Lexikon
Goldautomatismus
selbständiger Ausgleichsmechanismus für die Zahlungsbilanz beim Handelsverkehr zwischen Ländern mit Goldwährung. Bei Goldwährung sind die Wechselkurse innerhalb der beiden Goldpunkte stabil. Steigt in Land A die Nachfrage nach der Währung des Landes B stärker als das Angebot, d. h., ist in A der Import aus B größer als der Export nach B, so steigt zunächst der Wechselkurs der Währung von B bis zum oberen Goldpunkt. Dann wird es für den Importeur in A billiger, bei der Notenbank in A eigene Währung (statt gegen Devisen) in Gold einzutauschen und den Import mit Gold zu bezahlen. Dadurch fließt in A Gold ab, und die Geldmenge in A muss verringert werden, weil die vorgeschriebene Golddeckung der Währung in A sonst nicht mehr gewährleistet wäre.
Voraussetzungen für das Funktionieren des Goldautomatismus: 1. das spielregelgerechte Verhalten der Notenbanken, d. h. keine autonome Notenbankpolitik; – 2. elastische Preise und Löhne, d. h., bei Geldvermehrung müssen die Preise und Löhne steigen, bei Geldverminderung müssen sie aber auch fallen; – 3. internationaler Freihandel ohne Kontingentierung und Prohibitivzölle (nur Finanzzölle sind erlaubt); – 4. Weltfrieden und internationales Vertrauen. Da diese Voraussetzungen zum überwiegenden Teil in der Wirklichkeit nicht gegeben sind, entbehrt die Forderung nach Wiederherstellung des Goldautomatismus heute der realistischen Grundlage.
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