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Erste Hilfe bei Kindern

Was im Notfall zu tun ist

Ob Fieberkrampf, Brandwunde oder Spülmittel-Zwischenfall: Im Alltag mit Kindern kann es immer wieder zu Situationen kommen, in denen schnelles Handeln gefragt ist. Dann gilt es, Ruhe zu bewahren und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen – aber welche? Wir erklären, wie Eltern in typischen Krankheits- und Notfallsituationen am besten reagieren.

Mutter und Tochter bei Fiebermessen
Ein grippaler Infekt mit Husten und Schnupfen kann zwar das Wohlbefinden beeinträchtigen, ist aber meist harmlos. In anderen Fällen ist dagegen schnelles Handeln gefragt.
Nächtlicher Hustenanfall

Wenn Eltern nachts aufwachen, weil ihr Kind beängstigende Hustengeräusche von sich gibt, handelt es sich wahrscheinlich um einen Fall von Pseudokrupp. Diese in der Regel durch eine virale Infektion hervorgerufene Entzündung der Atemwege kommt fast nur im Kindesalter – etwa bis zur Einschulung – vor. Sie geht typischerweise mit einem trockenen, bellenden Husten und Atemnot einher.

Die gute Nachricht: Ein Pseudokrupp-Anfall hört sich zwar schlimm an, meistens können Eltern ihrem Nachwuchs aber mit einigen Sofortmaßnahmen über die Attacke hinweghelfen. Wichtig ist, vor allem Ruhe zu bewahren und das verstörte, aufgeregte Kind auf den Arm zu nehmen und zu beruhigen. Denn Hektik steigert die Angst des kleinen Patienten und erhöht die Luftnot. Dabei hilft es, das Kind in eine aufrechte Position zu bringen, sodass es besser atmen kann. Auch kalte Nachtluft kann den Husten mildern.

Krampfattacke mit Fieber

Es tritt immer ganz plötzlich auf: Das fiebernde Kind scheint bewusstlos, fängt unwillkürlich an zu zucken und zu krampfen – eine Situation, die lebensbedrohlich wirkt. Meist steckt hinter derartigen Symptomen ein sogenannter Fieberkrampf. Diese Form des epileptischen Anfalls wird durch rasche Anstiege der Körpertemperatur ausgelöst und kommt nur in der frühen Kindheit vor. Wie sollten Eltern in diesem Fall reagieren?

Zunächst gilt es, das krampfende Kind vor Verletzungen zu schützen. Dafür legt man es am besten ins Gitterbett oder auf den Boden, sodass es nicht herunterfallen kann. Einengende Kleidung sollte gelockert und das Kind, wenn möglich, in die stabile Seitenlage gebracht werden. So kann es nicht an Speichel und Erbrochenem ersticken. Eltern sollten nun kontrollieren, wie lange der Anfall dauert – er sollte nach wenigen Minuten vorüber sein. Sicherheitshalber ist ein anschließender Besuch beim Kinderarzt ratsam. In der Regel bedeutet ein Fieberkrampf aber nichts Schlimmes.

Verbrüht oder verbrannt

Einmal nicht aufgepasst – und schon hat das Kind auf die heiße Herdplatte gefasst oder sich am Tee verbrüht. Jetzt ist schnelles Handeln gefragt, denn für die empfindliche Kinderhaut sind Verbrennungen noch gefährlicher als für Erwachsene. Grundsätzlich gilt: Sobald mehr als zehn Prozent der Körperoberfläche betroffen sind, muss umgehend der Rettungsdienst gerufen werden. Es droht ein empfindlicher Flüssigkeitsverlust und es besteht Schockgefahr. Zum Abschätzen der Situation können Eltern sich folgende Faustregel merken: Die Handfläche des Kindes entspricht rund einem Prozent seiner Körperoberfläche.

Sind weniger als zehn Prozent der Körperoberfläche betroffen, kann die Verbrennung zunächst selbst behandelt werden: Mediziner empfehlen, die Haut mit nicht zu kaltem Wasser zu kühlen – niemals sollten dagegen irgendwelche Hausmittel auf offene Brandwunden gegeben werden. Nach dieser Erstversorgung fahren Eltern am besten mit dem Kind in eine Arztpraxis, auch wenn die Verbrennung auf den ersten Blick nicht so schlimm aussieht. Denn oft ist das Ausmaß der Verletzung nicht gleich ersichtlich.

