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Gletscher

Hängegletscher in der Schweiz

Eindrucksvoll hat sich der Gletscher in die Flanke des 4505 Meter hohen Weißhorn in den Walliser Alpen genagt.

Ein Gletscher ist eine große Eismasse, die talwärts strömt und in ihrem unteren Bereich durch Abschmelzen aufgezehrt wird. Die Bezeichnung Gletscher wurde vom lateinischen Wort für → Eis “glacies“ abgeleitet. Im Englischen und Französischen schreibt man ganz ähnlich: Glacier. In den italienischen Alpen heißen sie Ghiacciaio, im rhätoromanischen Alpenraum Vedretta. Die Gletscher Islands heißen Jökull, die Norwegens Bre. Im Russischen sagt man Lednik und im Spanischen Glaciar zu ihnen. Im deutschsprachigen Alpenraum gibt es für Gletscher auch die Bezeichnungen Ferner (von althochdeutsch firn = alt) und Kees (von althochdeutsch = Eis).

Voraussetzungen der Gletscherentstehung:

Gletscherentstehung

Die Kombination aus dauerhafter Kälte und Schneefall lässt gewaltige Gletscher entstehen.

Für die Bildung von Gletschern muss es so kalt sein, dass die Sonneneinstrahlung nicht mehr ausreicht, um Schnee völlig wegzuschmelzen und es muss ausreichend Schnee fallen. Beispiel: Im Norden von Alaska wäre es für die Gletscherbildung kalt genug, aber es gibt dort zu wenig Niederschlag und somit keine Gletscher.

Entstehung:

Wie Gletscher entstehen

Die erkennbare Schichtung im Eis entsteht durch wechselnde Ablagerung von Sommer- und Winterschnee, sowie die Ablagerung von Staub und organischen Materialien.

Gletscher bestehen aus Eis. Und Gletschereis bildet sich aus Schnee. Sobald → Schnee zur Erde gefallen ist, erfährt er eine Veränderung. Man bezeichnet diesen Vorgang als Metamorphose (von griechisch metamorphóo = umgestalten).

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Von der Schneeflocke zum Gletschereis - Phase 1

Durch die Metamorphose werden die Spitzen der Schneekristalle zunächst allmählich abgerundet.

Bei der Metamorphose werden die feinverzweigten Strukturen der sechseckigen Schneekristalle und der daraus gebildeten Schneeflocken durch Zerbrechen, Schmelzen und Sublimation, d. h. durch den direkten Übergang vom festen zum gasförmigen Zustand, abgebaut. Die zuvor verzweigten Kristalle erhalten dadurch allmählich eine Kornform und die lockere Schneedecke verdichtet sich nach und nach. Aus Neuschnee wird auf diese Weise Altschnee.

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Von der Schneeflocke zum Gletschereis - Phase 2

Nach und nach gehen die feinen Verzweigungen der Schneekristalle verloren.

Schmilzt Altschnee über den Sommer hinweg nicht ab, nennt man ihn Firn (von althochdeutsch firn = alt). Schreitet die Metamorphose weiter fort, so wachsen die einzelnen Körner des Firns durch erneute Schmelzvorgänge, Sublimation und anschließendem Wiedergefrieren langsam zusammen. Der Firn wird immer dichter. Ab einer Dichte von 0,80 bis 0,85 g/cm3 wird der Firn zu weißem Firneis.

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Von der Schneeflocke zum Gletschereis - Phase 3

Altschnee unter dem Mikroskop.

Kommt Firneis auf geneigter Unterlage und bei weiterer Schneeüberlagerung in Bewegung, entstehen Druckschwankungen innerhalb der Ablagerung. Erhöhter Druck bedeutet Schmelzvorgänge, geringerer Druck führt zum Wiedergefrieren des Schmelzwassers. Man nennt das Schmelzen und Wiedergefrieren von Eis durch Druckänderungen auch Regelation (von lateinisch re = wieder und gelo = zum Gefrieren bringen). Durch sie wird ein weiteres Wachstum der Eiskörner unter Abbau von kleineren Firn- und Eiskörnern bewirkt. Zudem wirkt unter Druck die Rekristallisation. Hierbei handelt es sich um eine Verschiebung zwischen zwei beliebigen Moleküllagen im Eiskristall. Das Eis deformiert und verdichtet sich dabei langsam aber fortschreitend ohne Schmelzprozesse. Aus weißem Firneis ist nun durchsichtiges, bläulich bis grünlich schimmerndes Gletschereis entstanden. Die Dichte dieses Eises beträgt rund 0,9 g/cm3. Zum Vergleich: Die Dichte des Neuschnees liegt bei etwa 0,1 g/cm3. Um 1 cm Gletschereis zu bilden, sind 80 cm Neuschnee erforderlich. Zusätzlich zum gefrorenen Wasser besteht ein Gletscher aus unterschiedlichen Mengen an eingeschlossenen mineralischen und organischen Materialien wie Schutt, Sand, Staub und Pflanzenreste sowie aus eingeschlossenen Luftblasen.

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