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Shitstorms

Shitstorms: der Mob im Web

Für gepfefferte Kritiken bietet das Internet hervorragende Plattformen. Neben Facebook und Twitter gibt es Bewertungsportale, und viele Unternehmen lassen schon aus eigenen Stücken auf sozialen Medien oder ihrer Webseite Kritikern freien Lauf. Das führt zu mehr Transparenz und einem besserem Service. Doch was Kunden, einem gesunden Wettbewerb oder dem Allgemeinwohl dienen soll, nutzen viele als Frustventil. Shitstorms, Stürme der Entrüstung, richten sich nicht nur gegen Unternehmen, sie können alles und jeden treffen. Nicht selten sind sie ungerechtfertigt, bedienen sich einer Sprache, die weit unter die Gürtellinie reicht, und erinnern irgendwie an Lynchmobs.

„Ich hasse euch!“

Vorm PC

Die Anonymität im Internet lässt bei manchem User die Hemmschwelle sinken.

39 Cent reichten aus, um am 6. August 2012 eine Lawine ins Rollen zu bringen. Die Preiserhöhung des Cheeseburgers bei McDonald’s von einem auf 1,39 Euro ist für Facebook-User Kevin K. „die größte Frechheit überhaupt“, und er fragt sich nach einem Schwall von Schmähungen, was zum Teufel denn die Begründung dafür sei. Die Folge: 86.714 mal „Gefällt mir“ und rund 7.000 Kommentare in nur wenigen Tagen. Kevin erntet aber nicht nur Zusprüche. So schreibt ein User: Fleisch sollte noch teurer werden, damit das nicht in Massen weitergefressen werde. Und prompt ist eine Grundsatzdiskussion entfesselt, die mit dem eigentlichen Thema gar nichts mehr zu tun hat. Ein häufiges Phänomen von Shitstorms.

Hasstiraden mussten kurz zuvor auch die Textilkette H&M wegen einiger Probleme beim Lieferservice, Vodafone wegen einer falschen Rechnung und das Pro7-Format „Galileo“ über sich ergehen lassen. Hier verkündete ein Zuschauer: „Diese Sendung ist der hirnverbrannteste, schlecht recherchierteste (sic!), dümmste Dreck.“ Seinem Beitrag fügte er noch die Botschaft hinzu: „Ich hasse euch!“ Auch ihm folgten laut Webportal „T3N Magazin“ 100.000 Zustimmungen und mehr als 10.000 Kommentare. Darunter die Aussage: „Da sieht man wieder, was Geld aus Leuten macht, in diesem Falle asoziale, reiche Ärsche, die auf die Empfindlichkeit des Gehirns gehörig scheißen!“

 

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von wissen.de-Autor Jens Ossa, September 2012
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