Lexikon

Nationlsozialismus

Parteipolitische Entwicklung

Die ersten Ansätze des Nationalsozialismus gehen auf die völkische großdeutsche Bewegung Schönerers zurück. Aus ihren Reihen wurde 1903 in Aussig die „Deutsche Arbeiterpartei“ gegründet, die sich seit Mai 1918 „Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei“ (DNSA) in Österreich nannte. Nach dem Untergang der Donaumonarchie bildete sich die „Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei“ in den Sudetenländern.
In Deutschland knüpfte die Entwicklung des Nationalsozialismus an die belanglose Splitterpartei an, die 1919 in München von dem Schriftsteller K. Harrer u. a. als „Deutsche Arbeiterpartei“ (ursprünglich „Deutscher Arbeiterverein“) gegründet wurde. Sie erhielt erst durch Hitler Auftrieb. Seit Anfang 1920 führte sie den Namen „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“. Auf ihrer ersten Massenversammlung in München verkündete Hitler die 25 Thesen des Parteiprogramms, die mit ihren verschwommenen, in sich nicht widerspruchsfreien Forderungen vielen etwas boten: Zusammenschluss aller Deutschen im Großdeutschen Reich, Aufhebung der Friedensverträge von Versailles und St.-Germain, Rückgabe der deutschen Kolonien, ein deutsches Staatsbürgerrecht, das alle Juden ausschloss und das allein zur Bekleidung öffentlicher Ämter befähigte, Recht und Pflicht zur Arbeit, Abschaffung des arbeitslosen Einkommens, Brechung der Zinsknechtschaft, Einziehung der Kriegsgewinne, Bodenreform, Verstaatlichung der Trusts, Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer, Beseitigung des Römischen Rechts, gleiche Aufstiegsmöglichkeiten für alle, Maßnahmen zum Schutz der Volksgesundheit, allgemeine Wehrpflicht, Bekämpfung und Verbot „zersetzender“ Kunst- und Literaturrichtungen, Schaffung einer starken Zentralgewalt. Die wirtschafts- und sozialpolitischen Forderungen dieses Programms wurden (mit Ausnahme der Arbeitsbeschaffung) später beiseite geschoben und nach 1933 nicht verwirklicht.
Nachdem Hitler 1921 die Parteiführung in seine Hand gebracht hatte, verschaffte er sich mit der Einführung des „Führerprinzips“ die für ihre weitere Entwicklung entscheidenden diktatorischen Vollmachten. Eine seiner ersten Maßnahmen war die Gründung der SA als Saalschutz und Propagandatruppe. 1922 wurde der Jugendbund der NSDAP (Keimzelle der Hitler-Jugend) gebildet. Nachdem der „Hitlerputsch“ vom November 1923 gescheitert war, geriet die Bewegung zunächst in eine Krise, die aber mit der Neugründung der Partei durch Hitler nach seiner Rückkehr aus der Festungshaft in Landsberg überwunden wurde. Ein Ergebnis dieses Rückschlags war auch die Umstellung der Parteipolitik von der Taktik der direkten Machteroberung (durch Gewalt) zur Taktik der legalen Machteroberung (durch den Stimmzettel). Mit der Aufstellung der SS seit 1925, der Bildung der Hitler-Jugend 1926 und der Errichtung einer Reihe berufsständischer Gliederungen wurde die Parteiorganisation in den nächsten Jahren immer weiter ausgebaut. Presse und Propaganda wurden 1929 J. Goebbels als Reichspropagandaleiter unterstellt. Doch konnte sich die Partei in den Wahlkämpfen dieser Jahre kaum durchsetzen (2. Reichstag 1924: 32, 3. Reichstag 1924: 14, 4. Reichstag 1928: 12 Sitze). Erst seit der Weltwirtschaftskrise und der zunehmenden Arbeitslosigkeit begannen ihr die Massen zuzuströmen. In der Atmosphäre steigender politischer Spannungen, in der sich die Macht immer mehr auf die beiden extremen Flügel der Kommunisten und der Nationalsozialisten verlagerte und ihre paramilitärischen Parteitruppen sich mit Meuchelmord und Saalschlachten bekämpften, gewann die NSDAP seit dem Beginn der 1930er Jahre rasch an Anhängern; in den Reichstagswahlen vom September 1930 errang die NSDAP 107 von 577 Sitzen. In den beiden Reichstagswahlen von 1932 erreichte die NSDAP jeweils etwa ein Drittel der Sitze (Stimmenrückgang bei der zweiten dieser Wahlen). In einzelnen Ländern errang sie jetzt bereits die absolute Mehrheit, in den meisten wurde sie die stärkste Parlamentspartei. Bei der Reichspräsidentenwahl 1932 erhielt Hitler 30% der abgegebenen Stimmen. Nach langwierigen Verhandlungen und Intrigen gelangte mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 der Nationalsozialismus in Deutschland zur Macht (Deutschland [Geschichte]).
  1. Einleitung
  2. Allgemeine Voraussetzungen
  3. Parteipolitische Entwicklung
  4. Wesen und Ziele
Kontext
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