Verstopfte Luftröhre

Ob Nüsse oder kleine Spielzeugteile: Das Verschlucken von Gegenständen gehört bei Kleinkindern zu den häufigsten Unfallursachen. Flutschen kleinere Objekte direkt bis in den Magen durch, können Eltern einfach abwarten, bis diese über natürlichem Wege wieder ausgeschieden werden – Ausnahmen stellen gefährliche Gegenstände wie Knopfbatterien oder Magnete dar. Hustet das Kind oder hat es Atemnot, ist dies jedoch ein sicheres Zeichen dafür, dass das verschluckte Teil in der Luftröhre steckt. Es besteht Erstickungsgefahr!

Bringt kräftiges Husten den Gegenstand nicht wieder zum Vorschein, kann man es in diesem Fall mit fünf kräftigen Schlägen zwischen die Schulterblätter versuchen. Säuglinge werden dafür mit dem Kopf nach unten auf den Unterarm gelegt, Kleinkinder über das Knie. Hilft auch das nicht, bietet sich als weitere Methode der sogenannte Heimlich-Handgriff an: das Kind von hinten mit den Armen umfassen und mit beiden Händen mehrmals ruckartig Druck auf den Oberbauch zwischen Bauchnabel und Brustbein ausüben. Aber Achtung: Bei Säuglingen unter einem Jahr sollte man diesen Handgriff nicht anwenden.

Lagerung eines Säugling über den Unterarm
In den allermeisten Fällen hilft es, festsitzende Stückchen locker zu klopfen – egal, ob sie in der Luftröhre oder in der Speiseröhre sitzt. Säuglinge werden dafür mit dem Kopf nach unten auf den Unterarm gelegt, Kleinkinder über das Knie.

Giftiger Zwischenfall

Eine wichtige Telefonnummer, die Eltern immer parat haben sollten, ist der Giftnotruf. Denn dass Kinder in einem unbeobachteten Moment einen Schluck aus der Putzmittelflasche nehmen, kommt gar nicht so selten vor. Auf keinen Fall sollten Eltern in solchen Situationen auf eigene Faust Neutralisationsversuche mit Milch oder ähnlichem unternehmen oder Erbrechen auslösen: Was in der einen Situation hilft, kann in der anderen schaden.

Die Experten der Giftinformationszentren können dagegen gut abschätzen, wie akut die Bedrohung ist und konkrete Ratschläge zu Erste-Hilfe-Maßnahmen geben. Hilfreich ist, ein häusliches Notfallset griffbereit zu haben – mit Aktivkohle in Pulverform und einem Entschäumungsmedikament.  

Erste Hilfe: Beatmung von Säulingen
Bei Säuglingen wird wegen der geringen Körpergröße nicht nur über den Mund, sondern über Mund und Nase gleichzeitig beatmet.
Ernstfall Wiederbelebung

Dass ein Kind reanimiert werden muss, ist zum Glück selten der Fall. Doch was tun, wenn es doch einmal dazu kommt? Im Prinzip funktioniert die Wiederbelebung bei Kindern wie bei Erwachsenen. Kleine Unterschiede gibt es aber: Anders als bei Erwachsenen ist bei Kindern häufig nicht ein Herz-, sondern ein Atemstillstand die Ursache für die akute Lebensgefahr. Aus diesem Grund werden bei ihnen zunächst fünf Atemhübe gegeben, bevor mit der Herzdruckmassage begonnen wird.

Anschließend wird wie sonst auch regelmäßig zwischen Druckmassage und Beatmung gewechselt: Auf 30-mal Drücken auf das Brustbein folgen zwei Beatmungen. Bei Säuglingen wird dabei wegen der geringen Körpergröße nicht nur über den Mund, sondern über Mund und Nase gleichzeitig beatmet. Das Wichtigste aber: Eltern sollten nicht zögern, aus Angst irgendetwas falsch zu machen. Das Schlimmste, was man tun kann, ist gar nicht zu handeln. Denn der Rettungswagen braucht Zeit, bis er zum Unfallort kommt.

DAL, 29.01.2019
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