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LEXIKON

Judenverfolgung

Juden: Ausbreitung im Mittelalter
Ausbreitung der Juden im Mittelalter
Ausbreitung der Juden im Mittelalter
allgemein die seit dem Altertum vorkommende Verfolgung von Juden aus religiösen, politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Motiven.
Schon früh geriet das jüdische Volk mit seiner strikt monotheistischen Religion in Konflikt mit expandierenden Nachbarvölkern, da es deren Götterwelt ebenso ablehnte wie das in der Antike verbreitete Gottkönigtum. Die Römer, deren Reich Judäa seit dem Jahr 63 v. Chr. angehörte, waren zunächst tolerant, doch in der Kaiserzeit kam es zu Konflikten, die schließlich 70 n. Chr. zur Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem führten. Die Zerstörung des Tempels bildete den Ausgangspunkt für die weltweite Zerstreuung der Juden (Diaspora). Als Flüchtlinge waren sie immer wieder brutaler Verfolgung ausgesetzt, auch im Römischen Reich, wo sich seit dem 4. Jahrhundert das Christentum durchsetzen konnte.
In Folge der Kreuzzüge verschlechterte sich die Stellung der Juden im Mittelalter in vielen Ländern, auch in Deutschland. Vielfach kam es zu Zwangstaufen, Talmudverbrennungen und Synagogenschändungen. Die Juden wurden als Christusmörder verfolgt. Man dichtete ihnen vielerlei Untaten an wie Hostienschändung, Brunnenvergiftung oder Kindstötungen. 1290 mussten alle Juden England verlassen. In Frankreich wurden sie zunächst gezwungen, ein gelbes Erkennungszeichen zu tragen; 1394 mussten sie das Land ganz verlassen. Vielerorts wurden der jüdischen Bevölkerung abgegrenzte Wohnbezirke zugewiesen (Judengasse, Ghetto). Die Juden wurden auch für die im 14. Jahrhundert in Europa wütende Pest verantwortlich gemacht. Es kam zu zahllosen Pogromen, bei denen Zehntausende ermordet wurden. 1492 wurde die sehr große jüdische Gemeinde Spaniens (ca. 300 000 Menschen) enteignet und des Landes verwiesen. Auch M. Luther plädierte in seiner Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ 1543 für das Verbot der Religionsausübung und die Unterdrückung der jüdischen Bevölkerung. Erst im Zeitalter der Aufklärung ließ der Verfolgungsdruck nach.
Pest und Judenpogrome
Pest und Judenpogrome
Der Kleriker Jakob Twinger berichtet über die Pest in Europa und besonders in seiner Heimatstadt Straßburg und die damit einhergehenden Aufstände und Morde an den Juden, die man für die Epidemie verantwortlich machte. Er bezeichnet die Pogrome als Bereicherungsmittel:

"Als man zählte 1349 Jahre, war das größte Sterben, das je zuvor gesehen war: es reichte von einem Ende der Welt bis zum anderen jenseits des Meeres. In der Heidenschaft war das Sterben größer als in der Christenschaft... Der Bischof von Marseille, Geistliche, Mönche und alles Volk starb da mehr als zur Hälfte. In anderen Königreichen und Städten starb so viel Volk, dass es schlimm zu sagen ist. Der Papst zu Avignon regierte nicht mehr, schloß sich in eine Kammer ein, ließ niemand mehr zu sich und ließ immer ein großes Feuer vor sich brennen. Über den Grund konnten alle weisen Gelehrten und Ärzte nichts anderes sagen, als dass es Gottes Wille sei. Und wie hier, so war es auch anderswo, und das Sterben währte mehr als ein ganzes Jahr. Es kam auch nach Strassburg im Sommer des genannten Jahres, und es starben hier ungefähr 16 000 Leute. Wegen des Sterbens wurden die Juden in der Welt verleumdet und überall beschuldigt, sie hätten es durch Gift bewirkt, das sie ins Wasser und in die Brunnen getan hätten. Deshalb wurden die Juden verbrannt vom Meer bis ins deutsche Land, nur nicht zu Avignon, wo sie der Papst beschirmte...
Da nun das Volk [in Straßburg] allgemein über die Juden ergrimmt war, sperrte man die Juden in die Judengasse, postierte davor bewaffnete Leute um ihrer sicher zu sein, wenn man ihnen noch mehr antun wolle. [Darauf ermahnen der Amtmeister und die zwei Stadtmeister vergeblich die Zünfte zur Ruhe unter Verweis auf die von der Stadt verbrieften Rechte der Juden.] Am Montag vor St. Valentin bewaffneten sich alle Zünfte in Straßburg ... Da bewaffneten sich auch die Patrizier mit ihren Leuten ... Als das die anderen Zünfte sahen ... erklärten sie den drei Meistern öffentlich, dass sie diese nicht länger als Meister haben wollten ... Am folgenden Tag setzte man den Rat ab und wählte einen neuen. Am Mittwoch leistete der neue Rat seinen Eid. Am Donnerstag schwor man dem neuen Rat den Gehorsam. Am Freitag verteilte man den Besitz des alten Amtmeisters und teilte mit seinen Kindern so, als ob er tot wäre ... Am Freitag fing man auch die Juden in Straßburg.
Am Samstag ... verbrannte man die Juden in ihrem Kirchhof auf einem hölzernen Gerüst. Es waren ihrer 2000 ... Was man den Juden schuldig gewesen war, das war alles wett ... Das bare Geld aber nahm der Rat und teilte es unter den Zünften nach ihrem Verhältnis. Das Geld war auch die Ursache, dass die Juden getötet wurden. Wären sie arm und die Landesherren ihnen nichts schuldig gewesen, so wären sie nicht verbrannt worden."
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts erfasste der moderne Antisemitismus fast alle Staaten Europas. Schließlich erreichte die Judenverfolgung in den Jahren des Dritten Reichs mit der Verwirklichung des antisemitischen Programms des NS-Regimes im Holocaust, dem etwa ein Drittel aller auf der Welt lebenden Juden zum Opfer fielen, den absoluten Höhepunkt. Auch nach dem 2. Weltkrieg blieben die Juden durch den nach wie vor virulenten Antisemitismus vielfach Verfolgungen ausgesetzt.
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Rassismus - Gefahr für die Gesellschaft

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