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LEXIKON

Zabern-Affäre

eine innenpolit. Krise im dt. Kaiserreich. Am 28. 10. 1913 hatte ein Leutnant der dt. Garnison in Zabern vor Soldaten aufhetzerische Bemerkungen gegen die elsäss. Bevölkerung gemacht. Dies führte zu Protestkundgebungen u. Zusammenstößen zwischen Einwohnern u. Militär. Daraufhin verhängten die örtl. Militärbehörden das Kriegsrecht, ohne von der polit. Führung dazu ermächtigt zu sein. Die Übergriffe des Militärs wurden vom Kaiser u. von der Regierung nach außen hin weitgehend gedeckt. Nach einer Reichstagsdebatte am 3. u. 4. 12. 1913 sprach die Mehrheit der Abgeordneten dem Reichskanzler T. von Bethmann Hollweg das Misstrauen aus; dieses erste Misstrauensvotum in der Geschichte des Kaiserreichs hatte allerdings aus verfassungsrechtl. Gründen keine prakt. Folgen. Insges. stärkte die Z. die Stellung des Militärs im dt. Staatsgefüge u. verschärfte die innenpolit. Spannungen.
D. Schoenbaum, Zabern 1913. Consensus politics in imperial Germany. London. 1982.
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