Lexikon

Marionttentheater

1584 von G. Bouchet geprägte Bezeichnung für das Puppenspiel; außer im Französischen jedoch nur Bezeichnung für das Spiel mit der vom Spieler, der über der Bühne steht, bewegten Gliederpuppe (Marionette). Das Marionettentheater war im griechischen und römischen Altertum und im islamischen Mittelalter bekannt und wurde auch in Japan, China und auf Java früh geübt; in Deutschland ist es seit dem 12. Jahrhundert bekannt und war besonders im 17.19. Jahrhundert sehr beliebt; es wurde von Wanderbühnen in die Städte und auf die Dörfer gebracht (Ritter-, Rühr- und Geisterstücke). Ein erstes ständiges Marionettentheater gab es 1802 in Köln. Das Marionettentheater wurde literarisiert durch F. Graf Pocci und J. Schmid („Papa Schmid“), die 1858 in München ein Marionettentheater gründeten. Im 20. Jahrhundert entstanden weitere Marionettentheater mit z. T. hohem künstlerischem Niveau, z. B. die „Augsburger Puppenkiste“ (W. Oehmichen) oder das Marionettentheater in Braunschweig (H. Siegel). In Österreich spielt das Salzburger Marionettentheater unter H. Aicher besonders Mozart-Opern. Ein eigenes Marionetten-Staatstheater hat die Tschechische Republik in Pilsen (gegründet von J. Skupa). Hohes künstlerisches Niveau hat das Marionettentheater auch in Polen. Eine Touristenattraktion sind die Marionettentheater auf Sizilien, die die alten Ritterstücke pflegen.
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