Lexikon
Musique concrète
[myˈsik kɔ̃ˈkrɛ:t; französisch, „konkrete Musik“]
von Pierre Schaeffer 1949 eingeführter Begriff für eine Geräuschmusik, die mit Klängen aller Art arbeitet: Musikinstrumente und Stimme sowie Geräusche, z. B. aus Natur, Technik und der Alltagswelt; diese werden elektronisch aufgezeichnet, bearbeitet, verfremdet und zu Klangmontagen oder Geräuschkulissen neu zusammengesetzt; der Begriff „konkret“ bezeichnet dabei sowohl das/die konkrete/n Klangmaterial/ien als auch die künstlerische Arbeitsweise, die aus konkreten Klängen durch technische Bearbeitung abstrakte musikalische Gebilde erzeugt. Schaeffer hielt sein musikalisches Konzept in Schriften wie „Traité des Objets Musicaux“ (1966) oder „Musique concrète“ (1967) fest und distanzierte sich von der elektronischen Musik, das sie nicht mit real existierenden, sondern mit synthetisch erzeugten Klängen arbeitet. Seit Ende der 1950er Jahre werden Musique concrète und elektronische Musik unter dem Oberbegriff elektroakustische Musik zusammengefasst.
Die Entstehung der Musique concrète wurde vom Surrealismus und insbesondere vom Futurismus inspiriert; als Pioniere gelten Edgar Varèse, John Cage und Olivier Messiaen. Die eigentliche Geschichte der Musique concrète beginnt 1948 mit Schaeffers „Etudes de bruits“ (Geräusch-Etüden). Die Zusammenarbeit mit Pierre Henry im Studio „Club d’Essai“ (ab 1951 „Groupe de Recherches de Musique concrète“) brachte seither Werke wie die surrealistische „Symphonie pour un homme seul“ (1949/50) und die konkrete Oper „Orphée 53“ (1953) hervor. Deren Uraufführung sorgte bei den Donaueschinger Musiktagen für einen Eklat und begründete den vor allem von Pierre Boulez angestoßenen ideologischen Streit zwischen elektronischer Musik und Musique concrète. Erst durch Karlheinz Stockhausens Zusammenarbeit mit Schaeffer gab es eine Annäherung beider Positionen. Er verband in seinem „Gesang der Jünglinge“ (1955/56) ebenso wie Luciano Berio in „Visage“ (1960) beide Musikrichtungen miteinander. Ab Ende der 1950er Jahre bezog Schaeffer vermehrt kompositorische Prinzipien in seine Arbeit ein und benannte sein Forschungsinstitut in „Groupe de Recherches Musicales“ (GRM) um.
Die Musique concrète hat seither die zeitgenössische Musik vielfach befruchtet und neue Kunstformen wie das Lautsprecherkonzert und die Raum-Musik hervorgebracht. Zu den von ihr inspirierten Komponisten gehören: Luigi Nono („La Fabbrica Illuminata“ 1964), Helmut Lachenmann („Guero“ 1970 u. (und) 1988), Mauricio Kagel („Antithese“ 1962), Michel Chion (* 1947; „Requiem“ 1973), Luc Ferrari („Strathoven“ 1985), Beatriz Ferreyra (* 1937; „Siesta Blanca“ 1972), Yannis Xenakis („Pour la Paix“ 1981), François Bayle (* 1932; „Morceaux de ciels“, Himmels-Stücke; 1997) und Trevor Wishart (* 1946; „Imago“ 2002). Daneben findet auch ein künstlerischer Austausch zwischen Musique concrète und der Rock- und Popmusik statt. So ließ sich Bayle von Jimi Hendrix inspirieren, während Kraftwerk oder Pink Floyd mit Elementen der Musique concrète arbeiteten.
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