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LEXIKON

Ordovizium: Unterordovizium

Vor 500480 Mio. Jahren: Das Unterordovizium

Um 500 Mio.

Dinoflagellaten, mikroskopische Algen mit einer Chitinhülle, lassen sich erstmals fossil in Sedimenten nachweisen (nach manchen Quellen erst ab dem Silur). Sie leben im Plankton der Meere und bewegen sich mit meist zwei Geißeln fort. Neben der beweglichen Form bilden sie als Dauerformen unbewegliche Zysten. In der Regel sind nur diese Zysten fossil überliefert.
Die so genannte sardische Faltengebirgsbildung spielt sich ab. Sie ist auch als »böhmische Phase« der kaledonischen Orogenese bekannt.

500480 Mio.

Im Tierstamm der Schwämme (Porifera) entwickelt sich neu die Klasse Sclerospongiae mit kalkigem Basisskelett und z.T. verkieselten Teilen. Zu dieser Klasse zählen auch die früher als Korallen betrachteten Chaetetida. Neu unter den Schwämmen ist in der Klasse Hyalospongea ebenfalls die Ordnung Dictyida, deren Skelette aus regelmäßig angeordneten sechsstrahligen Elementen (Triaxonen) aufgebaut ist, die zu einem festen Gitterwerk verschmolzen sind.
Der Unterstamm Asterozoa oder Stelleroidea der Stachelhäuter (Echinodermata) bildet sich heraus. Zu ihm gehören alle sternförmigen Stachelhäuter (Seesterne, Schlangensterne) und die Somasteroidea (einfache Seesterne mit wenig ausgeprägten Armen). Die frei beweglichen Tiere besitzen eine flache Zentralscheibe mit fünf von dieser ausgehenden mehr oder weniger langen Armen.
Die Seelilien und Haarsterne (Klasse Crinoidea des Unterstammes Crinozoa der Stachelhäuter) entwickeln sich. Dabei handelt es sich um vorwiegend sesshaft lebende Stachelhäuter mit meist fünfstrahliger Symmetrie. Von ihrem becherförmigen Körper gehen kurze schwere bis lange dünne Arme zum Heranstrudeln von Nahrung aus. Sie sind meist mit einem gegliederten Stiel am Merresboden fest gewachsen. Einige Arten leben aber auch freischwimmend.
Unter den Stachelhäutern bildet sich die Klasse der Seeigel (Echinoidea) heraus. Sie sind kugel- bis scheibenförmig und besitzen keine Arme (wie etwa die mit ihnen verwandten Seesterne). Ihr Gehäuse besteht aus meist fest miteinander verbundenen, regelmäßig angeordneten Calcittafeln. Die Seeigel stammen wahrscheinlich von den Edrioasteroidea (590 Mio.) ab.
Im Stamm Chlorophyta (Grünalgen), der sich im Kambrium (590500 Mio.) wahrscheinlich schon in präkambrischen Zeiten entwickelte, tritt neu die Familie Codiaceae auf. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie Kalk abscheidet. Besonders im Unterkarbon (360325 Mio.) erreicht sie Massenvorkommen und wird dann zu einem wichtigen Kalkbildner.
Die niedere Ordnung Wirtelalgen (Dasycladaceae) im Stamm der Chlorophyta (Grünalgen) bildet sich heraus. Die Individuen zeichnen sich durch quirlige Abzweigungen der Körperzelle aus. Sie sind in der Lage, Kalk abzuscheiden und werden in der alpinen Trias (250210 Mio.) zu bedeutenden Kalkbildnern.
Erste Mitglieder der Rhodophyta- (Rotalgen-) Familie Solenoporaceae treten in Erscheinung. Besonders im Oberjura (160140 Mio.) sind sie wichtige Riffbildner Ihr Chlorophyll ist durch einen roten Farbstoff (Phykoerythrin) überdeckt. Sie können noch in 250 m Wassertiefe leben, wo sie das schwache, in diese Tiefe vordringende blaue Licht zur Photosynthese nutzen.
Erstmals lässt sich mit Sicherheit die Stachelhäuter-Klasse der Seewalzen oder Seegurken (Holothuroidea) nachweisen, die sich aber möglicherweise bereits im Unterkambrium (590545 Mio.) entwickelte. Ihr griechischer Name weist darauf hin, dass man sie früher als Wesen zwischen Pflanze und Tier betrachtete. Es sind meist gurkenförmige, an beiden Enden spitz zulaufende Tiere mit einem Kranz von Tentakeln um den Mund.
Fossil nachweisbare Moostierchen (Bryozoa) sind erstmals mit den Unterklassen Stenolaemata und Gymnolaemata, die beide in den Meeren leben, vertreten. Entwickelt haben sie sich möglicherweise bereits im Kambrium (590500 Mio.). Es sind kleine koloniebildende Tierchen mit kalkigem manchmal auch nur chitinigem Außenskelett.
Die Weichtierklasse der Grab- oder Kahnfüßer (Scaphopoda) entwickelt sich. Diese auch als »Rohrschnecken« bezeichneten Meerestiere besitzen ein an beiden Enden offenes röhrenförmiges Gehäuse aus kalkigem Material. Ihnen fehlen sowohl Kiemen wie Augen. Sie leben halb im Sand vergraben, wobei das engere Röhrenende ins freie Wasser ragt.
Die Hohltiere (Coelenterata, 900 Mio.) entwickeln sich weiter. Zahlreiche neue Arten treten in Erscheinung. Typisch für diese mehrzelligen Vertreter der Gruppe Eumetazoa ist der einfache, zentrale Hohlraum, der durch eine Öffnung, die gleichzeitig Mund und After ist, mit der Außenwelt in Verbindung steht. Zu ihren wichtigsten Vertretern gehören die Steinkorallen.

