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Fasching, Karneval und Fastnacht mal anders

Sich verkleiden, ausgelassen feiern, Faschingslieder singen und die Jecken bei ihren Umzügen bejubeln – so sieht der Karneval normalerweise aus. Aber mit Blick auf die Infektionszahlen der Corona-Pandemie ist schon länger klar, dass die närrischen Traditionen dieses Jahr nicht wie üblich stattfinden können. Aber heißt das, dass sich Karnevalsfreunde 2021 gar nicht vergnügen können? Lässt sich die fünfte Jahreszeit nicht vielleicht auch zu Hause feiern?

Auch im Februar werden aufgrund der Corona-Pandemie weiterhin strenge Kontaktbeschränkungen gelten. Da Veranstaltungen und Versammlungen verboten bleiben, finden dieses Jahr weder Karnevalsbälle und Partys noch die Sitzungen der Jecken statt. Auch die großen Rosenmontagszüge in Köln, Düsseldorf oder Mainz fallen aus.

Dann eben anders jeck

Die Beschränkungen und Veranstaltungsausfälle begleiten die Karnevalsbegeisterten schon seit Beginn der Session am 11. November 2020. Seitdem sind aber einige Faschingsvereine kreativ geworden, um die Zeit bis zum offiziellen Höhepunkt der Karnevalssaison zumindest ein bisschen feierlich zu gestalten.

Zum Beispiel organisieren manche Karnevalsvereine Verlosungen: Dabei können sich alle Teilnehmer bis zur Fastnacht Lose kaufen und damit zum Beispiel Eintrittskarten und Verzehr-Gutscheine für die Faschingssitzungen 2022 gewinnen. Die Verlosung erfolgt dann digital etwa am Rosenmontag. Zudem haben einzelne Vereine die Sitzungen der gesamten Session in dafür angelegte YouTube-Kanäle verlegt. Dort laden sie regelmäßig kleine, unterhaltsame Videos einzelner Mitglieder in Kostümen hoch, wie beispielsweise kleine Tanzeinlagen oder Sketche.

Zudem haben Karnevalsfreunde bereits seit Mitte Januar dazu aufgerufen, unter dem Motto „Fastnet im Herzen“ das Profilbild auf WhatsApp und Co. in ein Foto in Kostüm oder ein Bild vom letzten Fasching zu ändern. Durch die Profilbilder wollen die Beteiligten zeigen, dass sie die Faschings-Tradition nicht vergessen und am Leben halten.

Es sich zu Hause bunt machen

Aber wie kommt man im Karneval zu Hause in Feierstimmung? Immerhin lässt sich ja auch in der Familie ein wenig närrisch sein – coronakonform im eigenen Haushalt. Zunächst sind natürlich die Kostüme ein Highlight beim Fasching – und das geht auch problemlos zu Hause: Entweder zieht man die Kostüme der letzten Jahre nochmal an oder man überlegt sich mit der Familie ein bestimmtes Motto und bestellt dafür einfach im Internet ein neues Outfit.

Wer etwas mehr Zeit hat, kann sich oder den Kindern auch ein neues Kostüm basteln oder nähen. Auch kreative Kopfbedeckungen wie Hüte oder Stirnbänder kann man selbstmachen. Zu der Bekleidung gehört typischerweise auch bunte Schminke: Gerade die Kinder lieben es, sich das Gesicht zu bemalen oder von den Eltern oder älteren Geschwistern geschminkt zu werden. Reichlich Inspirationen für mögliche Karnevalsoutfits und die passende Schminke gibt es unter anderem im Internet.

Grand Prix der Kostüme

Wer sich bei der Kostümwahl ein bisschen mehr Mühe gibt, kann zum Beispiel auch beim "digitalen Grand-Prix der Kostüme" des Faschingskomitees München mitmachen. Ob Kinder, Haustiere oder Erwachsene - jeder, der möchte, kann dazu bis zum 7. Februar ein Foto oder Video mit dem Kostüm einschicken. Das wird dann in sieben Kategorien zum Voting gestellt und auf Instagram und Facebook bewertet. Nach der Abstimmung werden die Münchner Faschingsvereine am 12. Februar die Stimmen auszählen und allen Siegern einer Kategorie Freikarten für einen Faschingsball 2022 schenken.

Aber nicht nur sich selbst, sondern auch die Wohnung kann festlich geschmückt werden. Entweder kann man dafür die aus dem letzten Jahr übrig gebliebenen Luftschlangen, Luftballons und Girlanden benutzen oder neue Deko bestellen und liefern lassen oder abholen. Girlanden und Konfetti kann man zudem auch einfach aus buntem Papier ausschneiden.

