Lexikon

 

Mundwerkzeuge

besondere Einrichtungen im Bereich der vorderen Öffnung (Mund) des Darmtrakts von Tieren, die der Nahrungsaufnahme und -zerkleinerung dienen. Einfache Mundwerkzeuge sind z. B. die Stilette am Vorderende bestimmter Fadenwürmer und Schnurwürmer. Die Seeigel haben einen sehr komplizierten Kauapparat, die „Laterne des Aristoteles“, bestehend aus Kalkspangen und Muskeln. Bei den Weichtieren kommen als Mundwerkzeuge die Radula (Reibzunge) und (z. B. bei Kopffüßern) auch Chitin-Kiefer vor, ebenso bei Egeln und Borstenwürmern.
Mundwerkzeuge sind im engeren Sinne die Mundgliedmaßen der Gliederfüßer; das sind Kopfgliedmaßen, die an ihre Funktion angepasst und vielfach hochkompliziert abgewandelt sind. Bei den Spinnentieren ist das erste Kopfgliedmaßenpaar (Kieferfühler, Cheliceren) meist zangenartig zum Greifen oder Stechen, nicht jedoch zum Kauen eingerichtet. Bei den Webspinnen (Araneen) münden in den Chelicerenklauen Giftdrüsen. Das zweite Kopfgliedmaßenpaar (Kiefertaster, Pedipalpen) dient gewöhnlich als Taster, seltener (z. B. bei Skorpionen) ebenfalls als Zangen. Bei Krebsen und Insekten dienen ein Paar Mandibeln und zwei Paare Maxillen als Mundwerkzeuge (Bei Krebsen tritt noch eine unterschiedliche Zahl von Mundfußpaaren [Kieferfüße, Maxillipedien] hinzu.) Sie sind paarweise zangenartig gegeneinander beweglich. Die Mundwerkzeuge der Krebse tragen an ihrem Stamm auf der Innenseite gezähnte Platten (Kauladen). Die Mundwerkzeuge der Insekten sind in ihrem Grundtyp beißende oder kauende Mundwerkzeuge: Die Mandibeln bilden eine kräftige Beißzange; die Maxillen sind mehrgliedrige Gebilde, die jeweils außen mehrgliedrige Taster (Palpen) tragen, während innen jede Maxille zwei Laden (Lobi) trägt: die erste Maxille Kaulade (Innenlade) und Sinneslade (Außenlade), die zweite Maxille Zunge (Glossa) und Nebenzunge (Paraglossa), die am Grund zur Unterlippe verwachsen. Aus dieser Grundanordnung sind zahlreiche Typen von Insektenmundwerkzeugen mit verschiedener Funktion entwickelt; z. B. die leckend-saugenden Mundwerkzeuge der Biene, bei der die Maxillen ein Saugrohr (Zunge) bilden; die saugenden Mundwerkzeuge der Schmetterlinge mit einem aufrollbaren Saugrohr aus den ersten Maxillen; die stechend-saugenden Mundwerkzeuge von Stechmücken oder Wanzen, bei denen die zweiten Maxillen eine Rinne bilden, in der die von den Mandibeln und den ersten Maxillen gebildeten Stechborsten liegen.
Die Mundwerkzeuge der Wirbeltiere bezeichnet man als Gebiss.
 
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