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GROßES WöRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE

Fisimatenten

Fi|si|ma|tn|ten
nur Pl.
; ugs.
Ausflüchte, Vorwände, Faxen
[urspr. (18. Jh.) „überflüssige Schwierigkeiten, trügerische Vorspiegelungen, Vorwände, um etwas zu verweigern“, < 
visipatenten
(16. Jh.) in ders. Bed., < 
lat.
visae patentes (litterae)
„geprüfte öffentliche (Urkunden, Schriftstücke)“, deren Ausfertigung und Prüfung mit Mühen und bürokratischen Schwierigkeiten verbunden war]
Fisimatenten:
Das nur im Plural verwendete Wort steht für „Ausflüchte“, „Umstände“, „Flausen“, „Blödsinn“. Eine volksetymologische Erläuterung der Herkunft besagt, dass französische Soldaten während der napoleonischen Besatzung in Deutschland zu Anfang des 19. Jahrhunderts gelegentlich junge Damen mit dem Satz „visite/visitez ma tente“ („besuche/besuchen Sie mein Zelt“) zu einem Besuch aufgefordert hätten. Sie seien von ihren Müttern dabei aber gewarnt worden: „Mach nur ja keine Fisi ma tenten!“ Eine andere Herleitung behauptet, es handele sich um die Ausrede von Leuten, die spätabends der napoleonischen Straßenkontrolle über den Weg liefen: „Je viens de visiter ma tante“ („Ich habe gerade meine Tante besucht“).
Neben solchen volkstümlichen Deutungsversuchen des in zahlreichen mundartlichen Varianten gebräuchlichen Begriffs finden sich auch Hinweise auf das schon im 16. Jahrhundert in Deutschland nachgewiesene, umgangsprachliche Wort
visepatentes
. Es leitet sich von dem lateinischen Begriff
visae patentes (litterae)
her, der ursprünglich geprüfte öffentliche Urkunden bezeichnet. Diese Bedeutung verschob sich dann im Sinn von (überflüssiger) bürokratischer Schwierigkeit. Möglicherweise ist dabei der mittelhochdeutsche Ausdruck
visimente, visament
für „(unnötiger) Zierrat“ von Einfluss gewesen.
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