Lexikon

Nationlsozialismus

Allgemeine Voraussetzungen

Allgemeine Voraussetzungen für das Aufkommen und den Sieg des Nationalsozialismus waren die im 1. Weltkrieg, durch die Niederlage von 1918 und durch die Versailler Friedensbestimmungen verschärften Spannungen und Klassengegensätze im deutschen Volk („Republikverdrossenheit“, d. h. Gegnerschaft gegen Republik und Demokratie in bürgerlich-nationalen Kreisen), ferner die durch die Inflation hervorgerufene Zerrüttung des deutschen Sozialgefüges, die außenpolitischen Belastungen der Weimarer Republik und mehr als alles andere die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise von 1929 auf Deutschland. Darüber hinaus war der Nationalsozialismus als typische Massenbewegung eine Erscheinung der Zeit, die als nationalistisch-militante Reaktion auf den internationalen Sozialismus und Kommunismus und als Sonderform der auch in anderen Ländern praktizierten faschistischen Herrschaft verstanden werden kann (Faschismus). Obgleich der Nationalsozialismus im Lauf seiner Entwicklung auch Teile der Arbeiterschaft u. a. Schichten an sich zog, ist er doch hauptsächlich eine Bewegung des mittleren und des Kleinbürgertums gewesen, dem das Wesen der Demokratie fremd war und das im Nationalsozialismus seine letzte Hoffnung auf Überwindung seiner wirtschaftlichen Probleme und der inneren Schwierigkeiten Deutschlands sowie auf die Wiedergewinnung der äußeren Machtstellung des Reichs sah und mehr nach einer starken, autoritären Führung als nach Sicherung individueller Freiheitsrechte verlangte.
Die Anfänge der nationalsozialistischen Bestrebungen, die schon antisemitischen Charakter hatten, finden sich auf dem Gebiet der Donaumonarchie, aus dem Hitler stammte. Geistige Wegbereiter und Quellen seiner Entwicklung in Deutschland waren die mehr oder minder vergröberten und missverstandenen Ideen J. G. Fichtes (Geschlossener Handelsstaat), E. M. Arndts und F. L. Jahns (Volkstum), dann besonders J. A. de Gobineaus und H. St. Chamberlains Rassenlehren und die antisemitischen, antiklerikalen und großdeutschen Forderungen G. von Schönerers und der deutschvölkischen Bewegung, von der auch das Hakenkreuz als politisches Symbol übernommen wurde. Dazu kommen Bruchstücke der Philosophie F. Nietzsches („Wille zur Macht“, Wendung gegen das Christentum), außerdem vieles aus dem antiliberalen Schrifttum der Zeit von A. Moeller van den Bruck (dem der dort anders gemeinte Begriff des „Dritten Reichs“ entnommen ist) bis zu E. Jünger („Totale Mobilmachung“ u. a.). Reichsgedanke und Preußentum wurden für die Zwecke des Nationalsozialismus innerlich umgedeutet. Staatspolitisches Vorbild war in vielem das faschistische Italien. Von ihm sind auch Äußerlichkeiten wie das einfarbige Hemd als Parteiuniform, der römische („deutsche“) Gruß, ferner das Modell der Parteimiliz (SA) und des „politischen Kämpfers“ übernommen.
  1. Einleitung
  2. Allgemeine Voraussetzungen
  3. Parteipolitische Entwicklung
  4. Wesen und Ziele
Kontext
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