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Das Filtersystem – die Entgiftungszentrale

Der Urin oder Harn ist eine Ausscheidungsflüssigkeit, die überflüssiges Wasser und vom Körper nicht benötigte, aber bei den Stoffwechselaktivitäten innerhalb der Zellen immerfort anfallende Abfallprodukte enthält. Durch eine regelmäßige Entfernung dieser Stoffe und des Wassers bleiben das Volumen und die chemische Zusammensetzung des Bluts und der Gewebeflüssigkeit konstant. Dies ist von lebenswichtiger Bedeutung, da sowohl eine zu wässrige als auch eine zu stark konzentrierte Umgebungsflüssigkeit oder im Körper verbleibende Giftstoffe zum Absterben der Zellen führen können. Der Vorgang ihrer Entfernung wird als Ausscheidung oder Exkretion bezeichnet. Für die Bildung, Speicherung und Ausscheidung von Urin ist das Harnsystem zuständig.

Die Schlüsselorgane des Harnsystems sind die Nieren. Die paarig angelegten Organe filtern die vom Körper unerwünschten oder unbrauchbaren Abbauprodukte sowie Wasser aus dem Blut und bilden daraus den Urin. Ort dieser Filterprozesse sind die Nephrone, winzigste Nierenkörperchen mit den dazugehörigen Harnkanälchen. In ihrer Gesamtheit bilden sie den Harn produzierenden Bereich dieses Körpersystems. Daran schließen sich die Harn ableitenden Organe an: Zwei enge Schläuche, die Harnleiter, transportieren den Urin aus den beiden Nieren in die äußerst dehnfähige Harnblase, wo er so lange aufbewahrt wird, bis der bewusst wahrgenommene Harndrang unüberwindlich wird. Schließlich leitet die Harnröhre den Urin aus der Blase zur Austrittspforte aus dem Körper.

Nieren: Millionen Knäuel im Dienste der Entgiftung

Was wird in den Nieren entgiftet?

Die Nieren befreien unser Blut von Fremdsubstanzen wie Arzneimittel oder Umweltgifte. Täglich strömen etwa 1800 Liter Blut in konstantem Fluss durch die paarig angelegten Organe. Der Blutstrom wird durch mehr als eine Million verschlungene, röhrenförmige Filtereinheiten geleitet, die dicht an dicht im Innern der Niere angeordnet sind. Eine erste Filtration ergibt ein Rohfiltrat, aus dem in einem zweiten Arbeitsgang wichtige und vom Körper dringend benötigte Substanzen wieder in das Blut aufgenommen werden. Die verbleibende Flüssigkeit wird danach als Urin ausgeschieden.

Der Bau der Nieren ist optimal auf ihre Funktion abgestimmt. Die beiden Nieren bearbeiten das sie durchfließende Blut auf eine Weise, die mit einem Minimalaufwand an Energie ständig anfallende »Stoffwechselschlacken« und überflüssiges Wasser aus dem Blut entfernt.

Welche weiteren Aufgaben übernehmen die Nieren?

Neben der Ausscheidung von Fremdsubstanzen und ihrer Aufgabe bei der Aufrechterhaltung des Wasser- und Salzhaushalts sind die Nieren an der Regulierung des Blutdrucks und der Aktivierung von Vitamin D beteiligt. Sie erhalten das Säure-Basen-Gleichgewicht aufrecht und unterstützen die Bildung von Blutzellen.

Wo befinden sich die Nieren?

Sie liegen links und rechts der Wirbelsäule im oberen Bereich der Bauchhöhle unterhalb des Zwerchfells an der hinteren Bauchwand und damit höher, als den meisten Menschen bewusst ist. Die rechte Niere, von der Leber »verdrängt«, liegt normalerweise etwas tiefer als die linke Niere.

Übrigens: Am besten ertasten Sie die Lage Ihrer Nieren, indem Sie die Hände auf die Hüften und die Daumen auf den Rücken legen. Die Nieren sitzen neben den Daumenspitzen.

Wie groß sind unsere Entgiftungsorgane?

Eine Niere (Ren oder Nephros) ist etwa zwölf Zentimeter lang, sechs Zentimeter breit und drei Zentimeter dick. Die paarig angelegten Nieren bestehen aus rötlich braunem Organgewebe und erinnern in ihrer äußeren Form an Bohnen. Auf der inneren Seite jeder Niere liegt der Nierenhilus, eine vertikale Einbuchtung, die Ein- und Austrittsort für Blutgefäße, Nerven und Harnleiter ist. Die Nieren werden von der dünnen Nierenkapsel umhüllt, die das Organ schützt und ihm das typische, glänzende Aussehen verleiht. Eine Schicht aus Fettgewebe dient nicht nur als Verankerung an der hinteren Bauchwand, sondern auch als Isolation und zum Schutz vor groben Erschütterungen oder Stoßverletzungen. Auf den Nieren liegen die Nebennieren, die Teil des endokrinen Systems sind.

Wie sind die Nieren aufgebaut?

Ein vertikaler Schnitt durch die Niere zeigt eine klare Aufteilung in drei verschiedene Zonen: Das Organ besteht aus der Nierenrinde, dem Nierenmark und dem Nierenbecken. Zwischen der Nierenrinde und dem Nierenmark jeder Niere sitzen etwa 1,25 Millionen winzigste, röhrenförmige Strukturen. Diese mikroskopischen Filtereinheiten, die Nephrone, sind für die Produktion von Urin zuständig.

Die Nierenrinde: Die Nierenrinde (Cortex renalis) ist ein Gewebe von weicher Struktur, das sich von der außen liegenden Nierenkapsel bis zum Nierenmark erstreckt.

Das Nierenmark: Mehrere kegelförmige Gewebemassen – die Markpyramiden oder Nierenläppchen – bilden das Nierenmark (Medulla renalis). Die Spitzen der Markpyramiden heißen Nierenpapillen und zeigen ins Zentrum der Niere. Die Markpyramiden erscheinen gestreift, da sie aus einer riesigen Anzahl parallel verlaufender Nierenkanälchen bestehen, die den neu gebildeten Urin in Richtung Nierenbecken leiten.

Das Nierenbecken: Das Nierenbecken (Pelvis renalis) ist eine abgeflachte, trichterförmige Röhre im Innern des Organs. Abzweigungen des Nierenbeckens, die Nierenkelche, umschließen die Öffnungen der Markpyramiden und leiten den Urin in das Nierenbecken und weiter zum Harnleiter, durch den er dann in die Harnblase fließt.

