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Gefiel den Zeitgenossen die Komposition Bachs?

Nein, nicht unbedingt. Die Zuhörer der Uraufführung am Karfreitag des Jahres 1729 in Leipzig hätten nie vermutet, einen Meilenstein der abendländischen Musikgeschichte zu erleben. Der Thomaskantor Bach bot, wie es seine Profession forderte, kirchliche Gebrauchsmusik – und zwar eine, die man nicht ohne Befremden aufnahm.

»Als nun die theatralische Musik anging«, heißt es in einem zeitgenössischen Bericht, »gerieten alle diese Personen [das Publikum] in die größte Verwunderung, sahen einander an und sagten: —Was soll daraus werden?‹ Eine adelige Witwe sagte: —Behüts Gott, ihr Kinder! Ist es doch, als ob man in einer Opera-Comödie wäre.‹« Der dramatische Impuls wurde als opernhafte Frivolität missverstanden.

Dabei hatte der Komponist Bach lediglich die Doppeldeutigkeit des lateinischen Begriffs »passio« wirklich ernst genommen: als Leidensgeschichte Jesu Christi, aber eben auch als leidenschaftliche Hingabe im Dienste ihrer Vertonung. Opernhaftes war hier allenfalls im strukturellen Sinne zu entdecken, etwa bei der Verwendung der dreiteiligen Da-capo-Arie.

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