Lexikon

Weberei

Herstellung von Geweben, textilen Flächengebilden aus zwei verkreuzten Fadensystemen, die rechtwinklig aufeinander treffen. Das erste Fadensystem wird als Kette bezeichnet, das hindurch geführte als Schuss. Ein Webstuhl muss eine Vorrichtung aufweisen, mit der abwechselnd ein Teil der Kettfäden angehoben wird, ein anderer abgesenkt, so dass ein Fach entsteht, durch das der Schützen mit dem aufgespulten Schuss hindurchgeführt wird. Beim Handwebstuhl erfolgt die Fachbildung durch Tritte. Eine Schlagvorrichtung treibt den Schützen durch das Fach von einem Schützenkasten zum andern. Die Schützenkästen werden rechts und links von der Lade aufgenommen, die vor- und rückwärts bewegt werden kann, so dass das Riet (Weberkamm) den gerade hindurchgeführten Faden fest an das fertig gestellte Gewebe anschlagen kann. Die Lade enthält auch die Laufbahn für den Schützen. Ein Schussdichtenregler zieht in Verbindung mit der Warenaufwicklung das Gewebe gleichmäßig weiter, so dass pro cm immer die gleiche Anzahl Schussfäden eingetragen werden. Auch von automatischen Webmaschinen konventioneller Bauart werden im Prinzip dieselben Arbeitsgänge ausgeführt. Es gibt heute auch schützenlose Webmaschinen, deren Schuss von hydraulischen Düsen eingetragen wird. Spezielle Webmaschinen sind Rundwebmaschinen für Schläuche und Säcke, Frottierwebmaschinen und Rutenwebmaschinen für Plüsch oder Teppiche.

Geschichte

Gewichte, wie sie an primitiven Handwebstühlen zum Spannen der Kette gebraucht wurden, fand man bereits in Siedlungen der Jungsteinzeit und der älteren Bronzezeit in der Schweiz. Im Orient und im Alten und Mittleren Reich Ägyptens war der horizontale Webstuhl bekannt, später in Ägypten auch der senkrechte. Eine Skizze eines senkrechten zweischäftigen Gewichtswebstuhls fand man auf einer Urne der Hallstattzeit in Mitteleuropa. Das erste verwebte Material war Leinengarn, erst später kam Tierwolle hinzu. Im späten Mittelalter findet man erstmals Abbildungen des Trittwebstuhls. Erst im 18. Jahrhundert entwickelte er sich weiter. Der englische Uhrmacher J. Kay erfand den so genannten Schnellschützen zur automatischen Schiffchenbewegung, und 1784 baute der Geistliche E. Cartwright den ersten mechanischen Webstuhl. Revolutionär wirkte der 1805 erbaute Webstuhl des Lyoner Seidenwebers J. M. Jacquard, der es ermöglichte, gemusterte Stoffe zu weben. Die Kettfäden wurden mit Hilfe von Lochkarten eingestellt. 1879 stellte W. von Siemens den ersten elektrisch angetriebenen Webstuhl her. Seit 1961 benutzt man für alle mechanischen und automatischen Webstühle die Bezeichnung Webmaschine.
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