Von den drei Nierenzonen stellen die äußere Nierenrinde und das Nierenmark im Innern den Ort dar, an dem der Urin gebildet wird. Die dritte Zone, das Nierenbecken, befindet sich ganz im Zentrum der Niere. Der Urin fließt aus dem Nierenmark ins Nierenbecken und wird von dort Richtung Harnleiter und aus dem Körper geleitet.

Wo findet die Ausfilterung der Giftstoffe statt?

In den Nephronen. Sie leisten die Filterarbeit der Niere. Jedes Nephron ist eine funktionelle Einheit aus zwei Baukomponenten, dem Nierenkörperchen und den Nierenkanälchen. Das Nierenkörperchen ist eine Ansammlung von Kapillaren, die das Blut zum Nephron hin- und wieder wegführen. Das etwa fünf Zentimeter lange Netz aus Nierenkanälchen verarbeitet die aus dem Blut ausgefilterte Flüssigkeit und bildet daraus den Urin.

Woher kommt die Knäuelstruktur in den Nierenkörperchen?

Sie entsteht durch die feinsten Verzweigungen der Blutgefäße. Das Blut, das zur Entgiftung zu den Nieren geführt wird, tritt durch die von der Aorta kommende rechte und linke Nierenarterie in die Niere ein. Die Arterien verzweigen sich in zuführende Arteriolen und bilden ein verwickeltes Kapillarknäuel. Dieses komplizierte Knäuel bildet das Nierenkörperchen (Glomerulum). Die Kapillaren besitzen gefensterte und damit äußerst durchgängige Wände, durch die die Flüssigkeit aus dem Blut in die das Nierenkörperchen umgebende Kapsel austreten kann. Das Kapillarknäuel vereinigt sich anschließend zu einer abführenden Arteriole, die das Blut aus dem Nierenkörperchen führt und in eine Abzweigung der Nierenvene mündet, die das Blut wieder von den Nieren wegtransportiert. In den Nierenkörperchen erfolgt der erste Filterschritt.

Was passiert in den Nierenkanälchen?

Hier spielt sich der zweite Filterschritt der Nieren ab. Die Gesamtheit der Nierenkanälchen (Nierentubuli) heißt in der Fachsprache auch Tubulusapparat. Dieser teilt sich in vier Komponenten auf und besteht aus der Glomerulumkapsel, dem nahen Tubulusanteil, der Henle-Schleife und dem entfernten Tubulusanteil. Der erste Teil des Nierentubulus bildet eine becherförmige Struktur, die als Glomerulumkapsel oder Bowman-Kapsel bezeichnet wird. Sie umgibt das eigentliche Nierenkörperchen. Von der Bowman-Kapsel aus windet sich der Nierentubulus in verschiedenste Richtungen und bildet den nahen Tubulusanteil. Dieser setzt sich in einem engen Rohr fort, das in einer scharfen Biegung, der so genannten Henle-Schleife, wieder nach oben in Richtung Nierenmark verläuft. Wieder windet und verdreht sich der Tubulus in verschiedene Richtungen und bildet den entfernten Tubulusanteil. Dieser mündet zusammen mit den entsprechenden Tubuli anderer Nephrone in ein gemeinsames Sammelrohr, das den in den Nephronen produzierten Urin schließlich in das Nierenbecken weiterleitet.

Braucht das Nierengewebe selbst auch Blut?

Ja. Damit die Nieren stets funktionstüchtig bleiben, muss das Organgewebe kontinuierlich mit Sauerstoff und Nährstoffen aus dem Blut versorgt werden. Dazu dienen Arteriolenkapillaren aus dem arteriellen Zufluss zur Niere. Sie gehen nach Versorgung der Nierenzellen in venöse Gefäße über.

Was leisten die Nieren?

Die folgenden Zahlen verdeutlichen die äußerst wichtige Rolle der Nieren bei der Homöostase des Bluts und auch der Gewebeflüssigkeit.

  • Die Nierenarterien transportieren 25 Prozent des Herzminutenvolumens (das Volumen, das von jeder Herzkammer pro Minute ausgestoßen wird) zu den Nieren. Dieses Volumen beträgt etwa 1,2 Liter Blut pro Minute.
  • Die Nierenkörperchen sind als Filter 1000-mal effizienter als andere Kapillaren. Die Nierenkörperchen produzieren täglich etwa 180 Liter Filtrat.
  • Der größte Teil dieses Filtrats wird über die Nierentubuli in den Körper rückresorbiert. Nur ein Prozent davon, etwa 1,5 Liter, verlassen den Körper als Urin.
  • Der gesamte Blutbestand des Körpers wird von den Nieren etwa 60-mal pro Tag gefiltert.

Was versteht der Mediziner unter …

Nephrolithiasis? Hier handelt es sich um das »Nierensteinleiden«, bei dem man Steine (Konkremente) in der Niere, dem Nierenkelchsystem, dem Nierenbecken oder den Harnleitern findet. Beschwerden treten v. a. dann auf, wenn Steine in den Nierenkelchen oder in die Harnleiter wandern und zu kolikartigen Schmerzen, Übelkeit, Verminderung der Harnausscheidung und Blut im Urin führen.

Zystenniere? Bei dieser Fehlbildung treten in beiden Nieren Zysten auf. Erblich bedingte Zystennieren gehen häufig auch mit Zystenbildung in Leber und Bauchspeicheldrüse einher. Zystennieren führen zu allmählichem Funktionsausfall der Nieren, der auf längere Sicht eine Dialyse-Therapie erforderlich macht.

Nephritis? Dies bezeichnet eine »Entzündung der Niere«, die sich entweder mehrheitlich am Gefäßsystem oder am zwischen den Tubuli gelegenen Bindegewebe manifestiert. Als Ursachen kommen z. B. eine aufsteigende Harnwegsinfektion, eine Autoimmunerkrankung, eine Strahlenschädigung oder Vergiftungen (beispielsweise durch Blei) in Frage.

Pyelonephritis? Die »bakterielle Niereninfektion« betrifft v. a. die Nierenpapillen und das Nierenbecken. Die akute Form geht mit Fieber, Flankenschmerzen und Abgeschlagenheit einher. Die Behandlung besteht in der Gabe von Antibiotika.

Glomerulonephritis? Dies ist eine entzündliche Nierenerkrankung, bei der vor allem die Glomeruli der Nierenrinde betroffen sind. Die Erkrankung zeigt sich an der Eiweiß- und Blutausscheidung im Urin sowie einem Blutdruckanstieg, Wassereinlagerungen ins Gewebe und Schmerzen in der Nierengegend. Ist sie erst einmal chronisch geworden, kann sie zu Nierenschwäche führen.

Harnbildung: Konzentration in Schleifen

Wozu dient die Harnbildung?

