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LEXIKON

Freimaurerei

international verbreitete Vereinigung, deren Mitglieder sich humanistisch-ethischen Zielen verpflichtet fühlen; bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nur als reiner Männerbund existierend. Die Freimaurerei entstand in Anlehnung an die spätmittelalterlichen Bauhütten, von denen sie ihre Abzeichen, Terminologien und Riten ableitet, so u. a. die Einteilung in Logen (zu englisch „lodge“, Bauhütte), die Symbole des Zirkels, Schurzes oder Winkelmaßes sowie die Unterteilung in Meister-, Gesellen- und Lehrlingsgrad.
Geschichtlich fassbar wird die Freimaurerei zunächst in England. Hervorgegangen aus freien Vereinigungen der Werkmaurer, fand 1717 die Gründung der erste Großloge von London statt; in Deutschland kam es 1737 zur Gründung der ersten Freimaurerloge in Hamburg („Loge dHambourg“, später „Absolom zu den drei Nesseln“). Die Freimaurer selbst berufen sich jedoch auf ältere Wurzeln, auf den biblischen Architekten Hiram, den Salomo herbeiholte, um den Tempel in Jerusalem zu bauen. Nach den zentralen Lehrsätzen der Organisation, den sog. Alten Pflichten von 1723, sind Freimaurer verpflichtet „gute und redliche Männer zu sein (...) durch welche Glaubensbekenntnisse oder -anschauungen sie auch unterschieden sein mögen.“ Die Freimaurerei fand im 18. Jahrhundert große Verbreitung, besonders auch in adligen Kreisen, so dass sie dadurch einen starken gesellschaftlichen Rückhalt gewann, obgleich sie eigentlich den Idealen des aufstrebenden Bürgertums diente und dementsprechend unter den Vätern der amerikanischen und der Französischen Revolution ihre wichtigsten Vertreter hatte. Als bedeutendste Organisation der deutschen Freimaurerei entstanden die drei preußischen Großlogen (deren einer König Friedrich II. angehörte).
Die einzelnen Logen und Logenverbände sind nach Herkunft und Charakter sehr verschieden. Von einer einheitlichen Organisation der Freimaurerei zu bestimmten Zwecken kann nicht gesprochen werden. Ihrer Herkunft entsprechend, ist fast allen Logen die Verbundenheit mit den humanitären und freiheitlichen Ideen der Aufklärung gemeinsam. Deshalb tritt die Freimaurerei für die Überwindung der nationalen und konfessionellen Gegensätze im brüderlichen Geist, für Toleranz, soziale Gerechtigkeit , freie Entwicklung der Persönlichkeit und liberale politische Institutionen ein. In katholisch geprägten Ländern trägt die Freimaurerei einen stark antiklerikalen Charakter, da sie in der katholischen Kirche bald ihren erbittertsten Gegner fand. Sie ist kein Geheimbund, sondern eine geschlossene Gesellschaft, die sich aber durch Geheimhaltung der eigentlichen Lehren manchen Missdeutungen ausgesetzt hat.
Die Freimaurerei gliedert sich nach Logen, die in Landeslogen zusammengeschlossen sind. Bestimmte, aber nicht alle Logen vereinigen sich im Weltfreimaurerbund. An der Spitze einer Loge steht der „Meister vom Stuhl“ (in Großlogen der „Großmeister“), der zusammen mit anderen Logenbeamten auf Zeit gewählt wird. Die Mitglieder der Logen heißen „Brüder“; ihre Stellung innerhalb der Logen richtet sich nach den Graden, die sie einnehmen („Lehrling“, „Geselle“, „Meister“). Die rituellen Veranstaltungen der Logen heißen „Arbeit“, die Versammlungsstätten werden „Tempel“ oder „Bauhütten“ genannt. In Deutschland wurde die Freimaurerei 1933 vom Nationalsozialismus als eine der überstaatlichen Mächte unterdrückt, lebte jedoch nach 1945 wieder auf. 1958 schlossen sich alle deutschen Logen zu den „Vereinigten Großlogen von Deutschland, Bruderschaft der deutschen Freimaurer“ zusammen; seit 1949 bestehen auch Frauenlogen. In Deutschland gibt es ca. 15 000 Freimaurer, weltweit schätzungsweise 5 Mio.; in Bayreuth befindet sich das Deutsche Freimaurer-Museum.
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