wissen.de Artikel

Zahnersatz

© Financial Times Deutschland

Gesundheitswirtschaft: 3, 2, 1... mein Patient

Brücken, Kronen und Implantate per Mausklick: Wer einen Zahnersatz brauchte, musste bisher mit seinem Zahnarzt mühevoll über den Preis verhandeln. Jetzt kann der Patient im Internet in kurzer Zeit vergleichen.

Zahnbehandlungen kann man jetzt auch im Internet ersteigern

Nach dem Vergleich kann er den Mediziner anschließend mit den günstigeren Angeboten der Konkurrenz konfrontieren. Auf www.2te-zahnarztmeinung.de finden sogar Auktionen von Ärzten um die billigste Behandlung statt. Dass Bewegung in die jahrelang starren Strukturen gekommen ist, liegt unter anderem an der Neuregelung der Zuzahlungen für Zahnersatz seit Januar 2005. Seitdem zahlen die Kassen nur noch Festzuschüsse und nicht mehr 50 bis 60 Prozent der Kosten wie zuvor. Nun kann der Patient in der Regel selbst wählen, ob er etwa eine billigere Brücke oder ein deutlich teureres Implantat bezahlen will. Wie hoch der Eigenanteil des Patienten ist, steht in dem Heil- und Kostenplan, den der Arzt erstellt, bevor er zum Bohrer greift. Dieser Kostenvoranschlag ermöglicht dem Patienten, die Leistung und den Preis mit dem Angebot anderer Mediziner zu vergleichen.

Warten auf das günstigere Angebot
Auf www.2te-zahnarztmeinung.de stellen Patienten den Plan ihres Zahnarztes ins Netz und warten auf günstigere Angebote anderer Mediziner. Eine Nutzerin aus Dresden beispielsweise, Pseudonym "Princess", soll für das Einsetzen einer Brücke 745 Euro zahlen. "Impala", ein Zahnarzt aus Chemnitz gewinnt die Auktion nach zehn Tagen mit einem Gebot von 492 Euro. Geschäftsführer des Portals ist Holger Lehmann, ein Diplomkaufmann. Wie unterschiedlich Zahnärzte für dieselbe Therapie abrechnen, hatte Lehmann am eigenen Leib erfahren. Für eine Brücke sollte er bei seinem Zahnarzt 500 Euro bezahlen. Der Mediziner seiner Eltern nahm für die gleiche Behandlung 350 Euro. Lehmann machte aus dieser Erfahrung eine Geschäftsidee und verspricht den Patienten deutliche Einsparmöglichkeiten. "Patienten müssen erkennen, dass Zahnärzte auch Unternehmer sind. Damit steht hinter jeder medizinischen Leistung auch ein wirtschaftliches Interesse", sagt der studierte Betriebswirt. Er bekommt zehn Prozent vom Zahnarzthonorar, wenn der Patient den Mediziner für die Behandlung wechselt. Insgesamt beteiligen sich seit Januar 180 Zahnärzte an den Auktionen, über 1250 Versteigerungen haben bislang stattgefunden. Für die Einstellung des Kostenplans kassiert Lehmann zwischen 2,50 und 8 Euro von den Patienten.

Das könnte Sie auch interessieren