Sie trägt dazu bei, dass das Gesamtvolumen und die Zusammensetzung der Körperflüssigkeiten auf einem relativ stabilen Niveau bleiben. Die Homöostase der Körperflüssigkeit hängt zum größten Teil von der Fähigkeit der Nieren ab, die Abgabe überflüssigen Wassers an den Urin zu steuern. Substanzen, die der Körper noch benötigt, werden auf ihrem Weg durch die Nephrone aus dem Filtrat durch aktive Prozesse rückresorbiert. Nicht benötigte Abfallprodukte dagegen verbleiben im Filtrat und werden mit dem Urin aus dem Körper ausgeschieden.

Konzentration und Menge des Urins werden hormonell gesteuert: Das antidiuretische Hormon (ADH) erhöht die Rückaufnahme von Wasser und die Konzentration des Urins. Das in der Nebenniere gebildete Aldosteron verstärkt die Resorption von Natrium (Salz) durch den entfernten Tubulusteil. In der Hauptsache besteht der Urin aus Wasser.

Wie läuft der Filterprozess ab?

Das Blut im Nierenkörperchen steht unter hohem Druck, nicht zuletzt weil der Durchmesser der zuführenden Arteriole größer ist als der der abführenden Arteriole. Dieser Druck presst die Flüssigkeit aus dem Blut durch die durchgängige, gefensterte Kapillarwand der Nierenkörperchen. Diese Wand bildet zusammen mit der Wand der Bowman-Kapsel eine Filtermembran, durch die Wassermoleküle und andere kleine Moleküle, beispielsweise Glucose, Harnstoff und auch die kleineren Plasmaeiweiße, in die Glomerulumkapsel übergehen können. Für Blutzellen oder große Moleküle wie die größeren Plasmaeiweiße, bleibt der Weg jedoch verschlossen.

Woraus besteht das Filtrat?

Die Filtratflüssigkeit mit den in ihm enthaltenen kleinen Molekülen – auch als Primärharn bezeichnet – ist eine reichhaltige Mischung verschiedenster Bestandteile. Einige dieser Substanzen sind wertvolle Nährstoffe, andere wiederum für den menschlichen Körper schädliche Abfallprodukte. Diese beiden Substanzgruppen gilt es voneinander zu trennen. Dazu tritt der Primärharn in die Tubuli oder Nierenkanälchen ein.

Wie bleiben dem Körper lebensnotwendige Substanzen erhalten?

Durch einen zweiten Filterschritt. Würde das unbearbeitete Primärfiltrat nämlich direkt aus dem Körper ausgeschieden werden, so gingen uns wichtige Nährstoffe verloren und der Körper würde innerhalb einer Stunde an Austrocknung zugrunde gehen. Um dies zu vermeiden, werden in einem zweiten Filterschritt durch einen Selektionsprozess die vom Körper benötigten Substanzen ins Blut zurückgegeben (Rückresorption). Die »unerwünschten« und überflüssigen Substanzen wie Harnstoff und Harnsäure werden mit dem Urin ausgeschieden.

Was passiert beim Prozess der Rückresorption?

Auf dem Weg des Filtrats durch den nahen Tubulusteil werden 99 Prozent des Filtrats in den Körper rückresorbiert. Glucose, Aminosäuren, Elektrolyte und der größte Teil der Salze und des Wassers werden durch die Tubuluswand in die sie umgebenden Blutkapillaren abgegeben.

Die Rückresorption kann auf drei verschiedenen Wegen erfolgen. Zum einen geschieht sie über die passive Diffusion, bei der sich gelöste Moleküle von einer Lösung hoher zu einer Lösung niederer Konzentration bewegen. Zum anderen erfolgt die Rückresorption über die Osmose, ein physikalischer Vorgang, bei dem bestimmte Moleküle (Lösungsmittelmoleküle) durch eine halbdurchlässige Wand aus einer Lösung mit geringer Teilchenkonzentration (Filtrat) in eine Lösung mit hoher Teilchenkonzentration (Blut) übergehen. Eine dritte Möglichkeit ist der so genannte aktive Transport, wobei Moleküle durch die Wirkung von Hormonen durch die Tubulusmembran gepresst werden. Dies geschieht bei der Rückresorption von Salzen und Elektrolyten. Die Rückresorption wird im entfernten Tubulusteil beendet.

Parallel zur Rückresorption werden einige Substanzen direkt vom Blut ins Filtrat abgegeben. Dieser Prozess stellt sicher, dass der Körper zusätzliche Abfallprodukte beseitigen kann, beispielsweise Arzneimittel wie Penizillin oder Substanzen wie Kalium und Kreatinin.

Wussten Sie, dass …

das Tubulussystem einer Niere insgesamt eine Länge von etwa 80 km hat?

die Nieren etwa 25 Minuten benötigen, um einmal das ganze Blut zu reinigen?

die Nierenleistung mit dem so genannten Klärwert angegeben wird? Der Klärwert (Clearance) gibt die Geschwindigkeit an, mit der die Nieren bestimmte Stoffe aus dem Blut in den Harn abgeben.

bei einer Nierentransplantation die Spenderniere in der Regel ohne Entfernung der kranken Nieren eingepflanzt wird? Sie erhält ihren Platz im Bereich der Beckenschaufel.

der Urin von Kamelen, die über mehrere Wochen ohne Wasser auskommen, dick wie Sirup und salziger als Meerwasser ist?

Wo wird der stark verdünnte Primärharn konzentriert?

Dies geschieht ebenfalls im Tubulussystem der Nieren. Auf dem Weg des Primärharns durch den Nierentubulus steigt seine Konzentration, da das Wasser durch die Wand der Nierentubuli rückresorbiert wird. Zur Aufrechterhaltung der Homöostase in Blut und Gewebeflüssigkeit kann die Urinkonzentration jedoch variiert werden. Sie unterscheidet sich stark, wenn ein Mensch große Flüssigkeitsmengen aufgenommen hat oder innerlich ausgetrocknet und durstig ist.

Wie wird die Urinkonzentration gesteuert?

Die Urinkonzentration wird durch das antidiuretische Hormon (ADH oder auch Adiuretin) gesteuert, das aus dem hinteren Bereich der Hirnanhangsdrüse ausgeschüttet wird. Wie sein Name schon sagt, hemmt ADH die Diurese, das heißt den Harnfluss. Sensorische Rezeptoren im Hypothalamus des Gehirns überwachen den Wasseranteil im Blut.

