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Online-Stalker

Online-Stalking trifft nicht nur Stars, sondern immer mehr Durchschnittsbürger. Was sind die Gründe für Cyber-Stalking und wie können Sie sich und Ihre Familie schützen?
von wissen.de-Autorin Monika Wittmann

Nicht nur leidenschaftliche Fans oder „Hater“ von Stars hacken Facebook-Accounts, Mailkonten oder Handys auf der Jagd nach privaten Nachrichten, Telefonnummern oder gar intimen Aufnahmen. Auch immer mehr Durchschnittsbürger werden von Cyber-Stalkern bespitzelt oder bedroht. 2011 wurden laut Bundeskriminalamt rund 25.000 Fälle von Nachstellung angezeigt. 35 bis 40 % aller Stalker nutzen laut einer Untersuchung der Technischen Universität Darmstadt Handy oder Internet für ihre Übergriffe.

Festgenommen wurde etwa im August 2012 ein Mann in München, nachdem er monatelang eine 17jährige mit Online-Nachrichten und SMS drangsaliert hatte. Der Gipfel des Terrors: eine gefälschte Todesanzeige. Der Grund ist rätselhaft. Zwischen Opfer und Täter bestand keine Liebesbeziehung, sie waren lediglich Arbeitskollegen.

 

Virtuelle Fährte

Eine Cyberstalking-Affäre kann sogar ihren Ausgang nehmen, ohne dass ein Kontakt „IRL“, im richtigen Leben, vorausgegangen ist. „Der englische Begriff Stalking kommt aus der 'Jägersprache' und meint das Sich-Anpirschen an ein Wild“, erläutert die Arbeitsgruppe „Stalking“ der Technischen Universität Darmstadt. Der Online-Raum bietet hierzu die idealen Bedingungen. Die Datenspur, die jeder mehr oder weniger unfreiwillig hinter sich zieht, ist die Fährte, die den Schnüffler heiß macht.

So sitzt im Glashaus WWW jeder auf der virtuellen Bühne möglicher Angriffe. Schon ein abgebrochener Online-Flirt, ja selbst ein kurzer Eintrag im Gästebuch einer Webseite mag als Auslöser genügen. Geschützt durch die Anonymität im Netz lässt der Täter Hass- oder Rachegefühlen freien Lauf.

 

Gründe: Von Rache bis sozialer Inkompetenz

5 verschiedene Typen von Online-Stalkern unterscheidet das Projekt „Fakeaccounts, Cybermobbing und Stalking“ der Universität Dortmund. Neben dem zurückgewiesenen Liebespartner identifizierten die Forscher etwa Rache suchende, sozial inkompetete oder beutelüsterne Vertreter, die in der Online-Welt ihre Fantasien von Bindung und Macht ausleben wollen.

Außer dem Versand von Wortbomben kommt es häufig zur gezielten Manipulation der digitalen Identität eines Opfers. Da werden etwa Blogbeiträge oder ganze Webseiten unter fremdem Namen erstellt, gefälschte Bilder (meist sexueller Natur) an Vorgesetzte oder Geschäftspartner gemailt, der Hausstand des Betroffenen auf ebay verhökert oder der komplette Inhalt eines Online-Shops an dessen Privatadresse geordert – Rechnung folgt.

 

Wie kann ich mich schützen?

Und wie kann sich der einzelne vor Online-Nachstellungen schützen? Marian Merritt, Beraterin für Internetsicherheit bei der Softwarefirma Norton, empfiehlt neben sicheren Passwörtern, Sicherheitssoftware und dem Beachten der Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken auch gelegentliche Online-Recherchen. Geben Sie Ihren Namen und die Namen von Familienmitgliedern in eine Suchmaschine ein. So bleiben Sie im Bild, welche Infos das Netz über Sie bereitstellt.

Als Opfer sollten Sie Ihrem Verfolger einmal vor Zeugen unmissverständlich klarmachen, dass sie keinen Kontakt wünschen und sich dann auf keine weitere Kommunikation einlassen, rät der Anwalt und Fachautor Dr. Volkmar von Pechstaedt. Auch nicht auf das berühmte letzte Gespräch.

Verweigern Sie die Annahme, wenn Sie nicht bestellte Waren per Paket erhalten. Sichern Sie Spuren – drucken Sie Drohmails aus, machen Sie Screenshots von Foreneinträgen oder Webseiten, versuchen Sie die IP-Adresse über den Provider herauszufinden, empfiehlt ein Info-Blatt der bayerischen Polizei. Und scheuen Sie sich nicht, frühzeitig Anzeige zu erstatten und einen spezialisierten Anwalt aufzusuchen. Denn Cyber-Stalking ist eine Straftat und kein Kavaliersdelikt.

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