Fastnachts-Verpflegung selbstgemacht

Zur Vorbereitung zu Hause gehört außerdem auch die Verpflegung. Neben Süßigkeiten und Knabbereien sind Krapfen an Karneval besonders beliebt. Die könnte man dieses Jahr versuchen, auch mal selbst zu backen. Auch ein Buffet mit Nudel- und Kartoffelsalaten, belegten Brötchen oder Fingerfood eignet sich für zu Hause. Wer ungern in der Küche steht, kann sich die Speisen auch bestellen. Bäcker und Supermärkte bieten dafür aktuell manchmal auch Bestelllisten an, sodass man seine Bestellung telefonisch aufgibt und nur noch zu einer bestimmten Uhrzeit abholen muss.

Zudem dürfen die passenden Getränke nicht fehlen: Für die Kinder bietet es sich an, einen Fruchtpunsch aus Säften zu mixen. Und für Erwachsene kann man sich, neben Softdrinks und den üblichen alkoholischen Getränken, auch bunte Cocktails oder Bowlen in verschiedenen Geschmacksrichtungen mischen. Rezepte dafür gibt es reichlich im Internet.

Im kleinsten Kreis zu Hause

Ist alles vorbereitet, braucht es zudem noch Musik, um in eine festliche Stimmung zu kommen. Mit einer CD oder einer Playlist auf Spotify und Co. mit der bekannten Fastnachtsmusik kann man den Karneval nach Hause bringen. Auch auf YouTube gibt es eine große Auswahl an Schlagern. Damit lässt sich dieses Jahr sogar ganz nach den eigenen Vorlieben entscheiden, welche Lieder man spielt.

Um sich die Zeit zu Hause noch festlicher zu machen, kann man zusätzlich Dia-Shows aus Fotos und Videoaufnahmen von den Umzügen und Sitzungen der letzten Jahre auf dem Fernseher abspielen und mit der Familie anschauen. Manche Festkomitees planen auch Zusammenschnitte der letzten Jahre zu veröffentlichen. Die Karnevalsvereine in Köln führen dieses Jahr zudem den gesamten Umzug als Puppenspiel auf und übertragen ihn per Video.

Wenn die Wohnung groß genug ist, lässt sich für die Kinder auch ein eigener Faschings-Umzug organisieren, bei dem die Älteren mit Süßigkeiten und kleinen Kuscheltieren werfen, die die Jüngsten fangen können. Auch gemeinsame Spiele wie Topfschlagen, Schaumkuss-Wettessen oder die „Reise nach Jerusalem“ sind zu Hause möglich und man kann zum Beispiel eine mit Süßigkeiten gefüllte Piñata aufhängen und zerschlagen. Auch ein kleines Fotoshooting mit den Kostümen und lustigen Accessoires kann gerade den Kindern viel Spaß machen.

Digitales Narrentreffen

Wer die traditionellen Karneval-Bands unterstützen möchte, kann sich auch zum Beispiel beim Kölner Karnevalskomitee eine Karte des sogenannten „Jeckstream“ kaufen. Dafür wählt man aus über 25 Musikern und Bands wie die „Höhner“ oder „Brings“ ein persönliches Programm aus und wer möchte, kann auch die Online-Fassung des Sitzungskarnevals dazu bestellen. Mit einem persönlichen Zugangscode kann man schließlich den Karneval per Stream zu Hause verfolgen. Auch Komitees wie das in Mainz wollen an den Festtagen Sitzungen und Shows im kleinen Kreis streamen. Unter dem Motto "digital & dahoam" hält zudem auch beispielsweise das Faschingskomitee München eine virtuelle Feier.

Wer nicht nur mit der Familie feiern möchte, kann sich seine liebsten Narren  -Freunde, Verwandte, Kollegen - auch digital per Video dazu holen. Dafür können sich alle im Videochat treffen, gemeinsam anstoßen und miteinander reden. Außerdem kann man auch digital zum Beispiel eine Wahl zum besten Kostüm veranstalten und per Online-Umfrage abstimmen.

Wer möchte, kann auch eine Rede, ein Gedicht oder einen Tanz vortragen oder sich als Clown verkleiden und lustige Sketches spielen. Auch Karaoke-Singen ist über den Videocall mit Freunden möglich, indem man nacheinander die Karnevalslieder anstimmt. Ebenso können Quizze, Bingo, Spiele wie Pantomime oder ein Wettessen über Zoom, Skype und Co. stattfinden. Damit kann man sich also auch dieses Jahr an den Festtagen amüsieren und sich umso mehr auf die nächsten Umzüge und großen „live“-Partys freuen.

ABO, 15.02.2021
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