Steigt die Blutkonzentration an, z. B. durch Schwitzen oder durch ungenügende Flüssigkeitsaufnahme, schüttet der Hypothalamus über die Hirnanhangsdrüse ADH ins Blut aus. Das ADH wandert mit dem Blut zu den Nieren und stimuliert dort die Wände der Nierentubuli zur vermehrten Rückresorption von Wasser. Als Folge davon reduziert sich der Wassergehalt des Urins, es fließt mehr Wasser zurück in den Blutstrom und der Wassergehalt des Körpers erhöht sich. Steigt der Wassergehalt des Bluts als Folge einer großen Flüssigkeitsaufnahme an, verlässt eine größere Menge stärker verdünnten Urins den Körper und reduziert den Wassergehalt im Organismus.

Welche Substanzen wirken harntreibend?

Täglich nehmen wir Stoffe oder Genussdrogen zu uns, die das Urinvolumen erhöhen, also eine harntreibende (diuretische) Wirkung haben. Alkohol beispielsweise hemmt die ADH-Ausschüttung und verursacht dadurch die Bildung großer Mengen verdünnten Urins. Rauchen wiederum reduziert den Harndrang. Kaffee, Tee und bestimmte Cola-Getränke haben ebenfalls eine harntreibende Wirkung, da das in ihnen enthaltene Koffein die Geschwindigkeit des Filterprozesses im Nierenkörperchen erhöht. Eine Arzneimittelgruppe, die als Diuretika bezeichnet und die in der Therapie von Herzinsuffizienz und Bluthochdruck eingesetzt wird, sorgt dafür, dass der Körper über den Urin vermehrt Natrium und Wasser ausscheidet.

Was enthält der endgültige Urin?

Der größte Teil, nämlich 95 Prozent der täglich von einem Erwachsenen produzierten 1,5 Liter Urin, besteht aus Wasser. Die restlichen 5 Prozent setzen sich aus in Wasser gelösten Substanzen zusammen, deren wichtigster Bestandteil der Harnstoff (Urea) ist. Harnstoff ist ein stickstoffhaltiges Abfallprodukt, das in der Leber aus dem hochgiftigen Ammoniak gebildet wird, das bei der Aufspaltung von überflüssigen Aminosäuren und Eiweißkörpern entsteht. Ein anderes stickstoffhaltiges Abfallprodukt ist die Harnsäure, ein Produkt des Nukleinsäurestoffwechsels. Das ebenfalls im Endharn befindliche Kreatinin wiederum ist ein Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels und der Verwertung von Fleisch in der Nahrung. Weitere im Urin enthaltene Substanzen sind Natrium, Kalium, Phosphat und andere Ionen.

Welche Farben kann der Urin haben?

Die Farbe des Urins ist von seiner Konzentration abhängig und reicht von hell- bis dunkelgelb. Die gelbe Farbe entsteht durch das Urobilinogen, ein Abbauprodukt des Häms der roten Blutkörperchen, und das Urochrom, das im Eiweiß- und Hämoglobinstoffwechsel entsteht. Urin riecht normalerweise frisch, obwohl einige Medikamente und andere Substanzen, beispielsweise Stoffe, die im Spargel enthalten sind, seinen Geruch stark verändern können.

Die chemische Urinanalyse kann ein wichtiges diagnostisches Werkzeug sein und eventuell auf eine bestehende Erkrankung hindeuten. In früheren Zeiten war die »Urinschau« eines der wenigen diagnostischen Mittel, die einem Arzt zur Verfügung standen. Farbe, Trübung, Geruch und sogar Geschmack des Urins gaben dem Arzt Hinweise über die Erkrankung des Patienten.

Warum haben Diabetiker Zucker im Urin?

Der hohe Glucosegehalt im Blut des Zuckerkranken stellt für das Rückresorptionssystem der Nierentubuli eine Überforderung dar. Übersteigt die Glucosekonzentration im Blut und damit auch im Filtrat nämlich einen bestimmten Schwellenwert, können die Tubuli die Glucose nicht zurücknehmen. Der Zucker wird somit über den Urin ausgeschieden.

Was verrät der Urin?

Eine Urinanalyse kann viel über die Gesundheit aussagen. Die Urinmenge wird durch die Flüssigkeitsaufnahme, den Blutdruck, die Ernährung, Temperatur, das seelische Befinden und den Gesundheitszustand beeinflusst. Sind die Stoffwechselprozesse aus dem Gleichgewicht geraten, können im Urin Substanzen erscheinen, die dort normalerweise nicht vorkommen, oder normale Urinbestandteile sind in ungewöhnlicher Menge nachweisbar.

Der Urin ist üblicherweise gelb gefärbt. Bestimmte Nahrungsmittel können die Farbe jedoch stark beeinflussen. Auch der pH-Wert verändert sich durch die aufgenommene Nahrung: Eine rein vegetarische Ernährung macht den Urin alkalisch, eine eiweißreiche Diät erhöht dagegen seinen Säuregehalt.

Ableitende Harnwege: Von Röhren und Leitern

Was sind die harnableitenden Organe?

Während die Nieren als harnbereitende Organe bezeichnet werden, nennt man die Nierenbecken, die Harnleiter, die Harnblase und die Harnröhre die ableitenden Organe. Sie sind innen mit einer schützenden Schleimhaut ausgekleidet, die verhindert, dass der saure Urin die Organe des Harntrakts angreift. Über ein Netzwerk von Blutgefäßen werden sie mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Die Notwendigkeit der urinableitenden Strukturen ist einleuchtend. Unsere Nieren produzieren unaufhörlich Urin. Pro Minute fällt etwa ein Milliliter dieser Ausscheidungsflüssigkeit an. Würde der Urin mit derselben Geschwindigkeit, wie er gebildet wird, auch ausgeschieden, würde der ununterbrochene, tropfenweise Harnabgang ein normales Leben unmöglich machen. Aus diesem Grund besitzt der Körper ein Harnwegsystem, das den Urin systematisch sammelt und danach aus dem Körper leitet.

Wie lang sind die Harnleiter?

Jeder der beiden Harnleiter (Ureter) besteht aus einem dünnen Schlauch von 25 bis 30 Zentimetern Länge und transportiert den Urin von der Niere in die Harnblase. Der Harnleiter beginnt als Fortsetzung des Nierenbeckens und erstreckt sich von dort nach unten, wo er in den unteren Teil der hinteren Blasenwand eintritt. Der größte Teil des Harnleiters hat einen Durchmesser von etwa 0,6 Zentimetern, an seiner Einmündung in die Harnblase erweitert er sich jedoch auf ungefähr 1,7 Zentimeter. Fließt der Urin aus dem Nierenbecken in den Harnleiter, erweitern sich seine Wände. Dies stimuliert die glatte Muskulatur in der Harnleiterwand zu rhythmischen Kontraktionen, mit denen der Urin nach unten in Richtung Blase gepresst wird. Die Kontraktionswellen erfolgen alle 10 bis 20 Sekunden und füllen allmählich die Harnblase.

