durch seine Lage am Wasser von Tornados und Sturmfluten bedroht.
Die indischen Großstädte bieten vielen Bewohnern nur dürftige Lebensgrundlagen. Dieser Straßenjunge in Neu-Delhi versucht mit Müllsammeln durchzukommen. Neu-Delhi bildet mit Delhi die Metropolregion Delhi, in der 16,3 Millionen Menschen leben (Stand 2011). Wie in den anderen Megastädten Indiens, z.B. Mumbai, existiert aber auch in Delhi eine kaufkräftige Mittelschicht. Shopping-Malls gibt es im Innenstadtbereich zu Genüge. Gleichzeitig leben in Delhi schätzungsweise drei Millionen Menschen in Slums.
Mexiko-City ist eine Stadt der Gegensätze: Die Megastadt ist die führende Wirtschaftsmetropole der gesamten Region. Über die Hälfte der Industrieproduktionen Mexikos finden in der Metropolregion statt. Die Börse von Mexiko-City ist eine der größten in Lateinamerika. Dennoch leben viele Einwohner unter meist ärmlichen Bedingungen in Siedlungen ohne Anschluss an die öffentliche Infrastruktur.
1950 war New York die weltweit einzige Stadt mit mehr als 10 Millionen Einwohnern. Heute leben in der Metropolregion New York rund 19 Millionen Menschen. Zentraler Bezirk der Stadt ist Manhattan auf der gleichnamigen Insel zwischen Hudson River, East River und Harlem River. Seine Wolkenkratzersilhouette (Skyline) ist zum Wahrzeichen der Stadt geworden.
Im bedeutendsten Wirtschaftszentrum der Volksrepublik China steht das Shanghai World Financial Center, das derzeit höchste Gebäude des Landes. Weitere Wolkenkratzer folgen kontinuierlich. In Shanghai herrscht städtisches Wachstum im Zeitraffer. Dieses Wachstum hat aber auch seine Schattenseiten: Smog, Lärmbelastung und verschmutzte Flüsse.
Knapp 20 Millionen Einwohner zählt die größte Megacity Südamerikas, das brasilianische São Paulo. Hier wird in den nächsten Jahren die Vorbereitung auf bedeutende Sportereignisse groß geschrieben, denn die Fußballweltmeisterschaft 2014 und Olympia 2016 in Brasilien stehen vor der Tür. Nachdem es lange so aussah, als würde São Paulo ohne geeignetes Stadion leer ausgehen, bekam die Wirtschaftsmetropole nun doch das Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft zugesprochen. Ob auch die ärmeren Bewohner São Paulos von der Strahlkraft dieser Sportereignisse profitieren können, ist fraglich: Die Bevölkerung der Armenviertel, der Favelas, wächst jährlich.
Strahlend zeigt sich der Chhatrapati Shivaji Terminus im Süden Mumbais, einer der größten Bahnhöfe weltweit und seit 2004 UNESCO-Weltkulturerbe. Die indische Wirtschaftsmetropole mit ihren über 19 Millionen Einwohnern ist weltbekannt durch "Bollywood", seine riesige Filmindustrie. Wie bei vielen Megastädten ist in Mumbai ein deutliches Wohlstandsgefälle zum Umland hin zu beobachten.
In Peking ist wie in Shanghai ein rasanter Wirtschafts- und Bauboom zu beobachten. Hochhäuser schießen wie Pilze aus dem Boden. Dennoch prägt bis heute die alte Kaiserstadt mit ihrer jahrhundertealten Geschichte die städtische Entwicklung. In ihrem Umkreis sind für Neubauten strikte Vorgaben - zum Beispiel ein Höhenlimit - einzuhalten.
Dhaka, die Stadt am Ganges-Delta, gilt als eines der am schnellsten wachsenden Ballungszentren der Welt. Schon heute leben etwa 12,5 Millionen Menschen in der Hauptstadt von Bangladesch. 2015, so die Prognose, soll die Megacity schon auf 15 Millionen Einwohner anwachsen. Was bedeutet dies für Dhaka? Verkehrschaos, unvorstellbare Armut, wuchernde Slums, Trinkwassermangel und Umweltprobleme sind jedoch schon jetzt Alltag des Molochs.
Weltweit leben zurzeit über eine Milliarde Menschen in Elendsvierteln. Auch in Kalkutta, dem drittgrößten Ballungsraum Indiens, existieren zahllose Slums. Kalkutta hat den Ruf eines Armenhauses. Viele assoziieren mit der Stadt die Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa, die sich in Kalkutta bis zu ihrem Tod um die Ärmsten der Armen kümmerte. Aber die Megastadt ist auch ein wichtiges Zentrum Indiens für Kunst und Kultur.