wissen.de
You voted 4. Total votes: 81
wissen.de Artikel

Medikamentenverbrauch

Das umsatzstärkste Medikament

Die Pharmawelt steht Kopf. Nicht ein Magenmittel oder Cholesterinsenker ist die Nummer eins beim Umsatz in deutschen Apotheken, nicht Aspirin oder eine Rheumasalbe. Stattdessen ist es ein Pflaster gegen schwere chronische Schmerzen. Rund 250 Mio. Euro Jahresumsatz bringt Durogesic dem Hersteller Janssen-Cilag, Tochterfirma des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson. Das entspricht monatlich 150.000 Packungen. Und das Wachstum ist kräftig: In den ersten vier Monaten 2005 legte das Produkt beim Umsatz gegenüber dem Vergleichszeitraum 2004 um 33 Prozent zu. Wie kann ein Nischenprodukt prominentere Medikamente mit einem höheren Bedarf abhängen? Drei Gründe stehen dafür ganz vorn: der hohe Preis, die steigende Nachfrage und Ulla Schmidt. Die Reformen der Gesundheitsministerin haben die gewohnte Ordnung der Pharmawelt auf den Kopf stellt. Die neue Gesetzgebung hat den bisherigen Spitzenreiter im Produktranking, den Cholesterinsenker Sortis von Pfizer, unter enormen Preisdruck gebracht. Neuerdings müssen Versicherte für Sortis in der Apotheke zuzahlen. Das wollen nur wenige, und so fiel Sortis auf Platz 18 des Arzneimittelrankings. Der Umsatz im Mai brach gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 72 Prozent ein. Sortis - in anderen Ländern Lipitor genannt - ist mit mehr als 10 Mrd. $ Jahresumsatz die weltweit meistverkaufte Arznei.

Durogesic fällt unter das Betäubungsmittelgesetz

Durogesic wird Patienten mit starken chronischen Schmerzen gegeben. Sein Wirkstoff Fentanyl ist ein Verwandter des Morphiums. Daher fällt das Präparat unter das Betäubungsmittelgesetz. Zu den Durogesic-Patienten, bei denen der Einsatz des Mittels unumstritten ist, zählen schwer Rheumakranke, Osteoporosekranke mit Wirbeleinbrüchen und Krebspatienten, die etwa Knochenmetastasen entwickelt haben. "Vor allem werden immer mehr Nichttumorpatienten behandelt", sagt eine Janssen-Cilag-Sprecherin zum neuen Trend. Die Pflastertherapie wird von vielen Ärzten und Patienten derzeit gegenüber der Morphintablette bevorzugt. Der Vorteil bestehe darin, dass Fentanyl kontinuierlich über einen Zeitraum von drei Tagen ins Blut wandert. Danach wird das Pflaster gewechselt. Im Gegensatz dazu gelange der Wirkstoff bei einer Tablette weniger kontinuierlich ins Blut. Auch emotionale Gründe sollen bei der Entscheidung für das Pflaster eine Rolle spielen. Viele Patienten wollen kein Morphin nehmen, weil sie mit dem Namen Morphium das Endstadium einer tödlichen Krankheit wie Krebs in Verbindung bringen. Durogesic sei frei von diesem Malus.

... klicken Sie zum Weiterlesen auf den folgenden Button
© Financial Times Deutschland
You voted 4. Total votes: 81