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GROßES WöRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE
Vandalismus:
Der Begriff, der auch in der Schreibweise
Wandalismus
vorkommt, bezeichnet blinde Zerstörungswut und geht auf den ostgermanischen Volksstamm der
Vandalen
zurück, die angeblich bei ihrem Zug vom östlichen Mitteleuropa durch das heutige Frankreich und Spanien nach Nordafrika eine Spur der Verwüstung hinterließen. Er ist während der französischen Revolution aufgekommen und wurde ursprünglich mit ganz anderer Zielrichtung verwendet.
Der Bischof von Blois, HenriBaptiste Grégoire, legte dem Konvent in Paris 1794 einen Bericht mit dem Titel „Rapport sur les destructions opérées par le vandalisme“ („Bericht über die durch den Vandalismus bewirkten Zerstörungen“) vor, in dem der Begriff erstmals gebraucht wird. In der Schrift sind Bücherverbrennungen und die Zerstörung von Kunstwerken durch die herrschenden Jakobiner angeprangert.
Vandalismus
zielt hier noch auf die Abgrenzung einer „idealen Revolution“ von Radikalen in den eigenen Reihen. Diese, so die Argumentation, zerstörten die Kultur Frankreichs genauso, wie es zu Beginn des 5. Jahrhunderts die Vandalen getan hätten. Nach dem Beginn der Schreckensherrschaft unter Maximilien de Robespierre stand
Vandalismus
für den staatlichen Terror insgesamt. Der in hoher Auflage erschienene bischöfliche Bericht, dem zwei weitere folgten, bewirkte die rasche Verbreitung des Begriffs
Vandalismus
in ganz Europa.
Namensgeber waren die
Vandalen
auch andernorts: Die südspanische Provinz Andalusien trägt ihren Namen nach dem von den Vandalen dort im früheren 5. Jahrhundert gegründeten Königreich „Wandalusien“.
Neben dem Ausdruck
Vandalismus
wird heute für „sinnlos zerstören“ auch die Redewendung
wie ein Vandale, die Vandalen hausen
gebraucht.
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