Lexikon
Brecht, Bertolt: Der kaukasische Kreidekreis
- Erscheinungsjahr: 1948
- Veröffentlicht: Deutschland
- Verfasser:
- Deutscher Titel: Der kaukasische Kreidekreis
- Genre: Stück in einem Vorspiel und fünf Akten
Das wegen seines politischen Gehalts von Anfang an heftig umstrittene Stück »Der kaukasische Kreidekreis«, das am 4. Mai im Carlston College in Northfield im US-Bundesstaat Minnesota in englischer Sprache uraufgeführt wird, ist ein Schulbeispiel für die Verfremdungstechnik und das epische Theater Bertolt Brechts (* 1898, † 1956), des bedeutendsten deutschen sozialistischen Dramatikers und Lyrikers des 20. Jahrhunderts. Das 1944/45 entstandene letzte Exildrama Brechts ist eine Parabel nach einer altchinesischen Geschichte, die demonstrieren will, dass die Welt denen gehören soll, die sie bewohnbar machen. In dem altchinesischen Singspiel vom Kreidekreis entscheidet ein Richter den Streit zweier Frauen um ein Kind dadurch, dass er dieses in einen Kreidekreis zwischen die Frauen stellt und es derjenigen zusprechen will, die es auf ihre Seite ziehen kann. Er erkennt die Mutter jedoch in der Frau, die diesen Kampf verliert, weil sie dem Kind nicht wehtun will. Brecht kehrt das Verhältnis um: Nicht die leibliche Mutter erhält das Kind, sondern das Mädchen Grusche, das die Verantwortung und Sorge übernommen hat; die Mutterschaft wird sozial bestimmt, nicht biologisch. – Parallel zur Grusche-Handlung entwickelt Brecht in der Azdak-Handlung den Werdegang eines revolutionären Volksrichters. Die Geschichte vom kaukasischen Kreidekreis ist eingebettet in eine Rahmenhandlung: Zwei Kolchosen streiten um den Besitz eines Tals, das derjenigen zugesprochen wird, die es bewässert hat. Der auch die Szenenfolgen kommentierende »Sänger« beschließt das Stück: »Die Kinder den Mütterlichen, damit sie gedeihen / Die Wagen den guten Fahrern, damit gut gefahren wird / Und das Tal den Bewässerern, damit es Frucht bringt.« Die erste Aufführung dieses Werkes in Deutschland erfolgt am 9. November 1954 im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin (Ost) unter der Regie des Autors.
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