Lexikon
Fastnacht
[mhd. vastnaht, „Abend vor Beginn der Fastenzeit“]
Fasnet; Fastelabend; Fasching; Karnevalursprünglich (seit Beginn des 13. Jahrhunderts) der Abend vor Aschermittwoch, zwischen 1450 und 1582 die drei Tage vor Aschermittwoch, seit dem 19. Jahrhundert die gesamte Zeit vor Beginn der kirchlichen vorösterlichen Fastenzeit, die i. w. S. an Dreikönig (6. 1.) oder am 11. 11. beginnt.
Früheste Belege stammen vom Anfang des 13. Jahrhunderts, ein heidnischer oder germanischer Ursprung des Festes ist nicht auszumachen. In Vorbereitung auf die Fastenzeit wurde eine letzte Zeit des Sich-Auslebens erlaubt, in der sinnliche Genüsse und gewisse Ausschweifungen zugelassen waren. Grundgedanke der Fastnacht ist die „Umkehrung der natürlichen Ordnung“ wie sie im Ausrufen von Fastnachtskönigen, -prinzen oder in der Weiberfastnacht noch heute zum Ausdruck kommt. Über die frühen Fastnachtsbräuche ist nicht viel bekannt. Im städtisch-bürgerlichen Raum stellen die derb-komischen Fastnachtsspiele des 15. und 16. Jahrhunderts eine eigenständige literarisch-theatralische Form dar, in der soziales Fehlverhalten angeprangert wurde. Festliche Gelage mit Tanz und Musik sowie organisierte Maskenumzüge (z.B. der 1539 verbotene Nürnberger Schembartlauf), sind weitere bezeugte Formen der fastnächtlichen Geselligkeit dieser Zeit, die hauptsächlich eine städtische Angelegenheit war. Im norddeutsch-protestantischen Raum wurde die Fastnacht durch Reformation und Aufklärung weitgehend zurückgedrängt.
Die heutigen Erscheinungsformen der Fastnacht sind relativ jung. Der älteste unter ihnen ist der rheinische Karneval, der in seiner Kostümierung auf die Stadtgarden der Napoleonischen Zeit zurückgeht. Der bayrisch-österreichische Fasching (von mhd. vast schanc, „Ausschank des Fastentrunks“) hat eine besonders großstädtische Prägung erfahren (z. B. in München mit dem Tanz der Marktweiber oder in Wien mit einer charakteristischen Ballkultur); die schwäbisch-alemannische Fastnacht etablierte sich als volkskundliche Wiederbelebung von regionalem Brauchtum am Ende des 19. Jahrhunderts. Die regionalen Ausprägungen der Fastnacht sind vielfältig, besonders bekannt sind u. a. der Rottweiler Narrensprung, die Basler Fastnacht (dauert bis zum Montag nach Aschermittwoch und endet mit dem sog. Morgenstraich), das Schellenrühren in Garmisch-Partenkirchen, der Jülicher Lazarus.
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