Welche Funktion hat die Harnblase?

Sie dient der Speicherung und schließlich der Ausscheidung des Urins. Die Harnblase (Vesica urinaria) ist ein muskuläres Hohlorgan, das in der unteren Beckenregion der Bauchhöhle, direkt hinter den schützenden Schambeinen des Beckengürtels liegt. Bei der Frau liegt die Blase vor Gebärmutter und Scheide, beim Mann vor dem Enddarm und direkt oberhalb der Prostata, die die Harnröhre umgibt.

Der obere Bereich und die seitlichen Wände der Harnblase sind vom Bauchfell überzogen, der zarten Membran, die den gesamten Bauchraum auskleidet.

Wie ist unser Urinspeicher aufgebaut?

Die Blasenwand besteht aus einer dreilagigen glatten Muskelschicht, deren Kontraktionen den in der Blase aufbewahrten Urin nach draußen pressen. Ist die Blase leer, legt sich die innere Schicht in deutliche Falten (Rugae), die den Falten im Mageninnern ähnlich sind. Füllt sich die Blase, so dehnt sie sich dabei aus und die Falten verschwinden. Am unteren Ende der Blase befindet sich ein glatter Bereich, das Blasendreieck, das wie ein auf den Kopf gestelltes Dreieck aussieht. In diesem Bereich münden die beiden Harnleiter in die Blase. Die untere Spitze des Dreiecks markiert den Ausgang der Blase, wo sich die Harnröhre anschließt. Die Harnblase wird durch zwei muskuläre Schließmuskeln (Sphinkter) verschlossen, die sich nur zur Blasenentleerung entspannen.

Wie funktionieren Blasenfüllung und -entleerung?

Unentwegt gelangt Urin in die Harnblase. Die Vergrößerung des Hohlorgans bei der Füllung wird dadurch erleichtert, dass die Falten in der Blasenwand langsam verschwinden und das Innere der Blasenwand sich in eine glatte Oberfläche verwandelt. Erst wenn sich etwa 200 Milliliter Urin angesammelt haben, beginnt sich die Blasenwand selbst zu dehnen. Dieser Vorgang stimuliert die sensorischen Dehnrezeptoren, ihre Nervenimpulse an das Rückenmark zu senden. Dies löst eine Reflexantwort aus, wobei Impulse aus dem Rückenmark zu Kontraktionen der Muskelschichten in der Blasenwand führen. Der innere und äußere Schließmuskel der Harnröhre bleiben jedoch noch geschlossen. Kurz darauf laufen Botschaften zum Gehirn, was dort als Drang zur Blasenentleerung wahrgenommen wird. Füllt sich die Blase weiter, werden die Nervenimpulse immer stärker und der Harndrang intensiviert sich. Der Reflex erzeugt so viel Druck, dass er den inneren Schließmuskel der Harnröhre öffnet. Daraufhin gelangt Urin in die Harnröhre, der äußere Schließmuskel öffnet sich und die Blasenentleerung findet statt. Die entleerte Blase fällt zu einer abgeflachten, pyramidenartigen Form zusammen, wogegen die gefüllte Blase eher einer Birne ähnelt.

Der Druck des Urins in der Blase verschließt auch die Öffnung der Harnleiter, so dass der Urin zwar in die Blase hineingepresst werden, nicht aber in Richtung der Nieren zurückfließen kann.

Wie viele Schließmuskeln befinden sich im Bereich der Harnröhre?

Zwei. An der Stelle, an der die Blase in die dünnwandige, muskuläre Harnröhre (Urethra) übergeht, bildet die glatte Muskulatur im Blasenhals einen runden Schließmuskel. Dieser innere Schließmuskel kann nicht willkürlich gesteuert werden und ist normalerweise im Zustand der Kontraktion, damit die Blase sich nicht vorzeitig öffnet und zwischen den Blasenentleerungen kein Harn abgehen kann. Weiter unten, wo die Harnröhre durch den Beckenboden verläuft, befindet sich ein weiterer, der äußere Schließmuskel, der aus Skelettmuskulatur besteht und willkürlich gesteuert werden kann.

Wie unterscheiden sich die männliche und weibliche Harnröhre?

Bei einem erwachsenen Mann ist die Harnröhre etwa 20 Zentimeter lang. Sie verläuft als Harnsamenröhre an der Unterseite des Penis und öffnet sich an der Spitze des Penis nach außen. Mit nur vier Zentimeter Länge ist die weibliche Harnröhre viel kürzer. Sie ist in die Bindegewebsplatte vor der Scheide unverschieblich eingebaut und verläuft vor der Scheide Richtung Beckenboden. Sie mündet zwischen Klitoris und Scheidenöffnung nach außen.

Welche Muskeln helfen bei der Blasenentleerung?

Während der Blasenentleerung, die auch als Miktion bezeichnet wird, entspannt sich der äußere Harnröhrenschließmuskel normalerweise unter bewusster Steuerung, und die Kontraktion der Muskulatur der Blasenwand presst den Urin durch die Harnröhre nach außen. Auch die Beckenbodenmuskeln in der Nähe der Harnröhre entspannen sich und unterstützen den ungehinderten Abfluss des Urins. Sobald die Blase leer ist, kontrahieren der äußere Schließmuskel und die Beckenbodenmuskeln und schließen den Blasenausgang wieder.

Produziert bereits der Embryo Harn?

Nein. Der Fetus schluckt lediglich kleine Mengen von Fruchtwasser, die die sich entwickelnden Nieren durchlaufen und wieder zurück ins Fruchtwasser fließen. Dies geschieht ab der 17. Schwangerschaftswoche. Die vom Fetus ausgeschiedene Flüssigkeit enthält jedoch noch keine Abfallprodukte. Diese werden vom fetalen Blut über die Nabelschnur zur Plazenta transportiert, wo sie in den Blutstrom der Mutter übergehen und zu den mütterlichen Nieren geleitet werden. Nach der Filtration aus dem Blut werden sie in Form von Urin aus dem mütterlichen Körper ausgeschieden.

Mit der Geburt nehmen die Nieren des Kindes ihre eigentliche Arbeit auf und beginnen mit dem Herausfiltern von unerwünschten Substanzen aus dem Blut. Der erste Urin eines Neugeborenen ist sehr konzentriert und kann Urate (Harnsalze) enthalten, die ihm eine typische rosa Farbe verleihen.

