Lexikon
Ich
[
lateinisch egodas
]einerseits die Instanz der menschlichen Person, die ihr Wahrnehmen, Denken, Erinnern sowie die Kontrolle der Motorik bestimmt, daher dem Bewusstsein nahestehend, so viel wie Subjekt; andererseits die Person als ganze, die dem Subjekt das Objekt seiner selbst ist, so viel wie Selbst, das im Wollen und Fühlen auch als fremdbestimmt erlebt werden kann. Diese Doppeldeutigkeit, das Ich als Instanz und als Person, prägt die Geschichte des philosophischen und psychologischen Ichbegriffs. Erst im christlichen Denken (bei Augustinus) trat die Vorstellung von einem Ich deutlich hervor. Die neuzeitliche Philosophie (seit Descartes) nahm ihren Ausgangspunkt beim Ich als „denkender Substanz“ (res cogitans) und verstand es als Selbstbewusstsein, das sich selbst denkt. Vor allem der Deutsche Idealismus (Fichte, Schelling, Hegel) hat diese Struktur des Ich als absolute Dialektik beschrieben, das Ich als endlich-unendliche Bewegung des Denkens, das sich selbst denkt. Eine besondere Konzeption des Ich ist in der Psychoanalyse gegeben. Das Ich bedeutet hier ein Funktionssystem, in dem bewusste und unbewußte Regungen zusammenlaufen. Es steht zwischen den Triebregungen des Es und den moralischen Forderungen des Über-Ich.
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