Richard Wagner im Studio und Konzert

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In der Legende vom fliegenden Holländer geht es um einem verfluchten Kapitän und dessen Segelschiff. Durch einen Fluch des Teufels ist er dazu verbannt, bis zum jüngsten Tag mit seinem Geisterschiff auf den sieben Weltmeeren zu segeln – es sei denn, dass er "durch die Treue eines Weibes erlöst wird. Der Teufel, dumm wie er ist, glaubt nicht an Weibertreue, und erlaubt daher dem verwünschten Kapitän, alle sieben Jahre einmal an Land zu steigen und zu heiraten, und bei dieser Gelegenheit, seine Erlösung zu betreiben. Armer Holländer! Er ist oft froh genug, von der Ehe selbst wieder erlöst und seine Erlöserin los zu werden, und er begiebt sich dann wieder an Bord". So fasst Heinrich Heine 1831 – 13 Jahre vor der Uraufführung von Richard Wagners Oper in Dresden –  die Legende zusammen.

Michael Fischer, wissen.de

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Von oben aus dem Studio 4 der Berliner Philharmonie betrachtet, sehen die Musiker des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin ganz klein aus. Doch schnell merken Wissenstag-Gewinnerin Sylvia Steinweber und ich, mit welch großartigen Musikern Marek Janowski den "Fliegenden Holländer" einstudiert. Bereits am dritten Probentag und einen Tag vor der konzertanten Aufführung steht fest: Dem Maestro ist es gelungen, aus dem Orchester und den durchweg grandiosen Sängern einen Klangkörper zu formen, der den Hörer mitreißt.

Michael Fischer, wissen.de

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Blickt man vom pentagonalen Konzertsaal der Philharmonie in den obersten Stock, ist vom Studio 4 nur ein schräges Fenster zu erkennen. Doch für den ersten Wissenstag ist es unser wunderbarer Klangraum, von dem aus wir die Proben und die 5-Kanal-Aufnahmen der PentaTone-Profis verfolgen. Die Philharmonie zählt zu den wichtigsten Konzertsälen der Welt. Sie wurde im Oktober 1963 eingeweiht und ist die Heimstätte der Berliner Philharmoniker. 

Michael Fischer, wissen.de

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Dirk van Dijk, einer der Gründer des PentaTone Labels, erklärt Sylvia Steinweber die Vorzüge der 5-Kanal-Technik: "Wenn man eine gute Musikanlage hat, dann holt man sich mit einer Super Audio Compact Disc den Konzertsaal ins Wohnzimmer! Die Töne kommen zunächst von vorne und dann wieder von hinten zurück. Einfach wunderbar!" schwärmt der PentaTone-Chef. 

Michael Fischer, wissen.de

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Das tontechnische Equipment in Studio 4 ist beeindruckend. In einer kurzen Pause übernimmt Sylvia Steinweber den Platz von Toningenieur Jean-Marie Geijsen vom Tonstudio Polyhymnia. "Mir wird ganz schwindlig, wenn ich vor all den Knöpfen und Schaltern stehe", gibt sie zu, und ergänzt: "Aber es ist unglaublich spannend zu sehen und zu hören, mit welcher Akribie diese Aufnahmen stattfinden!"

Michael Fischer, wissen.de

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Beeindruckend zu sehen ist es auch, dass Produzenten und Aufnahmeleiter sowie das Team vom Deutschlandradio, das alle Konzerte des Wagner-Zyklus‘ live überträgt, Note für Note des "Fliegenden Holländers" vom "verschmitzten alten Hexenmeisters" Wagner verfolgen und kleinste Unregelmäßigkeiten bei der Aufnahme sofort registrieren. 

Michael Fischer, wissen.de

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Toningenieur Jean-Marie Geijsen vom Tonstudio Polyhymnia, der für PentaTone Classics bereits zahlreiche Projekte begleitet hat, ist auch am dritten Aufnahmtag die Ruhe selbst. Er dreht hier einen Knopf, zieht dort einen Regler hoch und beruhigt Dirigent Marek Janowski, als der sich über Geräusche im Konzertsaal beklagt: "Das holen wir raus, kein Problem!" Sylvia Steinweber und ich können es kaum erwarten, das Ergebnis auf CD zu hören. Immerhin wird die Aufnahme aus unzähligen Einzelteilen zusammengesetzt sein.

Michael Fischer, wissen.de

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Im Hintergrund, aber immer hoch konzentriert, agiert Ientje Mooij, Recording Engineer von PentaTone Classics. Sie erklärt Sylvia Steinweber, wie und wo die einzelnen Aufnahmen gespeichert sind – und dass es immer mehrere Sicherheits-Kopien gibt. Schließlich muss alles in kürzester Zeit im Kasten sein, denn Aufnahmen sind teuer und Orchester, Sänger und Dirigent Janowski sind über Monate und manchmal Jahre hinaus ausgebucht. "Da können wir uns keine technischen Fehler erlauben", erläutert Ientje. Und Sylvia Steinweber staunt: "Es ist unglaublich zu sehen, wie viel Arbeit in so einer CD-Aufnahme steckt!"