Wie lange ist ein Kind auf Windeln angewiesen?

Bei der Geburt hat ein Kind keinerlei Kontrolle über seine Blasenfunktion. Bis zum Alter von etwa 18 Monaten läuft die Blasenentleerung vollständig automatisch ab. Manche Kinder können schon im Alter von zwei Jahren tagsüber ihre Blasenfunktion bewusst kontrollieren, nicht jedoch während des Schlafs. Im Alter von drei Jahren sind 75 Prozent der Kinder, auch nachts, praktisch trocken. Mit fünf Jahren können (fast) alle Kinder ihre Blasenfunktion Tag und Nacht steuern.

Wie vermeiden Sie Harnwegsinfektionen?

Gerade das Harnwegssystem ist empfindlich, da Keime hier leicht Eingang finden. Einige einfache Regeln helfen jedoch, Ihre Harnorgane gesund zu halten:

  • Trinken Sie mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag (aber keinen Alkohol oder koffeinhaltige Getränke).
  • Entleeren Sie Ihre Blase häufig und vollständig.
  • Entleeren Sie Ihre Blase vor und nach dem Geschlechtsverkehr.
  • Frauen sollten ihren Genitalbereich vom Scheidenvorhof ausgehend in Richtung After säubern, damit keine Darmbakterien in die Harnröhre gelangen können.
  • Vermeiden Sie bei der Pflege des Genitalbereichs die Verwendung stark parfümierter Seifen.
  • Halten Sie den Unterleib mit geeigneter Wäsche warm.
  • Tragen Sie locker sitzende Baumwollunterwäsche und vermeiden Sie enge Kunstfaserwäsche, die das Bakterienwachstum begünstigen kann.
  • Stärken Sie Ihre körperlichen Abwehrkräfte durch eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und eine stressarme Lebensführung.

Was versteht der Urologe unter …

Zystitis? Die »Entzündung der Harnblasenschleimhaut« entsteht meist durch Erreger, die durch die Harnröhre in die Blase aufsteigen. Frauen sind wegen ihrer kürzeren Harnröhre häufiger betroffen als Männer.

Harnwegsinfektion? Durch Keimeinschleppung in den Harntrakt auf dem Blut- oder Lymphweg oder direkt über die Harnwege entsteht die »bakterielle Entzündung der Harnwege«. Harnwegsinfektionen treten gehäuft bei Patienten mit Harnstau, Zuckerkrankheit oder Abwehrschwäche auf. Eine Entzündung der unteren Harnwege äußert sich in häufigem und schmerzhaftem Wasserlassen.

Harninkontinenz? Der »unwillkürliche Harnabgang« kann neurologisch (z. B. durch eine Querschnittslähmung) oder auch anatomisch bedingt sein (beispielsweise durch einen unzureichenden Verschlussmechanismus der Blase aufgrund einer Bindegewebsschwäche sowie durch Verletzungen oder Blasenfisteln). Auch Hormonveränderungen wie in den Wechseljahren der Frau oder psychosomatische Störungen können Ursache sein.

Urethritis? Der Begriff steht für die »Harnröhrenentzündung«. Sie äußert sich durch Schmerzen im Bereich der Harnröhre, besonders beim Urinieren, und durch häufigen Harndrang.

Urolithiasis? Beim »Harnsteinleiden« befinden sich Steine (Konkremente) in Nieren und ableitenden Harnwegen. Die Symptome variieren je nach Entstehungsort und Verhalten der Steine – meist kommt es zu kolikartigen Schmerzen und blutigem Urin. Die Steine müssen operativ entfernt werden.

Andere Ausscheidungsprozesse: Alternative Transportwege

Warum brauchen die Nieren Unterstützung?

Die chemischen und physikalischen Veränderungen in unserem Körper, die wir als Stoffwechsel bezeichnen und die dafür sorgen, dass der Körper wächst und funktionsfähig bleibt, produzieren eine große Vielfalt an Abfallprodukten und Giftstoffen. Damit der Körper keinen Schaden erleidet, müssen diese Abfallprodukte ausgeschieden werden. Bei den notwendigen Ausscheidungsprozessen werden die Nieren von der Haut, der Lunge und dem Dickdarm unterstützt.

Was scheidet der Körper über die Haut aus?

Zahlreiche Abfallprodukte wie Schwermetalle, zu viel Alkohol und andere organische Verbindungen verlassen den Körper mit dem Schweiß über die Haut. Der Schweiß spielt allerdings bei den Ausscheidungsprozessen nur eine untergeordnete Rolle. Eine wichtige Funktion hat er jedoch in der Wärmeregulation und bei der Aufrechterhaltung einer konstanten Körpertemperatur. Die Schweißflüssigkeit erfüllt auch eine wichtige Aufgabe innerhalb der Immunabwehr. Sie bietet den Millionen nützlichen Bakterien und Pilzen, die unsere Haut besiedeln, ausreichend Nahrung.

Woraus besteht Schweiß?

Es handelt sich hier um eine stark verdünnte Flüssigkeit, die zu 99 Prozent aus Wasser besteht. Das restliche Prozent setzt sich aus Salzen, hauptsächlich Natriumchlorid (daher der salzige Geschmack der Schweißflüssigkeit), Milchsäure, Fetten und Spuren von Harnstoff, Ammoniak und Harnsäure zusammen.

Die Schweißflüssigkeit wird von den Schweißdrüsen in der Haut gebildet und nach außen abgegeben. Auf der ganzen Haut verteilen sich etwa 2,5 Millionen Schweißdrüsen; lediglich Teile der äußeren Geschlechtsorgane, die Brustwarzen und die Lippen haben keine Schweißdrüsen. Es gibt zwei Arten von Schweißdrüsen: die ekkrinen und die apokrinen Schweißdrüsen. Die ekkrinen Schweißdrüsen sind am zahlreichsten und über den ganzen Körper verteilt. Ihre Ausführungsgänge führen direkt zur Hautoberfläche. Die apokrinen Drüsen findet man auf behaarten Körperbereichen, so beispielsweise unter den Achseln und in der Leistenbeuge. Sie erscheinen erst mit Eintritt der Pubertät. Ihre Ausführungsgänge öffnen sich in die Haarfollikel. Die starken, unangenehmen Gerüche, die bei der Schweißbildung entstehen können, sind eine Folge der Bakterienaktivität in den apokrinen Schweißdrüsen.

Wie viel Schweiß produzieren wir täglich?

