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Zimt

Monika Wittmann

Betörende Wärme

Der warme, schwere Duft ist vertraut und aufregend zugleich. Er weckt Erinnerungen aus Kindertagen und entrückt uns in ferne Länder, wo die Bäume ein köstliches Aroma verströmen.

In China kochte man schon vor über 4000 Jahren mit der Rinde des Zimtbaums. Diese wird zuerst fein abgeschabt, dann eingerollt und getrocknet. In Europa blieb die Herkunft der duftenden Stangen jedoch lange Zeit ein Geheimnis. Um ihren Markt zu sichern, erzählten die Händler aus dem Morgenland allerlei Märchen: Mal hieß es, die Spezerei wachse auf dem Grunde eines Sees. Mal, der sagenhafte Vogel Phönix horte die beste Zimtsorte in seinem Nest.

Noch heute umgibt ein seltsamer Zauber den herbsüßen Geruch. Ob als Sympathiepülverchen auf die Schuhe gestreut oder als Aphrodisiakum - Zimt soll betören und die Sinne schwinden lassen.

Nach der Aromatherapie ist Zimtöl ein Duft für Körper und Seele. Er wärmt und hüllt ein, löst Blockaden und Verspannungen, schenkt Rhythmus und Geborgenheit.

Vielleicht gleicht ihm deshalb kein anderer Weihnachtsduft. Weil Zimt uns an eine Zeit erinnert, die kreisförmig war. Die Zeit, als wir hundertmal das Gleiche spielten, ohne dass es langweilig wurde. Vielleicht begehren wir seinen Duft aber auch, weil er so wundervoll fremd und exotisch ist. Vielleicht ist es einfach diese Mischung aus Nähe und Ferne - das Geheimrezept der Liebe - die den Zimt so unwiderstehlich macht.

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