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Online-Reputation

Aus dem täglichen Leben weiß man: Einen guten Ruf zu erwerben, dauert lange. Das gilt auch für das Renommee im Internet. Die Reputation im Netz kann sich darauf auswirken, ob man seinen Traumjob erhält oder ob die eigenen Kinder Freunde zum Spielen finden.
Julia Räsch

Online ReputationWas ist eine digitale Reputation?

Viele Menschen veröffentlichen in Blogs oder Foren ihre Gedanken zu Gott und der Welt, teilen private Momente mit Freunden in sozialen Netzwerken oder informieren über den eigenen Lebenslauf auf Karriereplattformen. Doch auch Dritte können Fotos, Texte oder Videos über ihre Mitmenschen ins Internet stellen. All diese Äußerungen zusammen genommen ergeben die digitale Reputation. „Meine Online-Reputation ist somit das, was im Netz über mich gefunden werden kann“, sagt der Kommunikationsberater und Soziologe Klaus Eck. „Das ist der erste Eindruck, den ich von einer Person erhalte.“ Eck beschäftigt sich schon seit Jahren mit diesem Thema. „Die digitale Reputation ist nicht wie ein Image, das eher oberflächlicher Natur ist. Das kann sehr tief gehen.“

 

Wie finde ich heraus, was im Internet über mich steht?

Die einfachste Möglichkeit ist, seinen Namen in eine Suchmaschine wie Google, yahoo oder bing einzugeben und die einzelnen Ergebnisse zu durchforsten. Schwieriger wird das aber, wenn man viele Namensvetter hat, die dann ebenfalls in der Ergebnisliste auftauchen. „Wer zusätzlich zum Namen noch seine Stadt oder ein anderes Unterscheidungsmerkmal eingibt, der wird gute Ergebnisse erzielen“, sagt Eck. Es gibt auch spezielle Personensuchmaschinen, die Informationen über einen Menschen aus verschiedenen Quellen zusammenführen.

Doch eine einmalige Recherche reicht nicht aus. Sinnvoll ist es, sich regelmäßig einen Überblick zu verschaffen, was über einen im Internet verbreitet wird. „Das geht relativ leicht, indem ich einen sogenannten Google-Alert anlege“, sagt Eck. Mit dieser Funktion bietet Google die Möglichkeit, Informationen zu bestimmten Suchwörtern zu abonnieren. Sobald das Schlüsselwort wieder im Netz auftaucht, informiert die Suchmaschine darüber per E-Mail oder RSS-Feed.

 

Wen interessiert, was über mich im Internet steht?

Jeder, der neugierig ist, kann zur Suchmaschine greifen: Arbeitgeber, Freunde, Kollegen, Nachbarn, der zukünftige Vermieter oder Eltern, die ihre Kinder nicht mit jedem x-beliebigen Nachwuchs spielen lassen wollen. „Diese Neugierde kann einem zum Verhängnis werden, wenn man nicht weiß, was im Netz steht“, sagt Eck. Deshalb ist es kein Zeichen von Selbstverliebtheit, wenn man im Internet nach seinem eigenen Namen sucht. „Jemand, der nicht nach sich selbst googelt, handelt fahrlässig.“ Denn wer sich zum Beispiel auf eine neue Stelle bewirbt, muss damit rechnen, dass der Personalchef den Namen des Bewerbers googelt. Mittlerweile informiert sich jeder zweite Personaler über Job-Interessenten im Internet, ergab eine Umfrage des Branchen-Verbandes Bitkom.

 

Wie kann ich meine Online-Reputation beeinflussen?

„Je mehr ich veröffentliche, desto mehr Einfluss übe ich auf meine Darstellung im Internet aus“, sagt der Kommunikationsberater. „Wer gar nichts tut, begeht die meisten Fehler. Dann kann jeder digital mit Ihnen machen, was er will. Jemand braucht nur einen Beitrag oder ein Foto über Sie zu veröffentlichen, und schon ist das sichtbar im Internet.“ Wer eine eigene Webseite oder ein Profil auf Xing oder Facebook hat, kann damit schon viel Einfluss auf sein Ansehen im Internet ausüben. Wichtig ist es dann, auf diesen Seiten regelmäßig Inhalte zu veröffentlichen. Wer gezielt seinen Online-Ruf beeinflussen will, sollte vor allem zeigen, dass er über Fachwissen verfügt. „Es geht nicht darum, dass man persönliche Dinge veröffentlicht“, sagt Eck. „Wenn ich willkürlich über alles schreibe, wird sich das wenig auf die Reputation auswirken.“ Nicht nur Texte, auch Fotos und Videos spielen eine Rolle. Von Anfang an sollte man sich fragen: Welche Folgen hat das, wenn ich das tue? Wer noch kein Gefühl dafür hat, welche Bilder und Informationen ins Internet gehören und welche nicht, kann beispielsweise mit dem kostenlosen Dienst secure.me seine Facebook-Seite scannen. Das Programm sucht dann ähnlich wie ein Virenscanner nach kritischen Punkten in dem Onlineauftritt und informiert den Nutzer, was vielleicht besser nicht veröffentlicht werden sollte. Auch Bilder werden von dem Scanner erfasst.

 

Was kann man tun, wenn man Opfer einer Rufschädigung wird?

Wenn rufschädigende Äußerungen im Internet zu finden sind und man quasi als Mopfer (Mobbing-Opfer) erscheint, kann das problematisch werden. Einen Anwalt zu beauftragen, um eine Löschung unerwünschter Daten zu erzwingen, sei aber nicht ratsam, so Eck. Das könne mehr schaden als nützen, wenn etwa der Verdacht der Zensur aufkeimt und das zu Protesten in der Internetgemeinde führt. Einige Firmen haben sich darauf spezialisiert, einen beschmierten digitalen Ruf wieder zu reinigen. Das kann allerdings schnell teuer werden. „Wenn Sie ein großes Problem haben, ist es am einfachsten, viel zu publizieren. So werden die Inhalte, die Ihnen schaden, bei Google nach hinten verdrängt“, sagt Eck. „Man kann nichts löschen, man kann negative Beiträge aber sehr gut verdrängen.“ 

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