500440 Mio.

Drei neue Armfüßer- (Brachiopoden-) Ordnungen treten auf: Strophomenida, Spiriferida und Rhynchonellida. Während Spiriferida nur bis in den Jura (210140 Mio.) nachzuweisen ist, gehört letztere bis heute zu den Bewohnern des Meeres.

500360 Mio.

Weit verbreitet in den Meeren sind Beutelstrahler (Cystoidea). Sie bilden eine Klasse der Stachelhäuter und sind damit entfernte Verwandte der Seegurken, Seeigel und Seesterne. Sie sind von rundlicher Gestalt.
Aus der Klasse der Dreilapper oder Trilobiten erscheinen u.a. die neuen Ordnungen Phacopida und Lichida. Insbesondere letztere ist mit oft außerordentlich großen Exemplaren vertreten. So erreicht z.B. die Gattung Uralichas eine Länge von 75 cm.

500325 Mio.

Vertreter der Kopffüßer-Unterklasse Actinocerida bevölkern die Weltmeere. Das Gehäuse dieser Tiere, die bereits im Karbon (360290 Mio.) wieder aussterben, ist langkegelig und gerade gestreckt.

500300 Mio.

In den Meeren leben Receptaculita, systematisch schwer zuzuordnende Organismen, die kugel- bis eiförmige Kolonien bilden und vielleicht mit den Schwämmen verwandt sind. In jüngerer Zeit werden sie von den Paläobiologen aber meistens als Kalkalgen interpretiert.

500250 Mio.

Bei den Seelilien und Haarsternen bildet sich die Unterklasse Camerata heraus. Diese Tiere zeichnen sich dadurch aus, dass alle ihre Kelchplatten fest miteinander verbunden sind. Im Rotliegenden (290270 Mio.) sterben sie wieder aus.
In den Meeren leben Seeskorpione (Eurypterida). Diese Tiere bilden eine Unterklasse der »Fühlerlosen«. Mit einer Körperlänge bis weit über 2 m stellen einige Arten die größten bekannten Gliederfüßer aller Zeiten dar (»Gigantostracen«). Im Perm (290250 Mio.) sterben sie wieder aus.

500243 Mio.

Vier neue Kopffüßerordnungen der Unterklasse Nautiloidea erscheinen: Orthocerida, Ascocerida, Oncocerida und Tarphycerida. Daneben entwickeln sich zwei neue Unterklassen mit länglich kegelförmigen Gehäusen: Endocerida und Actinocerida. Sie leben meist frei beweglich auf dem Meeresboden.
Eine neue Foraminiferen-Unterordnung, die Fusulinina, bildet sich heraus, die sich durch eine ungewöhnlich große Formenvielfalt auszeichnet. Die Fusulinen werden bis zu mehreren Zentimetern lang und besitzen vielkammerige, kompliziert aufgebaute, kalkige Gehäuse. Sie leben in uferfernen Meeresregionen in seichtem, klarem Wasser und wirken gesteinsbildend.
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