Michael Fischer, wissen.de

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Leitender Produzent und PentaTone-Chef Job Maarse ist für Dirigent Marek Janowski der wichtigste Ansprechpartner. Ihm entgeht nichts. Selbst wenn der Maestro bei der Kritik zwischen den Takten hin- und herspringt, ist Job Maarse zu jeder Zeit auf der Höhe. Wenn Janowski bemerkt: "Ich glaube, das war jetzt perfekt!", ist es das kurze "Ja!" von Maarse, das die Aufnahme beendet. Er war es auch, der den gefeierten Dirigenten zu den aufwändigen Wagner-Aufnahmen bewegen konnte. "Und von da an, war immer wieder er es, der mich mitgerissen hat", gibt Job Maarse offen zu.

Michael Fischer, wissen.de

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Nach den Aufnahmen treffen wir uns mit einigen Musikern in der Kantine der Philharmonie. Die Stimmung ist einen Tag vor der Premiere gelöst. Für Sylvia Steinweber und mich gibt es sogar ein Glas Champagner – und weitere neue Eindrücke. Kontrabassistin Iris Ahrens erzählt von Tourneen aus der ganzen Welt. Sie ist bereits seit 1994 Mitglied der Kontrabassgruppe des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Seit 2003 hat sie die Position des Vorspielers inne. Sylvia Steinweber gesteht der sympathischen Musikerin: "Wenn ich Musik höre, vergesse ich manchmal alles um mich herum!"

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Samstagabend, 20 Uhr: die Aufführung des "Fliegenden Holländers" vo Rundfunk-Sinfonieorchester und Rundfunkchor Berlin unter der Leitung von Marek Janowski beginnt. Der Maestro verbeugt sich nur kurz vor dem Publikum – und dann geht es los. Vom ersten Ton an wird ein atemberaubendes Tempo angeschlagen. Orchester und Chor bringen das aufpeitschende Meer in leuchtenden Farben in die Philharmonie und spielen mit einer Klangfülle und Präzision auf, dass einem der Atem genommen wird. Absolut hinreißend ist die Sopranistin Ricarda Merbeth als Senta. Doch auch Albert Dohmen als Holländer, Matti Salminen als Daland und Robert Dean Smith als Erik singen hervorragend. Der Fels in der Brandung: Marek Janowski. Sylvia Steinweber blickt, hört und staunt. Und auch ich bin von dem, was ich höre und sehe, absolut begeistert. Einen besseren "Holländer" habe ich nie gehört!

Michael Fischer, wissen.de

12/15

Das Berliner Publikum teilt unsere Begeisterung: Orchester, Chor, Sänger und Dirigent dürfen sich 20 Minuten lang feiern lassen. Ein Triumph, ein großer Moment in der Wagnerschen Aufführungsgeschichte – ohne Zweifel! Und zurecht: Die Interpretation ist herausragend gelungen und alles ist perfekt gelaufen! Und wie wir später erfahren werden, ist auch die Live-Aufnahme in Studio 4 ausgezeichnet geworden.  

Michael Fischer, wissen.de

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"Es war einfach überwältigend", versucht Sylvia Steinweber nach dem ersten Konzert ihres Lebens, ihre Gefühle in Worte zu fassen. Doch der Abend ist noch nicht vorbei. Auf der Premierfeier haben wir kurz die Möglichkeit, mit dem etwas erschöpften, aber spürbar glücklichen Marek Janowski zu sprechen. Für Sylvia Steinweber und mich ein Moment, den wir so schnell nicht wieder vergessen werden. 

Michael Fischer, wissen.de

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Job Maarse (links) und Dirk van Dijk (rechts) waren mehr als gute Gastgeber während der beiden Wissenstage in Berlin. Sie haben Sylvia Steinweber und mir nicht nur einen ungemein interessanten und spannenden Tag im Aufnahmestudio und ein grandioses Konzerterlebnis beschert, sondern waren auch vorher und nachher ebenso kompetente und wie nette Begleiter der Wissenstage. Menschen, die so leidenschaftlich für ihre Ideen brennen und zugleich so wenig abgehoben wirken, sind selten!

Michael Fischer, wissen.de

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Von den beiden Wissenstagen in Berlin werden nicht nur Erinnerungen bleiben wie Marek Janowskis persönliche Widmung für Sylvia Steinweber. Im Herbst 2011 erscheint die Aufnahme des "Fliegenden Holländers" auf SACD. Und danach alle drei Monate eine weitere bis zum großen Wagner-Jubiläums-Jahr 2013. Dann feiert die weltweite Wagner-Gemeinde den 200. Geburtstag ihres Heroen. Und Sylvia Steinweber wird mit dabei sein. "Ohne Musik wäre die Welt ein Irrtum", hat der Philosoph Friedrich Nietzsche einmal gesagt. Und ohne solche Konzerte wie am 4. Wissenstag und Aufnahmen von PentaTone zumindest etwas ärmer. Weitere Infos zum Wagner-Zyklus finden Sie auf der Website des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin.

Michael Fischer, wissen.de