In Situationen ohne sichtbares Schwitzen produzieren die Schweißdrüsen täglich etwa 0,5 Liter Schweißflüssigkeit. In Extremsituationen kann sich diese Menge auf bis zu zehn Liter erhöhen. Solch ein immenser Flüssigkeitsverlust würde aber gleichzeitig einen starken Salzverlust und damit eine beträchtliche Störung der Homöostase nach sich ziehen.

Das Schwitzen wird auch als Transpirieren bezeichnet. Die Abgabe der Schweißflüssigkeit auf die Hautoberfläche wird vom vegetativen Nervensystem gesteuert, ist also nicht unserem Willen unterworfen.

Worüber wird das giftige Kohlendioxid ausgeschieden?

Über die Ausatemluft. Bei den verschiedenen Aktivitäten der Körperzellen wird Sauerstoff dazu verwendet, Energie aus Nährstoffen, z. B. Glucose, freizusetzen. Bei diesem Vorgang entstehen auch Abfallprodukte wie Kohlendioxid und Wasser, die in den Blutstrom übergehen. Kohlendioxid ist jedoch giftig für den Organismus und muss aus dem Körper ausgeschieden werden. In der Lunge tritt es vom Blut in die mikroskopisch kleinen Lungenbläschen über und wird anschließend ausgeatmet. Ein Teil des während der Atmung freigesetzten Stoffwechselwassers verlässt den Körper ebenfalls über die Lunge. Ausgeatmete Luft hat einen hohen Gehalt an Wasserdampf, was an einem kalten Tag über die entstehenden Atemwolken leicht erkennbar ist.

Was entsorgen wir über den Stuhl?

Bei der Stuhlentleerung werden hauptsächlich Abfallprodukte aus der Nahrung, die vom Körper nicht verwertet werden können, entfernt. Neben unverdaulichen Nahrungsbestandteilen (Pflanzenfasern), Bakterien und abgestorbenen Zellen enthält der Stuhl aber auch Abfallprodukte, die während der Stoffwechseltätigkeit der Leber entstanden sind. Diese Abbauprodukte des Leberstoffwechsels werden von der Leber in Form der Galle ausgeschieden. Im Dünndarm werden die Gallenpigmente von bestimmten Bakterien be- und verarbeitet. Daraus entstehen Abbauprodukte wie das Urobilinogen, das dem Stuhl seine charakteristische braune Farbe verleiht.

Kann Schwitzen schädlich sein?

Der Körper schwitzt, um sich nach langen körperlichen Anstrengungen oder als Reaktion auf psychische Stressfaktoren wie Angst oder Zeitdruck wieder abzukühlen.

Übermäßiges Schwitzen, auch Hyperhidrose genannt, jedoch kann durch Fieber, klimakterisch bedingte Veränderungen oder eine bestehende Erkrankung wie z. B. Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenüberfunktion verursacht werden. Extrem starkes Schwitzen kann zu Problemen führen und bei einem zu großen Flüssigkeitsverlust eine ernsthafte Austrocknung des Körpers verursachen. Findet man keine Ursache für das übermäßige Schwitzen, sollte ein Arzt zurate gezogen werden. In sehr schweren Fällen können in einem chirurgischen Eingriff die Nervenendigungen, die die Tätigkeit der Schweißdrüsen steuern, entfernt werden.

Wasserhaushalt: Fein justiertes Gleichgewicht

Wie regulieren die Nieren den Wasserhaushalt?

Die Flüssigkeitszufuhr variiert von Mensch zu Mensch. Bei einer hohen Flüssigkeitszufuhr wird der Wasserüberschuss über eine hohe Urinmenge ausgeschieden. Bei geringer Flüssigkeitsaufnahme behalten die Nieren mehr Wasser im Körper zurück. Ist jemand bei großer Hitze körperlich aktiv, wird Wasser allerdings mehr in Form von Schweiß und weniger als Urin abgegeben. Bei starken körperlichen Anstrengungen benötigt der Organismus wesentlich mehr Flüssigkeit.

Welche Bedeutung hat das Wasser für den Menschen?

Wasser ist für den Organismus lebenswichtig. Es stellt innerhalb jeder Körperzelle ein Milieu für die dort stattfindenden Stoffwechselprozesse dar. Wasser und die darin gelösten Substanzen bilden gemeinsam die Gewebeflüssigkeit, die die Körperzellen umgibt, Sauerstoff und Nährstoffe bereitstellt, Abfallstoffe beseitigt und für eine gleichmäßig warme Körpertemperatur sorgt. Wasser stellt außerdem den flüssigen Anteil des Bluts und der Lymphe, der zwei großen Transportsysteme im Körper.

Wie viel Wasser enthält der menschliche Körper?

Der genaue Wasseranteil des Körpers hängt von einer Reihe von Faktoren ab, zu denen Geschlecht, Lebensalter, Körpermasse und der Körperfettanteil gehören. Je mehr Fettgewebe der Körper eines Menschen enthält, desto niedriger ist sein Wasseranteil. Durch ihren geringen Anteil an Körperfett und Knochenmasse bestehen Kleinkinder zu mehr als 70 Prozent aus Wasser. Bei einem jungen erwachsenen Mann beträgt der Wasseranteil noch etwa 60 Prozent gegenüber nur 50 Prozent bei einer jungen Frau, da der weibliche Körper typischerweise mehr Körperfett und weniger Muskelmasse als der männliche besitzt. In späteren Jahren sinkt der Wasseranteil bei beiden Geschlechtern auf unter 50 Prozent, so dass alte Menschen eher von Austrocknung bedroht sind.

Wo im Körper befindet sich das Wasser?

Der Körper eines jungen Mannes von durchschnittlicher Größe und Körpermasse enthält etwa 40 Liter Wasser. 25 Liter davon befinden sich innerhalb, 15 Liter außerhalb der Zellen, davon zwölf Liter in der Gewebeflüssigkeit und drei Liter im Blut.

Zur Gesunderhaltung ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig, damit in allen Körperbereichen der Wassergehalt auf einem normalen Niveau bleibt. Um den täglichen Wasserverlust auszugleichen, benötigt ein Erwachsener am Tag durchschnittlich etwa 2,5 Liter Flüssigkeit. Über 30 Prozent der Flüssigkeitszufuhr stammt aus der Nahrung: Viele Gemüse bestehen zu mehr als 90 Prozent aus Wasser, Fleisch hat einen Wasseranteil von etwa 60 Prozent. Günstig ist also eine zusätzliche Trinkmenge von etwa 1,5 Litern. Ein Teil des Körperwassers stammt aus Stoffwechselvorgängen und entsteht als Nebenprodukt der Zellatmung.

Wie wirkt sich ein Mangel an Flüssigkeit aus?

