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Das Ende der Wildnis

Im Vergnügungsnationalpark

Spektakuläre Felsenlandschaften, wilde Pumas, staubige Pfade – das klingt nach einem wohligen Maß Wildwest-Abenteuer und Naturerleben, dachte sich unsere Autorin Dagmar Oberndorfer und buchte einen Flug an die Westküste der USA. Womit sie nicht gerechnet hatte: In der Kommerznation ist die Natur ein Freizeitpark.

Bryce Canyon
Bryce Canyon
Staaten wie Utah und Arizona sind im Vergleich zu Deutschland spärlich besiedelt. Inmitten der einsamen Steppen jener Flächenstaaten liegen die sensationellen Felsenlandschaften, die ich besuchen will. Doch als ich in Los Angeles ankomme, sind die Nationalparks geschlossen, wegen eines Budgetstreits im weit entfernten Washington D. C..

Nun heißt es umdisponieren. An der sonnigen Westküste mangelt es wahrlich nicht an Unterhaltung und ich habe schnell einen spannenden Zeitvertreib ausgemacht: Nahe Los Angeles liegt ein Freizeitpark, der auf Achterbahnen spezialisiert ist. Als ob die Schrauben und Loopings nicht genügend Aufregung garantieren würden, hat sich die Parkleitung passend zum nahenden Halloween-Fest eine Sonderaktion ausgedacht: Nach Sonnenuntergang lauern grausig maskierte Erschrecker auf den Wegen und lehren die Gäste das Fürchten.

Der Haushaltsstreit hingegen verliert seinen Schrecken noch rechtzeitig, um meine Urlaubsplanung nicht zu sprengen, und der Trip in die Wildnis kann endlich beginnen. Drei Parks stehen auf der Liste: Grand Canyon, Zion Canyon und Bryce Canyon.

 

Grand Canyon: Der Bombast

Stellen Sie sich eine flache Ebene vor, bedeckt mit Steppengras und kleinen Sträuchern, dazwischen roter Sand und Steine; eine typische Wildwestkulisse. Vor Ihnen läuft die Straße schnurgerade bis zu zum Horizont. Sie haben gerade ein Dörfchen hinter sich gelassen, auf der linken Seite grasen Bisons – Zuchtvieh, keine Wildtiere.

Mehr als sieben Stunden Fahrt sind es von Mega-Moloch Los Angeles zum Grand Canyon. Am Grenzübergang von Kalifornien nach Arizona läuft der Colorado River, jener Fluss, dessen Wassermassen sich in den vergangenen sechs Millionen Jahren in die harten Felsschichten des Coloradoplateaus hineinfraßen und den Grand Canyon formten. Besonders während Flutzeiten reißt das Wasser Steine und Felsen mit, die das Flussbett abschleifen und vertiefen. Das trockene Klima tut sein Übriges: Nur wenige Pflanzen sichern das Ufer und vermindern die Erosion.

Grand Canyon

Blick vom Rand der Schlucht.

Wo die Schlucht am tiefsten ist, liegt der Grand Canyon Nationalpark. Die meisten Touristen besuchen den südlichen Rand, der auch im Winter geöffnet ist, wenn die Geschäfte und Hotels auf der höherliegenden Nordseite wegen eisiger Witterung und Schneefällen schließen. Knapp fünf Millionen Menschen zieht es im Jahr in den weltberühmten Park. Für die Verpflegung und Unterbringung dieser Massen gibt es ein eigenes Dorf, das Grand Canyon Village. Dass es schwer werden würde, hier unberührte Natur zu erleben, hätte ich mir eigentlich denken können.

 

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von wissen.de-Autorin Dagmar Oberndorfer, Dezember 2013
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