Lexikon

Führerprinzip

ein Grundsatz der polit. Leitung, der bes. vom italien. Faschismus u. vom dt. Nationalsozialismus propagiert u. dem angeblich die Verantwortlichkeit verschleiernden Gedanken demokratischer Mehrheitsentscheidung gegenübergestellt wurde. In ihm schlugen sich verbreitete antidemokratisch-autoritäre Haltungen u. die praktische Gewöhnung an die militär. Befehlsstrukturen des 1. Weltkriegs nieder. Im hierarchischen Aufbau galt das Prinzip von Befehl u. Gehorsam. An der Spitze sollte als unumschränkter Führer derjenige stehen, der sich durch seine Erfolge als der bestgeeignete Träger der höchsten Autorität qualifiziert hatte. Auf den Ebenen unterhalb des Führers sollte dem durch Leistung qualifizierten u. von der zuständigen höheren Instanz anerkannten Unterführer jeweils ein bestimmter Arbeitsbereich unterstehen, für den er sich ausschließlich nach oben zu verantworten hatte. Da nie genaue Regeln u. Abgrenzungen für Qualifikation u. Organisation aufgestellt wurden, ergaben sich in der Praxis der „faschistischen“ Parteien in Dtschld. u. Italien u. in den verwandten Organisationen anderer Länder, zunehmend aber auch im Gefüge des faschist. bzw. des nat.-soz. Staates, zahlreiche Macht- u. Kompetenzkonflikte, die nicht durch Sachargumente, sondern durch bloßes Durchsetzungsvermögen u. Protektion höherer Stellen entschieden wurden. Die angebliche Effektivität des Führerprinzips als Form polit. Leitung erwies sich dabei als ein Mythos.
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