Flüssigkeitsmangel äußert sich in verschiedenen Symptomen, die von einem extremen Durstgefühl bis zu Lethargie, Kopfschmerzen, Krämpfen, Blässe und stark konzentriertem, dunkel gefärbten Urin reichen. Bei großem Flüssigkeitsmangel (Dehydratation) trocknen Lippen und Zunge aus und werden rissig, Herzschlag und Atemfrequenz beschleunigen sich, es kommt zu Schwindel, Verwirrungszuständen und schließlich zum Koma. Besonders wich-tig ist eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung bei Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen.

Wenn die Nieren versagen: Lebensbedrohlicher Verlust

Wie wirken sich Nierenprobleme aus?

Aufgrund ihrer Rolle bei der Ausfilterung und Beseitigung von Abfallprodukten sind die Nieren anfällig gegenüber Schädigungen durch Giftstoffe und Infektionen. Steht z. B. durch eine Erkrankung der Nieren zu wenig Filtratflüssigkeit zur Verfügung, können diese die Filter- und Rückresorptionsaufgaben nicht im nötigen Maß erfüllen. Entwickelt sich diese Störung zu einer chronischen Erkrankung, geht die Filtrationsleistung mehr und mehr zurück.

Erkrankt lediglich eine Niere, so kann die gesunde Niere deren Funktion voll übernehmen, so dass der Mensch auch mit nur einer Niere ein normales Leben führen kann. Sind jedoch beide Organe betroffen, können Nierenprobleme schwer wiegende Folgen haben. Zunehmend bleiben Abfall- und Giftstoffe im Organismus und der Wasserhaushalt gerät außer Kontrolle: Die Nieren versagen.

Was geschieht bei einer Entzündung der Nierenkörperchen?

Eine Entzündung der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis) bewirkt, dass ihre Wände extrem durchlässig werden, so dass Blutzellen und Eiweiße in das Filtrat übertreten können. Die Nierenkörperchen büßen ihre Funktionsfähigkeit ein und es kommt zu Bluthochdruck und möglicherweise zum Nierenversagen.

Es kann auch zum Übertritt von Eiweißen aus dem Blut in den Urin kommen – eine Störung, die als Proteinurie bezeichnet wird. Dies kann durch entsprechende Urinuntersuchungen nachgewiesen werden. Das Ausscheiden großer Eiweißmengen mit dem Urin bedeutet ein Abfallen der Eiweißmengen im Blut und führt zur Einlagerung von Gewebeflüssigkeit oder Ödemen, eine Störung, die als Nephrotisches Syndrom bezeichnet wird.

Was passiert, wenn die Nieren versagen?

Geht die Entzündung der Nierenkörperchen in einen chronischen Prozess über, vergrößern sich die Nephrone und übernehmen zunächst die Funktion der erkrankten und ausgefallenen Nephrone, so dass die Symptome eines Nierenversagens erst dann erkennbar werden, wenn rund 75 Prozent der Nierenfunktion geschädigt oder verloren sind. Sobald weniger als 25 Prozent der Nieren funktionsfähig sind, ist das Gleichgewicht zwischen der Filterfunktion und der Abscheidung von Wasser und Salzen aus dem Blut gestört und es kommt zu einem Stadium des Nierenversagens (Niereninsuffizienz): Die Nieren können die Urinkonzentration nicht mehr regulieren.

Wenn die Nieren nicht mehr in der Lage sind, Abfallprodukte aus dem Blut zu filtern, kommt es zur Ansammlung giftiger Substanzen, beispielsweise Harnstoff, im Blut. Das Nierenversagen führt zu Ödemen, da Salz und Wasser im Körper zurückgehalten werden. Es können sich Anämien entwickeln, da die Nieren nicht mehr ausreichend Erythropoetin produzieren können, das für die Bildung der roten Blutkörperchen unerlässlich ist. Der Säuregehalt des Bluts steigt (Azidose) und es kommt zu Atemnot, deren Ursache darin liegt, dass die Lunge die Ausscheidung der überschüssigen Säure übernimmt, die zusammen mit dem Kohlendioxid ausgeatmet wird. Eine Übersäuerung des Bluts führt auch zum Anstieg des Kaliumspiegels im Blut und stört die Weiterleitung der elektrischen Impulse im Herzen, so dass schließlich ein Herzstillstand eintreten kann.

Das chronische Nierenversagen ist ein fortschreitender, nicht umkehrbarer Funktionsverlust des Organs, der nicht nur durch eine Glomerulonephritis sondern auch durch Zystennieren oder einen Diabetes mellitus bedingt sein kann. Am Ende steht die Notwendigkeit der regelmäßigen »Blutwäsche« (Dialyse) oder der Nierentransplantation.

Wie funktioniert die Dialyse?

Bei der Dialyse wird der Patient an eine »künstliche Niere« angeschlossen. Das Blut wird über Schlauchverbindungen in das Gerät geleitet und durch dünne Filterhäutchen aus Kunststoff gepresst, die von einer Dialyseflüssigkeit (Reinigungsflüssigkeit) umgeben sind. Während das Blut langsam durch das Filtersystem strömt, gehen stickstoffhaltige Abbauprodukte und andere Abfallsubstanzen durch das Filterhäutchen in die Dialyseflüssigkeit über. Das Blut tritt gereinigt wieder in den Blutkreislauf des Patienten ein. Die ganze Prozedur nimmt etwa fünf Stunden in Anspruch und muss dreimal pro Woche durchgeführt werden.

Neben dieser Art der Dialyse – der Blut- oder Hämodialyse – gibt es eine zweite Form der Dialyse: die Bauchfelldialyse oder Peritonealdialyse. Sie greift auf das patienteneigene Bauchfell, das den gesamten Bauchraum auskleidet, zurück und nutzt es als Filtermembran. Die Dialyseflüssigkeit wird hierbei in die Bauchhöhle eingeleitet und nach etwa 20 bis 40 Minuten zusammen mit den Gift- und Schadstoffen wieder entfernt.

Welche Zeichen deuten auf eine Nierenstörung?

Nierenstörungen können zu schwer wiegenden Erkrankungen führen, wenn sie nicht unverzüglich behandelt werden. Bei ersten Zeichen für eine Harnwegsinfektion oder eine Erkrankung der Nieren sollte daher baldmöglichst ein Arzt aufgesucht werden. Anzeichen sind

Schwierigkeiten oder Brennen beim Wasser lassen

häufigerer Harndrang, insbesondere in der Nacht

Blutbeimengungen im Urin

Schwellungen der Hände und Füße und rund um das Auge

durchgehende Schmerzen im unteren Rü-ckenbereich, die sich bei Bewegung nicht verstärken

Bluthochdruck.

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